Papst Leo XIV.: Digitale Welt grenzt Arme immer stärker aus
Macht das Internet die Armen unsichtbar? Papst Leo XIV. sieht in der digitalen Welt eine Verschärfung von Vorurteilen und Gleichgültigkeit. Zum Welttag der Armen am 15. November fordert er ein Umdenken – vor allem von Christinnen und Christen.
(CIC) Papst Leo XIV. prangert die verschärfte Ausgrenzung von Menschen in der digitalen Welt an. «Der Schrei der Armen nach Gerechtigkeit wird heute durch vielfältige, immer subtilere Techniken erstickt, bis all ihre Bemühungen, ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, verstummen», so Leo XIV. in seiner am Sonntag veröffentlichten Botschaft zum 10. katholischen Welttag der Armen.
Das Kirchenoberhaupt kritisiert: «Die digitale Welt radikalisiert die Vorurteile ihnen gegenüber und verstärkt den Schleier der Gleichgültigkeit, der ihre Anliegen verhüllt.»
Verlust Gottes im Alltag befeuert Ungerechtigkeit
Die soziale Ungerechtigkeit, «die von einer vermessenen Verdorbenheit herrührt», und die zunehmende Zahl armer Menschen begründet der Papst mit einem Verlust des Sinns für das Transzendente im Alltag. Dies sei keine theoretische Leugnung der Existenz Gottes mehr, sondern zeige sich darin, dass seine Güte und Barmherzigkeit bei den Bemühungen um persönliche und soziale Gerechtigkeit nicht berücksichtigt werden.
Diese unselige Logik aus Egoismus, Ungerechtigkeit und Ausgrenzung marginalisiere und erniedrige nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Bevölkerungsgruppen.
Christen dürfen nicht gleichgültig bleiben
In seiner Botschaft appelliert Leo XIV. an diejenigen, «die sich Christen nennen», nicht gleichgültig zu bleiben gegenüber den vielen, die von der Gesellschaft übersehen werden.
Sie sollten sich für die Armen und ihre Befreiung einsetzen. «Dann werden wir sehen, dass die Armen selbst zur Zuflucht für andere werden.» Es gelte, alles von unten her neu zu denken – in Demut und Geschwisterlichkeit, denn nur diese heilten eine von Überheblichkeit verwundete Welt.
Besondere Tradition im Vatikan
Papst Franziskus (2013-2025) hatte den Welttag der Armen 2016 initiiert, um den Blick auf die zahlreichen Formen von Armut heute zu lenken. Er findet immer am vorletzten Sonntag vor Beginn des Advents statt, diesmal am 15. November. Üblicherweise isst der Papst nach der Messe zum Welttag mit benachteiligten Menschen zu Mittag. Im letzten Jahr speiste Leo XIV. mit rund 1300 Personen in der Vatikanischen Audienzhalle.
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