Abt Vigeli Monn: «Einen klassischen Klosterferienalltag gibt es in Disentis nicht»
Die Gründe sind vielfältig, warum Gäste im Benediktinerkloster Disentis und im gleichnamigen Hotel Ferien machen. Beliebt ist in Disentis vor allem das Format «Kloster auf Zeit», im Rahmen dessen Gäste bewusst den Rückzug ins monastische Leben suchen, wie Abt Vigeli Monn im Interview mit kath.ch erklärt. Dieses Angebot, das Männern vorbehalten ist, hat zuletzt rund 25 Prozent der Übernachtungen im Kloster ausgemacht.
Wolfgang Holz
Abt Vigeli, wie viele Gäste zählt das Kloster Disentis etwa pro Jahr?
Abt Vigeli Monn: Es gibt im Kloster Disentis und Hotel Kloster Disentis verschiedene Faktoren, die einen Einfluss auf die Auslastung haben. Für das Hotel Kloster Disentis sind Seminare, Fortbildungen, Angebote für Gruppen, Probenwochen für Chöre oder Orchester und beispielsweise mehrtägige Veranstaltungen von Firmen die Kernzielgruppe – hier kann das Hotel Kloster Disentis mit dem Benediktinerkloster Disentis und seinen Räumlichkeiten seine Alleinstellungsmerkmal voll ausspielen.
Was heisst das konkret?
Monn: Das heisst konkret: Bei vielen Angeboten spielt die Nähe zum Kloster als Kloster dabei eine Rolle – ist aber nicht zwingend. Viele Gruppen, Institutionen und Unternehmen kommen dabei regelmässig – aber nicht zwingend jährlich. Das bedeutet eine verlässliche Kundschaft und spricht für das Angebot unseres Hotels, aber es bedeutet auch saisonale regelmässige Schwankungen im Geschäft des Hotels.
«Es gibt Gäste, die die Angebote des Klosters rege nutzen, andere Gäste nutzen sie dagegen gar nicht.»
Warum machen Menschen überhaupt im Kloster Ferien – soweit Ihnen das bekannt ist – und was gefällt Menschen am Klosterleben?
Monn: Das Hotel Kloster Disentis steht auch privaten Gästen und damit für Ferien offen und wird auch immer stärker privat gebucht. Eine gesonderte Auswertung, aus welchen Gründen Privatreisende das Hotel Kloster Disentis buchen, nehmen wir nicht vor. Selbstverständlich stehen allen Gästen des Klosters die klösterlichen Angebote wie Besuche von Gebeten, Messen oder auch Gespräche mit Vertretern des Konvents jederzeit offen. Einen klassischen «Klosterferienalltag» gibt es aber nicht und auch kein explizites derartiges Angebot. Es gibt Gäste, die die Angebote des Klosters rege nutzen, andere Gäste nutzen sie dagegen gar nicht. Einen starken Anteil an den Gästen – und mit zunehmender Zahl und zunehmendem Anteil an der Bilanz – machen das Angebot «Kloster auf Zeit» und, wenn auch in kleinerer Zahl, Pilgerinnen und Pilger aus.
«Kloster auf Zeit» bedeutet was genau?
Monn: «Kloster auf Zeit» definieren wir nicht als Ferien, es ist eher ein bewusster Rückzug ins Kloster. Dazu gehört auch – im Umfang ganz nach persönlicher Situation und persönlichem Wunsch – die Teilnahme am monastischen Leben. Da die Gäste von «Kloster auf Zeit» mit dem Konvent essen und leben, ist dieses Angebot Männern vorbehalten. Die Gäste von «Kloster auf Zeit» haben zuletzt rund 25 Prozent der Übernachtungen im Kloster ausgemacht. Alle anderen Gäste können aber ebenfalls am Klosterleben teilhaben – einfach ausserhalb des Konvents wohnend und essend.
«Mit dem Hotel Kloster Disentis haben wir bewusst den Schritt gemacht, uns noch weiter zu öffnen und stehen allen Gästen offen.»
Welchen Nutzen – ausser den finanziellen – hat das Kloster von seinen Gästen?
Monn: Als Benediktinerabtei gehört Gastfreundschaft zur DNA unseres Klosters. Mit dem Hotel Kloster Disentis haben wir bewusst den Schritt gemacht, uns noch weiter zu öffnen und stehen allen Gästen offen. Ganz egal, welcher Grund sie zu uns führt, ob nun Ferien, eine Übernachtung auf einer Durch- oder Geschäftsreise, eine Hochzeitsfeier im Kloster, ein Firmenevent, ein Seminar, Kongress oder Musik – oder auch Sport.
Sogar auch Sport?!
Monn: Ja, vor einigen Jahren hatten wir während der Tour de Suisse mehrere Teams im Hotel Kloster Disentis zu Gast. Für uns steht dabei nicht ein konkreter Nutzen im Mittelpunkt. Wir schätzen dagegen den Austausch mit den Gästen, Verbindungen, die daraus entstehen, Kontakte, Freundschaften – und wenn wir feststellen, dass Gäste vielfach zurückkehren, oft irgendwann auch einmal für «Kloster auf Zeit», dann ist dieser Austausch offenbar beidseitig positiv. Das würden wir nicht als Nutzen bezeichnen, aber wir empfinden es als Bereicherung und als sehr positiv.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




