Klara Antonia Csiszar zu Gast in der Paulus-Akademie, 12. Juni 2026
Schweiz

Weltsynode-Expertin: «Synodalität ist auch eine Friedensbewegung»

Die Expertin der Weltsynode und Professorin aus Linz, Klara Antonia Csiszar, hat das erste Forum Kirchenentwicklung in Zürich miterlebt und mit einem Vortrag bereichert. Sie bezeichnet die Synodalität als antizyklisches Projekt in konfliktreicher Welt.

Regula Pfeifer

Sie haben das erste Forum Kirchenentwicklung in Zürich* miterlebt und mit einem Vortrag abgeschlossen. Was ist Ihr Eindruck aus dem Anlass?

Csiszar**: Ich habe gemerkt, dass in der Schweiz die synodale Haltung klar langsam zur Kultur gehört. Die kirchlichen Mitarbeitenden wollen hinausgehen und nicht warten, bis die Leute zu ihnen in die Kirche kommen. Sie wollen präsent sein, wo Menschen leben – sei es reell oder im digitalen Raum. Sie wollen Räume öffnen und sich um die Fragen der Menschen rundherum kümmern. Das wird langsam zum Selbstverständnis von Kirchesein. Die früheren kirchlichen Bubbles sind damit geplatzt.

Ich habe zudem einen Drang zum Netzwerken beobachtet – und Netzwerken ist genuin katholisch. Wir sind vernetzt in einer weltweiten Kirche.

Haben Sie etwas entdeckt hier, was Sie anderswo nicht gesehen haben?

Csiszar: Ich habe Begeisterung gesehen, viele Leute im Saal, die die Kirche gestalten wollen. Das gibt es in Österreich auch. Da verstehe ich nicht, warum wir in Westeuropa manchmal so viel klagen, etwa über die Kirchenaustritte. Ich empfehle, die Situation positiv zu sehen: Da sind nach wie vor viele Menschen, die mit Herzblut in der Kirche sind. Diese Menschen sollten wir stärken.

Klara Antonia Csiszar (links), Professorin für Pastoraltheologie in Linz, verfolgt den Anlass zur Kirchenentwicklung in Zürich.
Klara Antonia Csiszar (links), Professorin für Pastoraltheologie in Linz, verfolgt den Anlass zur Kirchenentwicklung in Zürich.

Wo steht die Frauenfrage im synodalen Prozess? In einer Studie hat der Vatikan festgestellt, die Frauenfrage in der katholischen Kirche sei dringlich.

Csiszar: Die ganze Weltkirche spricht zunehmend über die Frauenfrage. Das Thema kann und will man nicht mehr ausblenden. Das macht mir Hoffnung. Wir merken konkret, dass Frauen in höchste Leitungspositionen ernannt werden, auch im Vatikan. Ich habe den Eindruck, dass die Kirche explizit darauf achtet, dass leitende Frauen in der Kirche immer mehr zum Normalfall werden. Natürlich gibt es bei weltweit 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken dafür nicht nur Zustimmung. Aber man lernt hinzu, und dafür war die Synode ganz wichtig.

«Ich hatte den Eindruck, dass manche Bischöfe an der Weltsynode das erste Mal vier Wochen lang mit Frauen an einem Tisch diskutiert haben.»

Ich hatte den Eindruck, dass manche Bischöfe an der Weltsynode das erste Mal vier Wochen lang mit Frauen an einem Tisch diskutiert haben und ihnen zuhören mussten. Und ich habe keinen Bischof gehört, der gesagt hätte, das war schlecht. Viele waren dankbar, dass Frauen mit dabei waren. Sie sagten: Das hat unser Miteinander verändert.

Im deutschen Sprachraum sind wir in der Frauenfrage eher fortschrittlich. Hier befindet sich die katholische Kirche in einem anderen Kontext als etwa in Osteuropa. Ich kann der Kirche in Osteuropa nicht vorwerfen, dass sie die Rezeption des Zweiten Vatikanums nicht gleich wie im deutschen Sprachraum durchgemacht hat. Die osteuropäischen Katholikinnen und Katholiken waren lange mit anderem beschäftigt. Sie können die 40 Jahre Entwicklung nicht von heute auf morgen einholen.

Was läuft aktuell auf europäischer Ebene? Was wird diskutiert?

Csiszar: Csiszar: Momentan wird gerade nicht diskutiert. Wir trafen uns 2023 in Prag und 2024 in Linz zu einem europäischen synodalen Treffen. Vom 14. bis 17. September werden wir wieder ein solches Treffen haben, gemeinsam mit den Bischofskonferenzen und Interessierten in Europa. Da werden wir Fragen der Transformation besprechen, beginnend bei der transformativen Liturgie. Aus der transformativen Kraft der Taufe schauen wir auf die Herausforderungen in Europa und wie wir das Evangelium in Europa heute leben können. Am letzten Tag werden wir uns fragen: Was muss sich alles in der Kirche wandeln, wenn wir Kirche von der gleichen Würde aller Getaufte her denken? 

«Synodalität führt Menschen zusammen.»

Was bringt der synodale Prozess eigentlich – aus Ihrer Sicht?

Csiszar: In der heutigen konfliktreichen Welt ist die Synodalität ein antizyklisches Projekt im Sinne des Evangeliums. Sie führt Menschen zusammen und lädt sie ein, miteinander im Gespräch zu bleiben. Insofern ist Synodalität auch eine Friedensbewegung. Es geht darum, Spaltungen zu überwinden, indem Menschen miteinander reden. Ich bin zuversichtlich: Wenn wir 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken miteinander ringen, werden wir zunehmend zueinander finden, trotz aller Unterschiede. Es gibt Diversität, aber auch Einheit, die uns verbindet. Die Einheit sollten wir zur Sprache bringen oder gar feiern in den verschiedenen Liturgien – mit gemeinsamem Gebet und Gesang.

Helena Jeppesen-Spuhler (r.) mit der Westschweizerin Claire Jonard und der Österreicherin Klara-Antonia-Csiszar (l.) an der Weltsynode
Helena Jeppesen-Spuhler (r.) mit der Westschweizerin Claire Jonard und der Österreicherin Klara-Antonia-Csiszar (l.) an der Weltsynode

Sprechen Sie von der Verbindung unter den gläubigen Christinnen und Christen?

Csiszar: Ja, ein Christ oder eine Christin in Afrika, in Rumänien oder in der Schweiz sagt dasselbe: Mein Glaube an Jesus Christus ist mir wichtig. Das verbindet uns. Aber wie ich diesen Glauben lebe oder wie mich dieser Glaube herausfordert, kann je nach Kontext anders sein. Trotz dieses Andersseins kann niemand die ureigene Verbindung des anderen, die wir alle in der Taufe bekommen haben, abstreiten. Meine Hoffnung ist, dass dieses Miteinander in der konstitutiv katholischen Vielfalt immer mehr zur Erfahrung wird, die uns alle fasziniert. Auf diese Art und Weise können wir heute neu ausbuchstabieren, was es im 21. Jahrhundert bedeutet katholisch zu sein, nämlich konsequent Einheit in Vielfalt mutig zu leben. (korrigiert, 19.6.26, 20 Uhr)

*Das erste Forum Kirchenentwicklung fand am 12. Juni in der Paulus Akademie in Zürich statt, kath.ch berichtete darüber.

* Klara-Antonia Csiszar ist Universitätsprofessorin der Pastoraltheologie und
Vizerektorin für Lehre und Forschung, Dekanin der Fakultät für Theologie an der Katholischen Privatuniversität Linz. Sie war als Expertin an den Weltsynoden von 2023 und 2024 in Rom beteiligt und ebenso an den europäischen synodalen Treffen in Prag und Linz. Dabei engagiert sie sich besonders in der Frauenfrage.

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Klara Antonia Csiszar zu Gast in der Paulus-Akademie, 12. Juni 2026 | © Regula Pfeifer
19. Juni 2026 | 17:00
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