Priesterweihe
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Polen verzeichnet erstmals seit Jahrzehnten unter 200 Priesterweihen: In Deutschland leichter Aufwärtstrend

Die Zahl der Priesterweihen in Polen ist 2026 erstmals seit dem Jahr 2000 wieder unter die Marke von 200 gefallen. Nach aktuellen kirchlichen Prognosen werden in diesem Jahr 196 neue Priester geweiht, darunter 130 Diözesan- und 66 Ordenspriester. Die katholische Kirche in Deutschland verzeichnet in diesem Jahr insgesamt 30 Priesterweihen und damit einen leichten Anstieg nach dem bisherigen Tiefststand von 25 Weihen im Jahr 2025.

(KAP/KNA) Das meldet die polnische Nachrichtenagentur KAI im Vorfeld des traditionellen Weihetages zum Hochfest Peter und Paul am 29. Juni. Der Rückgang reiht sich in eine längerfristige Entwicklung ein, die bereits in den vergangenen Jahren deutlich sichtbar wurde (2024: 235 Weihen, 2025: 208 Weihen). Damit setzt sich eine strukturelle Abwärtsbewegung fort, die die katholische Kirche in Polen zunehmend beschäftigt.

Nach wie vor höchste Zahl an Priesterweihen in Europa

Trotz dieses Rückgangs bleibt Polen weiterhin das europäische Land mit den höchsten absoluten Zahlen an Priesterweihen. Im Vergleich dazu liegen Frankreich und Deutschland deutlich darunter. Gleichzeitig verliert das Land jedoch seine bisherige Rolle als einer der wichtigsten «Exportstaaten» für Priesterberufe in Europa sowie für Missionen in Afrika, Asien und Lateinamerika, wo polnische Geistliche traditionell in großer Zahl tätig waren.

Johannes Paul II. sprach von der "gemeinsamen Wurzel" des Christentums und des Judentums. Das Bild zeigt das Kirchenoberhaupt 1984 in Genf.
Johannes Paul II. sprach von der "gemeinsamen Wurzel" des Christentums und des Judentums. Das Bild zeigt das Kirchenoberhaupt 1984 in Genf.

Innerhalb Polens zeigt sich zudem eine starke regionale Ungleichverteilung der Berufungen. Einige Diözesen wie Tarnów verzeichnen weiterhin relativ stabile Zahlen, während andere Diözesen im Jahr 2026 keine einzige Priesterweihe melden.

Verschiedene Einflussfaktoren

Als strukturelle Faktoren werden in kirchlichen Analysen mehrere Entwicklungen genannt. Dazu zählen die fortschreitende Säkularisierung der Gesellschaft, der Einfluss eines zunehmend pluralistischen und konsumorientierten Lebensstils sowie demografische Veränderungen mit sinkenden Geburtenraten.

Auch die Reform der Priesterausbildung wird als möglicher Einflussfaktor diskutiert: Die Ausbildungszeit wurde in vielen Priesterseminaren durch ein zusätzliches propädeutisches Jahr auf insgesamt sieben Jahre verlängert, was kurzfristig zu geringeren Abschlusszahlen führen kann.

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Kirchliche Verantwortliche interpretieren die Entwicklung teils als Normalisierung nach einer aussergewöhnlichen Phase hoher Berufungszahlen im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert. Besonders unter Papst Johannes Paul II. (1978-2005) rund um das Ende des Kommunismus hatte die katholische Kirche in Polen einen starken Zulauf an Seminaristen erlebt – der absolute Höchststand an Weihen in der Geschichte des Landes betrug 900 im Jahr 1995 -, der sich nun offenbar nicht auf diesem Niveau fortsetzt. Laut der nationalen Kirchenstatistik sank auch die Gesamtzahl der Diözesanpriester in Polen zwischen 2018 und 2024 um 6,4 Prozent.

Die katholische Kirche in Deutschland verzeichnet in diesem Jahr insgesamt 30 Priesterweihen und damit einen leichten Anstieg nach dem bisherigen Tiefststand von 25 Weihen im Jahr 2025. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Meiste Priesterweihen im Bistum Rottenburg

Die meisten Priesterweihen, nämlich 5, gibt es der Umfrage zufolge im Bistum Rottenburg-Stuttgart, gefolgt vom Erzbistum Berlin mit 4 Weihen. Je drei Neupriester gibt es in Eichstätt, Köln und München-Freising. Die (Erz-)Bistümer Freiburg und Trier melden je 2 Priesterweihen. Jeweils einen Neupriester gibt es in Paderborn, Speyer, Dresden-Meissen, Passau, Augsburg, Würzburg, Regensburg und Bamberg.

Rottenburger Dom Sankt Martin.
Rottenburger Dom Sankt Martin.

Keine Weihen gibt es 2026 in den 11 Bistümern Aachen, Münster, Essen, Limburg, Hamburg, Hildesheim, Osnabrück, Mainz, Görlitz, Magdeburg und Erfurt.

Das Bistum Fulda konnte auf Anfrage noch keine Zahlen nennen, verwies aber darauf, dass im März ein 31-jähriger Ukrainer nach byzantinischem Ritus zum Priester geweiht wurde. Er betreut die Ukrainische Kirchengemeinde und ist auch in der Seelsorge im Bistum tätig.

Die Deutsche Ordensobernkonferenz teilte mit, sie erhalte die aktuellen Zahlen aus den einzelnen Ordensgemeinschaften erst zum Jahresende. In den letzten Jahren hatte es dort 6 (2025), 11 (2024) und 4 (2023) Priesterweihen gegeben.

1966 gab es 15 mal so viele Weihen

Der 29. Juni, das Fest Peter und Paul, war lange Zeit der klassische Termin für Priesterweihen in der katholischen Kirche. Inzwischen weihen viele Bistümer aber auch zu Pfingsten und an anderen Terminen.

Die Zahl der Priesterweihen in Deutschland geht seit vielen Jahren im Trend stark zurück. So gab es etwa 1966, also vor 60 Jahren, noch 447 Priesterweihen in den 27 Bistümern, knapp 15-mal so viele wie in diesem Jahr. 1976 waren es schon nur 182, 1986 wieder 254. 1996 gab es 186 Weihen, 2006 insgesamt 121 und 2016 noch 77. Seit 2008 lag die Zahl dauerhaft unter 100, seit 2021 unter 50.


Priesterweihe | © Bistum Chur / Dirk Frischknecht
27. Juni 2026 | 09:00
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