Papst Leo XIV. bei der Gebetswache am 9. Juni 2026 im Olympiastadion Lluís Companys in Barcelona (Spanien).
Vatikan

Ein leiser Löwe im Vatikan – Papst Leo XIV. wird heute 71 Jahre alt

Heute wird Papst Leo XIV. 71 Jahre alt. Löwe heisst er, doch brüllen ist nicht seine Art. Seit bald anderthalb Jahren zeigt sich der erste US-Amerikaner auf dem Papststuhl als bedächtiger Entscheider.

Severina Bartonitschek

(CIC) Sehr sorgfältig, analytisch und perfektionistisch, mit einem ausgeprägten Sinn für Ordnung und Detail – so gelten Menschen mit dem Sternzeichen Jungfrau. Darüber hinaus werden sie als bescheiden, hilfsbereit und fleissig beschrieben. Der wohl berühmteste Mann, der sich in diesem Horoskop wiederfinden könnte, ist Papst Leo XIV. Am heutigen Montag wird er 71 Jahre alt.

Seit bald anderthalb Jahren sitzt der erste US-Amerikaner auf dem Papstthron. Mitarbeitende wie Medienschaffende konnten sich mittlerweile ein Bild vom neuen Pontifex machen. Und auch Leo XIV. selbst scheint sich an seine neue Rolle gewöhnt zu haben. Anders als sein Papstname vermuten liesse, bewegt sich der «Löwe» eher beobachtend als brüllend durch die Vatikanflure – ein leiser Vertreter seiner Art.

Wohlüberlegte Entscheidungen

Sein Regierungsauftrag lautet Stabilisierung. Umgeben von Beratern mit ihren Agenden, einem jahrzehntelang eingespielten Apparat, und von immer neuen kirchenpolitischen Kampagnen muss Leo XIV. dafür jede seiner Entscheidungen genau abwägen. Doch das Risiko, dabei falsch zu liegen, bleibt.

Fronleichnamsprozession mit Papst Leo XIV. am 22. Juni 2025 in Rom (Italien). Der Pontifex trägt die Monstranz.
Fronleichnamsprozession mit Papst Leo XIV. am 22. Juni 2025 in Rom (Italien). Der Pontifex trägt die Monstranz.

Das ging seinen Vorgängern nicht anders. Doch Leos XIV. Herangehensweise unterscheidet sich deutlich etwa von Franziskus’ (2013-2025) Weg. Statt auf «trial and error» setzt er mehr auf kontrolliertes und zurückhaltendes Handeln. Und weil klare und nachhaltige Beschlüsse Zeit brauchen, fällt seine bisherige Bilanz überschaubar aus.

Warten auf den Ruhestand

Besonders sichtbar wird das bei den Personalentscheidungen in der Kurie: Zahlreiche Spitzenpositionen warten auf eine Neubesetzung – und die jetzigen Amtsinhaber auf ihren Ruhestand. Geeignete Kandidaten zu finden, scheint schwer. Kandidaten zu finden, die das Amt auch antreten wollen, noch schwieriger.

Leo XIV. selbst ist als Papst weit vom Ruhestand entfernt. Das Amt ist auf Lebenszeit angelegt, auch wenn die Möglichkeit des Rücktritts besteht. Zudem ist er mit 69 Jahren relativ jung ins Amt gestartet.

Geboren wurde Leo XIV. als Robert Francis Prevost am 14. September 1955 in Chicago. Nach Studium der Mathematik und Philosophie trat er mit 22 Jahren in den Augustinerorden ein und wurde – nach verschiedenen Stationen in den USA und Peru – schliesslich dessen weltweiter Leiter mit Sitz in Rom. Im Jahr 2014 kehrte er nach Peru zurück und leitete das Bistum Chiclayo. 2023 holte ihn Papst Franziskus als Leiter der Bischofsbehörde nach Rom und erhob ihn noch im selben Jahr zum Kardinal. Am 8. Mai 2025 wurde Prevost zum Papst gewählt.

Work-Life-Balance mit ruhigen Hobbys

Doch verbringt das Oberhaupt von über 1,4 Milliarden Katholiken seine Zeit nicht nur mit der Leitung der Weltkirche. Auch als Privatmann setzt Leo XIV. seine bedächtige Linie fort. Mit der Wiederbelebung der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo schafft er sich regelmässig Auszeiten für Körper und Geist. Dort spielt er Tennis und schwimmt, nutzt die Zeit für ruhige Rituale wie Lesen und das Lösen von Online-Worträtseln. Auch seine Familie aus den USA trifft der Baseball-Fan in dem Anwesen mit den grossen Gärten.

Tennisspieler Jannik Sinner (l.) und Papst Leo XIV., beide halten Tennisschläger in den Händen, am 14. Mai 2025 im Vatikan.
Tennisspieler Jannik Sinner (l.) und Papst Leo XIV., beide halten Tennisschläger in den Händen, am 14. Mai 2025 im Vatikan.

Seinen Geburtstag heute könnte Leo XIV. ebenfalls dort feiern. Traditionell verbringt er die Nacht auf Dienstag im Papstpalast des Bergstädtchens. Zu seinem 70. Geburtstag im letzten Jahr gab es Pizza und Kuchen, Glückwunschtransparente von Gläubigen und Gratulationen von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Ansonsten ging der Papst seinen Amtsgeschäften nach.

Kein Partylöwe

Ohnehin ist für Kirchenmänner nicht der Geburtstag, sondern der Namenstag der wichtigere Grund zum Feiern. Bei Päpsten zeigt sich das in besonderer Weise: Ihr Namenstag ist Feiertag im Vatikan. Bei Leo XIV. folgt der schon am 17. September, wenn des heiligen Robert Bellarmin (1542-1621) gedacht wird.

Anzeige ↓     Anzeige ↑

Ein grosses Fest dürfte aber auch zu diesem Anlass nicht geplant sein. Denn selbst bei solchen Gelegenheiten bleibt Leo XIV. seinem eher bescheidenen und zurückhaltenden Wesen treu – und wird nicht zum Partylöwen.


Papst Leo XIV. bei der Gebetswache am 9. Juni 2026 im Olympiastadion Lluís Companys in Barcelona (Spanien). | © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
14. September 2026 | 07:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!