Fit für die Zukunft: Der neue Geschäftsführer über das Kloster Einsiedeln
Seit einem halben Jahr leitet Bruno Hensler die wirtschaftlichen Geschicke des Klosters Einsiedeln. Zuvor war er Verwaltungsdirektor der Hochschule St. Gallen (HSG). Erklärtes Ziel ist es, das Kloster und das Dorf aus dem Bewältigungsmodus zu führen.
Weitere Themen:
- In den 1980er-Jahren war er Stiftsschüler in Einsiedeln. Wie hat sich das Kloster seither verändert?
- Das Kloster Einsiedeln hat die Stelle des Geschäftsführers neu definiert: Was ist der Kernauftrag von Bruno Hensler?
- Vor seiner Anstellung an der HSG war er Rektor des Gymnasiums im Kloster Disentis: Welche Lehren nimmt er nach Einsiedeln mit?
- In der Hierarchie ist er die Nummer zwei: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Abt Urban Federer?
- Hensler hat sich einen Überblick über alle Bereiche des Klosters verschafft: Wo gibt es akuten Handlungsbedarf?
- Die Benediktsregel besagt, dass ein Kloster selbsttragend sein soll. Erfüllt das Kloster Einsiedeln diese Anforderung?
- Wegen der Missbrauchsfälle steht die römisch-katholische Kirche in der Kritik: Hat das Auswirkungen auf die Donationen?
- Pro Jahr besuchen rund 800’000 Menschen Einsiedeln. Andere Orte würden sich darüber freuen. Weshalb ist das in Einsiedeln anders?
- Henslers Fazit: «Es gibt Gäste, die möchten in Einsiedeln Geld ausgeben, finden aber keine für sie passenden Angebote.» Was ist zu tun?
Transcript
Was machen wir for profit,
2
:und was ist non-profit? Und wenn man Weltliche
anstellt, dann muss das zumindest eine schwarze
3
:Null geben. Und das ist, glaube ich auch bei
Klöstern, aber auch in anderen Organisationen,
4
:ist zum Teil dieser betriebswirtschaftliche
Mechanismus nicht in allen Teilen gleich
5
:gut etabliert. Daran müssen wir arbeiten.
Es ist nicht garantiert, dass das Kloster
6
:einfach Geld hat, sondern wie können wir in
verschiedenen Betriebszweigen dazu beitragen,
7
:dass wir einen positiven Wertbeitrag haben, um die
klösterlich-monastischen Tätigkeiten zu tragen.
8
:Sandra Leis [:Das sagt Bruno Hensler. Er ist promovierter
9
:Betriebswirt und leitet seit knapp einem halben
Jahr die wirtschaftlichen Geschicke des Klosters
10
:Einsiedeln. Der ehemalige Stiftschüler war zuvor
Verwaltungsdirektor der Hochschule St. Gallen. Im
11
:Podcast «Laut + Leis» spricht er über seine neue
Aufgabe und wie er das Kloster für die Zukunft
12
:fit machen möchte. Und er sagt, was ihm die
Benediktsregel bedeutet. Ich bin Sandra Leis und
13
:besuche Bruno Hensler im Kloster Einsiedel. Bruno
Hensler, herzlich willkommen zu unserem Gespräch.
14
:Bruno Hensler [:Es freut mich, dass ich
15
:hier dabei sein darf, dass Sie uns besuchen.
16
:Sandra Leis [:Von der Hochschule St.
17
:Gallen zurück nach Einsiedeln, wo Sie
aufgewachsen sind. Warum dieser Wechsel?
18
:Bruno Hensler [:Der Wechsel kommt natürlich
19
:auch in der Logik der Karriere im Sinne des
Berufsweges, wo ich hier die Gelegenheit habe,
20
:noch einmal oder all das, was ich auf dem
Berufsweg erfahren habe, auch einbringen
21
:zu können in der generalistischen Tätigkeit
als Geschäftsführer des Klosters Einsiedeln.
22
:Sandra Leis [:Sie nehmen allerdings einen weiten Weg
23
:auf sich. Sie leben mit ihrer Familie in Teufeln,
das ist im Appenzell, und haben so zwei Stunden
24
:mit dem Zug mindestens von Haus zu Haus. Ist das
nicht auch eine enorme Anstrengung mit der Zeit?
25
:Bruno Hensler [:Ich erlebe es als Privileg
26
:diese Zeit, diese Zugzeit. Das ist ja nicht ein
vollgepackter Zug, wir sind ja nicht in einer
27
:S-Bahn, sondern es ist der Voralpen-Express,
den ich allen empfehlen kann. Und da kann ich
28
:sowohl Konzepte als auch Mails in Ruhe
bearbeiten, sodass eben die notwendige
29
:Konzentration auch vorhanden ist, die häufig bei
Managementaufgaben eben zu wenig vorhanden ist.
30
:Sandra Leis [:. Dezember:
31
:Sie Geschäftsführer des Klosters
Einsiedeln geworden. Das heisst,
32
:Sie sind jetzt praktisch ein halbes Jahr
hier. Was hat Sie am meisten überrascht?
33
:Bruno Hensler [:Es ist noch schwierig zu sagen, was hat
34
:mich am meisten überrascht, weil ich natürlich
die Nähe zu einer Benediktinergemeinschaft
35
:auch beispielsweise in Disentis in meiner
Vorvortätigkeit erlebt habe, damals als
36
:Rektor des Gymnasiumsinternats im Kloster Disentis
und auch dort auf dem Weg dieser Gemeinschaft,
37
:sich in die Zukunft zu begeben beziehungsweise
mit der Zukunft sich auseinanderzusetzen. In
38
:diesem Sinne ist es weniger eine Überraschung
als eine Bestätigung, dass natürlich die
39
:Klostergemeinschaft sich eben nicht, wie man
vermuten möchte, um die Vergangenheit kümmert,
40
:sondern eben auch um die Zukunft, ganz im
Sinne des benediktinischen Erbes und Auftrags.
41
:Sandra Leis [:Sie selber waren hier schon Stiftschüler in
42
:den:heute schauen, was hat sich wesentlich verändert?
43
:Bruno Hensler [:Wesentlich verändert hat sich
44
:beispielsweise natürlich bei der Stiftschule
die Größe, die ist heute deutlich größer als
45
:früher. Was sich auch verändert hat, ist
der Stellenwert des Internats. Das hat sich
46
:sicher verändert. Was sich nicht verändert
hat, ist die humanistische Ausrichtung,
47
:also die Vielschichtigkeit der Ausbildung
und dementsprechend auch die Ambition,
48
:die dahinter steckt, dass man hier eine gute
Schule anbieten will. Und auch anbietet und
49
:dementsprechend auch die Jugendlichen vorbereitet
auf die Herausforderungen des künftigen Lebens.
50
:Sandra Leis [:Es ist schon erstaunlich,
51
:ch habe gelesen, Stand Sommer:dass hier 430 Schülerinnen und Schüler
52
:sind. Das ist eigentlich sehr
viel für eine Klosterschule.
53
:Bruno Hensler [:Ja, das hängt natürlich auch zusammen mit der
54
:Bevölkerungsdynamik des Kantons Schwyz, weil wir
haben natürlich in den letzten Jahren, Jahrzehnten
55
:substanziellen Bevölkerungszuspruch erhalten.
Dann hat es auch damit zu tun, dass wir gerade
56
:im sogenannten äusseren Kantonsteil viele Zuzüge
haben, auch von Expats oder Leuten, die in Zürich
57
:arbeiten, internationale Leute, die sich gewohnt
sind, dass ihre Kinder auch eine ambitionierte
58
:Privatschule besuchen, und das führt natürlich
dann zu einem gewissen Nachfrageaufkommen.
59
:Sandra Leis [:Das Kloster Einsiedeln
60
:hat die Stelle des Geschäftsführers neu definiert
61
:oder weiterentwickelt. Können Sie auf den
Punkt bringen, was Ihr Kernauftrag ist?
62
:Bruno Hensler [:Kernauftrag ist hier die erarbeitete
63
:Strategie bzw. das Ziel, was das Kloster hat,
nämlich Menschen empfangen, begegnen, begleiten,
64
:dass wir das in Initiativen übersetzen, die eben
zukunftsfähig sind und auch auf das Daseinsziel
65
:auch einzahlen. Beispielsweise, wenn ich Menschen
empfangen möchte, dann muss ich auch Gelegenheiten
66
:bieten, die empfangen zu können. Im Sinne von
Gästebereichen, im Sinne auch natürlich Kirche,
67
:die haben wir, aber vielleicht braucht
es noch andere Empfangsräume, es braucht
68
:vielleicht auch Themen, wie verpflegen
sich diese Personen, so Dinge sind Thema.
69
:Sandra Leis [:Ein wichtiger Punkt ist ja
70
:auch die Zusammenarbeit mit Abt Urban Federer.
Er ist der Kopf des Klosters, und Sie sind im
71
:Prinzip die Nummer zwei. Wie funktioniert
die Zusammenarbeit? Wie erleben Sie die?
72
:Bruno Hensler [:Es ist sicher eine sehr offene,
73
:transparente Zusammenarbeit. Das muss
auch so sein, sonst gelingt das nicht.
74
:Das ist vertrauensvolle Zusammenarbeit,
natürlich auch von der Herkunft her auch
75
:meinerseits. Man weiß dann, welche Dinge
gehören jetzt nicht in die Öffentlichkeit
76
:oder auch nicht in den großen Kreis. Es geht mehr
ums Verständnisschaffen. Und diese Zusammenarbeit,
77
:die erlebe ich als sehr positiv, sehr
vertrauensvoll. Wie ich sie übrigens
78
:auch natürlich, ich komme nochmal zurück,
auch in Disentis mit Abt Vigeli erlebt habe.
79
:Sandra Leis [:Sie kennen dieses Doppelspiel in dem Sinne schon.
80
:Abt Urban und Sie, Sie sind praktisch gleich
alt. Er ist Jahrgang:
81
::zwischen Ihnen. Und gleichwohl wissen Sie, wissen
82
:alle, um ein Unternehmen erfolgreich führen zu
können, braucht es auch Reibung. Wo entsteht die?
83
:Bruno Hensler [:Die Reibung entsteht natürlich dort,
84
:wo man verschiedene Ansichten hat, wie man
entwickeln könnte. Und da geht es eben auch darum,
85
:dass man diese Ansichten äussert, Bedenken
aufnimmt oder auch Chancen, die man vielleicht
86
:noch gar nicht gesehen hat und dass man die
eben konstruktiv aufnimmt und nicht persönlich.
87
:Und hier muss ich sagen, haben wir bis anhin noch
wenig Reibungsfläche gehabt, weil der Abt war ja
88
:auch im Rekrutierungsprozess. Und er hat per se
nicht die Reibungsfläche gesucht, sondern er hat
89
:jemanden gesucht, der ihm eben auch hilft, diese
Themen, die er für das Kloster oder für auch seine
90
:neue Amtszeit gesehen hat, hilft ihm umzusetzen
diesbezüglich. Sicher ist es so, dass man nicht
91
:in allen Punkten auch in Zukunft Einigkeit
haben wird. Letztlich ist er der Leiter der
92
:Klostergemeinschaft. Und die Klostergemeinschaft
ist der Auftraggeber für meine Tätigkeit.
93
:Sandra Leis [:Also er entscheidet am Schluss,
94
:wenn es drauf ankommt, das ist klar, so ist
die Hierarchie. Gleichwohl würde es mich
95
:wunder nehmen, wie werden denn die Mönche,
die Brüder, miteinbezogen? Denn in der
96
:Benediktsregel heisst ja auch, man solle
auf die Mitglieder der Gemeinschaft hören.
97
:Bruno Hensler [:Genau. Ich glaube,
98
:das ist ein ganz wichtiger Punkt. Das ergibt sich
aber aus der, in Neudeutsch würde man sagen, die
99
:Governance der Benediktsregel. Darin ist natürlich
klar, dass der Abt, er ist Primus inter pares,
100
:er wird gewählt aus der Klostergemeinschaft.
Es gibt dann schon noch andere Möglichkeiten,
101
:aber grundlegend ist es so. Und er hat den Rat
der Klostergemeinschaft einzuholen. Und dazu gibt
102
:es verschiedene Gremien, es gibt die sogenannten
Oberen, ein Dreiergremium aus Dekan und Prior und
103
:Abt. Dann gibt es das Konzilium, der beratende
Stab, also Konzilium als Rat für den Abt. Und
104
:dann gibt es natürlich auch den Konvent, also
die Zusammenkunft aller Mönche, die hier eben
105
:auch für gewisse Punkte angehört werden müssen
und entscheiden müssen. Der Abt könnte vieles
106
:einfach bestimmen, aber er tut gut daran,
wenn er das eben nicht einfach alleine macht.
107
:Sandra Leis [:Im vergangenen halben
108
:Jahr haben Sie sich jetzt bestimmt
einen Überblick über alle Bereiche
109
:des Klosters Einsiedeln machen können.
Wo sehen Sie akuten Handlungsbedarf?
110
:Bruno Hensler [:Akuten Handlungsbedarf, also muss ich zuerst
111
:sagen, im Moment läuft ja alles, oder. Aber es
zeichnen sich natürlich am Horizont Bedürfnisse ab
112
:entlang der Umsetzung der Strategie. Wenn ich
Gäste empfangen will, dann reichen wahrscheinlich
113
:13 Zimmer nicht. Und wenn ich auf verschiedene
Bereiche im Kloster anschaue, baulicher Natur,
114
:dann sind gewisse Bereiche, die seit 50 bis
gar 100 Jahren nie mehr berührt wurden. Stehen
115
:natürlich Renovationen, Restaurierungsarbeiten,
dann nicht einfach der Konservierung, sondern
116
:Überführung im Sinne, was sind die sichtbaren und
künftig notwendigen Bedürfnisse, die abgedeckt
117
:werden müssen, und wie können wir das in diesem
Bau, den wir hier haben. Wir kommen auch zum
118
:Schluss, dass wir eigentlich. . . Zwischenstand,
wir haben ganz viel Umbautenraum, aber vielleicht
119
:nicht mehr so sinnvoll genutzt, wie er für
die Zukunft tauglich gemacht werden müsste.
120
:Sandra Leis [:Und ich nehme an,
121
:Sie müssen auch mit dem Denkmalschutz
kooperieren. Sie können ja nicht umbauen
122
:und renovieren, wie Sie gerade lustig sind.
123
:Bruno Hensler [:Genau, also das ist eine Herausforderung,
124
:die man natürlich an einem solchen Ort hat.
Gleichzeitig ist das auch nicht neu. Ich meine,
125
:das haben wir in Disentis gehabt.
Das hat aber auch die Universität St.
126
:Gallen, der Tête von Förderer, also dieser
Betonbau, der ist denkmalgeschützt. Da kann ich
127
:nicht einfach machen, was ich will. Und da gibt
es andere Bauten auch, und das führt dann aber
128
:in der Regel, nicht immer, aber in die Regel führt
diese Reibungsfläche, die Sie vorher angesprochen
129
:haben. Führt dann zu besseren Lösungen, häufig,
als wenn man einfach machen kann, wie man will.
130
:Sandra Leis [:Man muss auch mehr nachdenken.
131
:Bruno Hensler [:Man muss mehr nachdecken, man muss sich klar
132
:werden, was ist Ziel und Zweck vom Ganzen, was
ist tatsächlich das Bedürfnis, so dass man eben da
133
:nicht plötzlich etwas baut oder umbaut, das dann
in der längeren Zeit gar nicht zweckdienlich ist.
134
:Sandra Leis [:Und wo sehen Sie
135
:allenfalls auch Verbesserungspotenzial im
Zusammenspiel mit dem Dorf Einsiedeln? Das
136
:spielt ja auch eine wichtige Rolle, dieses
Zusammenspiel zwischen Kloster und Dorf.
137
:Bruno Hensler [:Ja, das ist natürlich ein ganz wichtiges
138
:Zusammenspiel. Letztlich ist es natürlich
so, und das hört man im Dorf nicht so gerne,
139
:aber historisch ist es einfach nicht anders
zu begründen, das Dorf gibt es, weil es
140
:das Kloster gibt. Also zuerst war der Heilige
Meinrad und nicht irgendeine Dorfgemeinschaft.
141
:Aus der Zelle des Heiligen Meinrad wurde ja
dann eben diese Klostergemeinschaft. Und da
142
:fühlt man sich schon ein bisschen
zurückgedrängt. Und es geht darum,
143
:dass man hier nicht eine Hierarchie schafft,
sondern ein Gemeinsames. Man kann voneinander
144
:natürlich profitieren. Gemeinsam kann
man einiges erwirken. Bleiben wir bei
145
:der ganzen Wertschöpfung. Die zahlreichen Gäste,
die nach Einsiedeln kommen, sei es Tagestouristen,
146
:sei Mehrtages-Touristen, sei es Events,
die bringen natürlich Wertschöpfung nach
147
:Einsiedeln und dementsprechend auch
Arbeitsplätze und Steuersubstrat.
148
:Sandra Leis [:Sie haben vorhin von Gästezimmern
149
:gesprochen, dass 13 nicht reichen. Wenn Sie
hier eine Willkommenskultur etablieren möchten,
150
:konkurrenzieren Sie denn da nicht
auch die Hotels in Einsiedeln?
151
:Bruno Hensler [:Wenn man die Hotels anschaut, dann zeigt sich,
152
:dass das, in den letzten Jahrzehnten wurden das
zunehmend weniger. Und von dem her müsste man
153
:sagen, wenn wir hier etwas machen, dann setzen
wir auf ein totes Pferd. Das sehen wir aber ein
154
:bisschen anders, aber es ist tatsächlich so,
wenn wir etwas hier machen, dann schaffen wir
155
:Arbeitsplätze, die verloren gegangen sind über die
letzten Jahrzehnte entlang der Betriebe im Dorf.
156
:Sandra Leis [:Also keine Konkurrenz,
157
:sondern eine Ergänzung in dem Sinne.
158
:Bruno Hensler [:Absolut eine Ergänzung, und in welcher Menge und
159
:Summe wir das machen müssen, das muss noch geklärt
werden, letztlich entlang der Marktnachfrage.
160
:Sandra Leis [:Die Benediktsregel besagt ja,
161
:dass ein Kloster keinen Gewinn abwerfen
muss, aber das Kloster soll unabhängig
162
:sein, also selbsttragend. Erfüllt das
Kloster Einsiedeln diese Anforderung?
163
:Bruno Hensler [:Das Kloster Einsiedeln arbeitet an der Erfüllung
164
:dieser Anforderungen, muss ich so sagen, weil
im Moment erfüllen wir die nicht vollumfänglich,
165
:muss man klar sagen. Man muss vielleicht aber
auch zuerst noch kurz schauen, was heißt denn
166
:das? Selbsttragend, oder. Viele Klöster, die
sind selbsttragend in der Geschäftsmodelllogik,
167
:dass es eben Donationen braucht, um den
Auftrag eines Klosters umsetzen zu können
168
:über weiteste Strecken. Das ist ein traditionelles
Geschäftsmodell, das sowohl eigenwirtschaftlich,
169
:also subsistenzwirtschaftlich, in dem man für
seinen eigenen Lebensunterhalt aufkommt, aber auf
170
:Donationen beispielsweise angewiesen ist, um eben
auch Pilger, Ratsuchende auch bedienen zu können,
171
:für die da sein zu können. Also da braucht es dann
eben Donationen, oder es braucht Betriebszweige,
172
:die eben positiven Wertbeitrag geben, also im
Sinne eines Gewinns, den man dann umlagern kann.
173
:Sandra Leis [:Sie haben von Donationen gesprochen,
174
:also Schenkungen, die das Kloster braucht.
Modern spricht man von Fundraising. Das ist
175
:ein ganz wichtiger Zweig auch, der das Kloster
Einsiedeln betreiben muss. Spüren Sie jetzt im
176
:Zuge auch der ganzen Missbrauchsvorkommnisse,
eine gewisse Zurückhaltung beim Fundraising?
177
:Oder anders gesagt, ist es schwieriger
geworden, Gelder zu akquirieren?
178
:Bruno Hensler [:Da fehlt mir jetzt die Erfahrung
179
:für das Kloster Einsiedeln. Ich sehe es einfach
aus anderen Perspektiven. Diese Missbräuche,
180
:die hat es gegeben, und da muss man dazu stehen.
Gleichzeitig ist es so auch bei grösseren
181
:Unternehmen, das haben wir auch an der Universität
St. Gallen gesehen, da gab es auch zwei,
182
:drei Missbrauchsfälle, jetzt weniger sexuelle
Missbräuche als halt finanzielle Missbräuche.
183
:Das hat beim Fundraising auch gewisse Spuren
hinterlassen. Letztlich aber auch sind viele,
184
:die dann trotzdem Geld gespendet haben, der festen
Überzeugung, ja, solche Ausrutscher gibt es,
185
:aber wir können nicht die ganze Organisation
dafür bestrafen, sondern wir müssen schauen,
186
:dass wir die Strukturen schaffen und natürlich
auch die Prozesse, dass das nicht passiert.
187
:Aber der Grundauftrag, den eben ein Kloster
erfüllt, auch im Rahmen der Seelsorge,
188
:der soll nicht gefährdet werden bzw. den
möchte man trotzdem unterstützen. Von dem
189
:her bin ich eigentlich positiv eingestellt,
dass uns trotz der Missbräuche und auch in
190
:der Bewältigung dieser Thematik, dass man da
weiterarbeiten kann und Donationen findet.
191
:Sandra Leis [:Kürzlich hat der «Einsiedler Anzeiger»
192
:Sie porträtiert, und darin sagen Sie, ich zitiere
Sie: «Ich möchte mithelfen, Einsiedeln und das
193
:Kloster aus dem jahrelangen Bewältigungsmodus
zu führen und eine echte Willkommenskultur
194
:wiederzubeleben.» Was meinen Sie mit dem
jahrelangen Bewältigungsmodus? Ganz konkret.
195
:Bruno Hensler [:Konkret geht es darum, Einsiedeln hat ja seit
196
:Jahrhunderten einen großen Zuspruch an Personen,
die nach Einsiedeln kommen. Momentan spricht man
197
:von 800’000 im Jahr. Und die müssen irgendwie
nach Einsiedeln kommen, sei es vom Transport her,
198
:Verkehrswege. Sie müssen verpflegt werden und
so weiter. Und dieses Müssen ist eigentlich
199
:als Müssen aufgefasst worden, nicht mehr als
Privileg. Viele touristische Orte – ich habe
200
:ja da auch im Tourismus einige Berührungspunkte
– die würden sich wünschen, sie hätten 800’000.
201
:Und wir, die wir das haben, denken, ja, so ein
bisschen weniger wären auch gut. Und die stören
202
:ja nur, die verstopfen uns unsere Verkehrswege,
was tatsächlich in Teilen auch der Fall ist.
203
:Nur ist das vielleicht nicht das Problem
derjenigen, die nach Einsiedeln kommen,
204
:sondern derjenigen, die das organisieren
müssen, wie man nach Einsiedeln kommt. Eine
205
:Herausforderung, die eben im Moment eher
die Bewältigung dient, als dass man sagt,
206
:ich schaffe ein gutes Erlebnis, um nach
Einsiedeln zu kommen, und ich glaube,
207
:es geht um das, dass man hier von der Bewältigung
in dieses Öffnen, in dieses Erfreuliche reinkommt.
208
:Sandra Leis [:Und wo sehen Sie da die Lösung,
209
:wenn Sie sagen, für viele sind
800’000 zu viel, also Overtourism,
210
:wie wollen Sie dem begegnen,
jetzt rein vom Verkehr her?
211
:Bruno Hensler [:Ja, das ist etwas, was wir natürlich
212
:nicht alleine machen können, oder. Das geht dann
auch in die Richtpläne rein, dass wir da in diesen
213
:Diskussionen eben auch dabei sind, dass wir auch
dabei sind, wenn es um Sicherheitsdispositive geht
214
:und dass wir versuchen, unseren Beitrag
hier zu leisten, im Konkreten, weil wir
215
:eben auch das als Teil unserer Verantwortung
sehen, aber nicht nur unserer Verantwortung.
216
:Da braucht es eben, wie gesagt, den Dialog
und die Gegenseitigkeit und das Vertrauen.
217
:Sandra Leis [:Sie sprechen von echter Willkommenskultur,
218
:das klingt gut. Wie wollen Sie die konkret
umsetzen? Also haben Sie zwei, drei Massnahmen,
219
:bei denen Sie denken, die möchte ich als
Geschäftsführer hier in die Realität umsetzen?
220
:Bruno Hensler [:Nehmen wir zwei Punkte. Das eine ist,
221
:wenn jemand nach Einsiedeln kommt, dann soll
er willkommen sein. Wenn jemand nach Einsiedeln
222
:kommen soll er dann auch, er oder sie, dann eben
auch die Erwartungen, die sie mit diesem Besuch
223
:verbindet, auch erfüllt erhalten. Beispielsweise
wenn jemand heute kommt, und das ist anders als
224
:vor 20, 30 Jahren, dann braucht oder möchte diese
Person auch eine Verpflegung, Angebote erhalten
225
:oder zumindest in Anspruch nehmen können. Auch
eine Ad-hoc-Verpflegung, da sind wir, sagen wir es
226
:mal so, weniger gut ausgerüstet als andere Orte.
Da braucht es etwas. Ein anderer Punkt ist,
227
:wie komme ich überhaupt nach Einsiedeln? Das eine
ist das Fahrzeug, der öffentliche Verkehr, das
228
:andere ist das Privatfahrzeug. Dann gibt es aber
noch ganz viele Touristen, die zu Fuß kommen. Und
229
:heute haben die, wenn man dann nahe in Einsiedeln
ist, dann wandert man oder ist mit dem Fahrrad
230
:nicht auf einem Fahrweg direkt auf der Strasse,
man wandert entlang der Strasse, knapp separiert
231
:und einem schönen, oder eben nicht schönen
Maschendrahtzaun entlang. Solche Aufwertung,
232
:dass man findet, da komme ich jetzt an, und
ich bin nicht einfach auf einem Hintereingang,
233
:wo ich ins Kloster oder nach Einsiedeln
kommen, sondern Wertigkeit wird hier gelebt.
234
:Sandra Leis [:Und die Tradition der
235
:Pilger wird geschätzt und gewünscht.
236
:Bruno Hensler [:Wird geschätzt und gewünscht. Das wiederum ist
237
:natürlich auch die Thematik, das hatten wir auch
in Analysen. Ich war bei einer Analyse dabei vor
238
:15 Jahren rund um die Entwicklung von Einsiedeln
Tourismus zusammen mit Bezirk und Kloster. Eine
239
:Erkenntnis war, dass etliche nach Einsiedeln
kommen, die würden gerne Geld ausgeben, können
240
:es aber nicht, weil die Angebote gar nicht da
sind, für die sie auch bezahlen möchten. Weil die
241
:Qualität fehlt oder die Menge fehlt. Ich glaube,
das ist ein Thema, wo man genau hinschauen muss.
242
:Sandra Leis [:An was denken Sie da
243
:zum Beispiel? An Souvenirs,
werthaltige beispielsweise?
244
:Bruno Hensler [:Das ist eine Möglichkeit.
245
:Aber bleiben wir ganz simpel.
246
:Sandra Leis [:Beim Essen.
247
:Bruno Hensler [:Beim Essen, ja. Wir haben Wallfahrer,
248
:Wallfahrerinnen aus aller Herren Länder. Ob die
tatsächlich Bratwurst mit Pommes frites als erste
249
:Stelle nehmen, da habe ich meine Fragezeichen.
Also ich muss auf den Kunden einigen, wenn der
250
:das nicht nimmt, meine Bratwurst und Pommes frites
und eben selber Picknick mitbringt, dann ist das
251
:ein Grund, weil wir ein Angebot haben, das nicht
passt. Ich sage nicht, dass es nur Bratwurst und
252
:Pommes frites gibt, aber um das ein bisschen
auf den Punkt zu bringen, wir müssen auf das
253
:Gegenüber eingehen, weil sonst organisiert sich
das schon selber, was auch ihr gutes Recht ist.
254
:Sandra Leis [:Finde ich interessant,
255
:dass Sie sagen, es gibt Pilger, Pilgerinnen,
256
:die würden gerne mehr Geld ausgeben, können
es aber nicht, weil die Angebote fehlen.
257
:Bruno Hensler [:Ja.
258
:Sandra Leis [:Der Klosterbetrieb selber,
259
:da leben heute, Stand heute, 39 Mönche.
Und die haben ja auch sehr viele Aufgaben
260
:im seelsorgerlichen Bereich, aber auch sonst im
ganzen Kloster. Durchschnittshalter ist um die 60,
261
:das ist verhältnismässig tief im
Vergleich, also das ist positiv.
262
:Gleichwohl: Bereitet Ihnen die Sorge um
den Nachwuchs manchmal auch Kopfzerbrechen?
263
:Bruno Hensler [:Ich glaube, mir bereitet
264
:das weniger Kopfzerbrechen als dem Abt.
265
:Sandra Leis [:Trotzdem, das Kloster lebt auch von den Mönchen.
266
:Bruno Hensler [:Genau, und jetzt ganz wichtig,
267
:vielleicht eben auch darum die Stelle
des Geschäftsführers. Wenn das Kloster,
268
:die Klostergemeinschaft erdrückt wird von
den wirtschaftlichen Herausforderungen,
269
:dann ist das schlecht für das Pastorale
im Sinne des Nachwuchses. Es kommt nicht
270
:jemand ins Kloster, damit er die gleiche Arbeit
machen kann, wie wenn er eben weltlich unterwegs
271
:wäre und dazwischen einfach beten darf. Das
ist zu wenig. Sie müssen mit der Tätigkeit,
272
:die wir als Weltliche hier auch machen dürfen,
mithelfen, dass wir die Klostergemeinschaft von
273
:ihrem rein wirtschaftlichen infrastrukturellen
Druck entlasten können und daraus dann eben auch
274
:ein monastisch lebenswertes Leben unterstützen.
Das wiederum führt dann natürlich dazu,
275
:dass junge Leute oder auch Leute, die für sich
noch einen zweiten Lebensweg sehen, ohne dass
276
:man auf die Weltflucht geht, das glaube ich ganz
wichtig, dass die einen Platz hier finden können.
277
:Sandra Leis [:Das kostet allerdings viel Geld, wenn Sie
278
:eben externe oder sogenannte weltliche Menschen
anstellen wollen. Ich habe auch mit Abt Peter, dem
279
:früheren Abt von Mariastein sprechen können, und
der hat schon auch klar gesagt, das sei natürlich
280
:ein Riesenproblem. Die Kosten dann, man möchte die
Mönche entlasten, dass sie eben nicht all diese
281
:Aufgaben übernehmen müssen, und gleichzeitig fehlt
das Geld. Das ist in Einsiedeln offenbar anders.
282
:Bruno Hensler [:Nein, das ist natürlich
283
:genau gleich die Herausforderung,
und da geht es auch darum zu stärken,
284
:auch in den nächsten Jahren, was machen
wir for profit, und was ist non-profit?
285
:Und wenn man Weltliche anstellt, dann muss
das zumindest eine schwarze Null geben.
286
:Sandra Leis [:Ja klar.
287
:Bruno Hensler [:Oder? Also das ist ganz klar,
288
:und das ist, glaube ich, auch bei Klöstern,
aber auch in anderen Organisationen, ist zum
289
:Teil dieser betriebswirtschaftliche Mechanismus
nicht in allen Teilen gleich gut etabliert. Daran
290
:müssen wir arbeiten. Es ist nicht garantiert,
dass das Kloster einfach Geld hat, sondern wie
291
:können wir in verschiedenen Betriebszweigen
eben auch dazu beitragen, dass wir einen
292
:positiven Wertbeitrag haben, um eben auch die
klösterlich-monastischen Tätigkeiten zu tragen.
293
:Sandra Leis [:Und für das sind Sie
294
:eigentlich auch angestellt hier, damit Sie
diese Prozesse anreissen und auch umsetzen.
295
:Bruno Hensler [:Ja, und auch das Bewusstsein schaffen,
296
:und das bedeutet natürlich auch, dass
die Mitarbeitenden wissen müssen, was
297
:ist das Ziel des Klosters und wie möchte man dort
hinkommen oder was möchte man unterstützt wissen.
298
:Sandra Leis [:Bruno Hensler, wenn man sich Ihren Lebenslauf
299
:anschaut, dann ist er doch ziemlich beeindruckend:
Ursprünglich haben Sie eine Ausbildung zum
300
:Primarlehrer gemacht, dann Landwirt, dann mit 33
ein Studium an der Hochschule St. Gallen begonnen
301
:und mit dem Doktorat abgeschlossen. Und Sie haben
es vorhin schon erwähnt, dann wurden Sie Rektor
302
:am Gymnasium im Kloster Disentis. Und da habe
ich etwas Interessantes gelesen, dass es Ihnen
303
:da gelungen sei, auch Schülerinnen und Schüler aus
China und Namibia zu rekrutieren. Also das heisst,
304
:Sie sind ein offener Geist und wollen das alles
weiterführen und eben in neue Bahnen leiten.
305
:Gibt es etwas, was Sie in Disentis gelernt haben,
das Sie jetzt auch hier in Einsiedeln umsetzen?
306
:Bruno Hensler [:Es gibt natürlich Verschiedenes,
307
:was ich in Disentis gelernt habe oder dort
anwenden konnte oder einbringen konnte,
308
:vielleicht auch hier einbringen kann. Es geht
dann aber auch vor allem auch ums Kulturelle
309
:bei den Mitarbeitern. Diese Offenheit und
Neugier, die ja ur-benediktinisch ist.
310
:Im Sinne: Der Benediktiner ist
ja immer suchend, kommt nicht an.
311
:Sandra Leis [:Er ist auf dem Weg.
312
:Bruno Hensler [:Auf dem Weg. Er ist auf den Weg, oder.
313
:Und dieses Auf-dem-Weg-Sein und eben nächste
Herausforderungen sehen, annehmen. Ich glaube,
314
:das ist etwas, was ich hier schon auch einbringen
möchte und ich auch als sehr zentral anschaue.
315
:Oder wie es beim:formuliert wurde, in Disentis, dieses Stabilitas
316
:in progressu, zu übersetzen: Beständigkeit
im Voranschreiten oder eben Stabilität und
317
:Fortschritt. Ich glaube, dieses Spannungsfeld
und bewusst auch diese Doppeldeutigkeit,
318
:die aber trotzdem auf ein Weiterentwickeln
und nicht einfach die Asche anbeten,
319
:sondern Feuer entfachen angeht. Und wiederum
auch die Ambition, die dahinter steckt,
320
:auch wiederum benediktinisch, dass Er
in allem geehrt werde, also er als Gott,
321
:oder. Diese Ambition, dass man sagt, ja, das ist
zwar gut, aber vielleicht noch nicht perfekt,
322
:lass uns ans Perfekte gehen. Und bei gewissen
Dingen auch sagen, ja das reicht jetzt schon,
323
:also dieses Vor- und Nachgeben, ich glaube das ist
etwas, was man hier auch weiter etablieren kann.
324
:Sandra Leis [:Da sind Sie ja dran. Die Benediktsregel ist etwas,
325
:was Sie von klein auf gelernt haben, nehme ich
an. Sie sind hier in Einsiedeln geboren, sind
326
:hier auch zur Schule gegangen. Das ist ja auch
ein Benediktinerkloster. Also die Benediktiner
327
:begleiten Sie ein Leben lang. Was bedeutet Ihnen
die Benediktsregel ganz persönlich für Ihr Leben?
328
:Bruno Hensler [:Ich muss da kurz berichtigen, in Einsiedeln,
329
:wenn man da aufwächst, dann kommt man eigentlich
mit der Benediktsregel relativ wenig in Kontakt.
330
:Sandra Leis [:Aber in der Klosterschule schon, oder?
331
:Bruno Hensler [:In der Klosterschule kommt man dann in
332
:Kontakt mit dem Leben von Benedikt. Wo ich auch in
der Reflexion natürlich ein bisschen draufkomme,
333
:kommt von einer ganz anderen Ecke. Und das ist
nämlich von der Tätigkeit in der Jugendarbeit
334
:bei den Pfadfindern. Und da gibt es ja
auch die Losungsworte, das Allzeit bereit,
335
:oder für die ältere Generation, im Sinne von,
bei der Pfadi in der Schweiz ist es immer so,
336
:Jugendliche führen Jugendliche, kommt
dann auch der Losungsspruch kämpfen und
337
:dienen. Also diese Zweideutigkeit, die
man da hat, ich glaube, das ist das,
338
:was eine gewisse Prägung hat. Und
diese eben auch Zweideutigkeit,
339
:also nicht doppeldeutig im Sinne von gut,
schlecht, sondern es ist ein Spannungsbogen,
340
:ein Rahmen, der aufgeschlagen wird. Dieser Rahmen
oder diese Rahmen sind das, was mich prägt.
341
:Sandra Leis [:Doch nochmal die Benediktsregel, es sind ja 73
342
:Kapitel. Haben Sie da ein Lieblingskapitel, etwas,
das Ihnen auch ein Stück weit ein Kompass ist?
343
:Bruno Hensler [:Es sind eigentlich zwei Dinge,
344
:dass Er in allem gehrt wird, diese
Ambition, das ist, glaube ich, etwas,
345
:was mich schon ein bisschen prägt. Und das
Zweite ist das Bewusstsein, dass eben nicht
346
:alle gleich sind, dieses der Eigenart vieler
dienen. Das kommt natürlich dann auch wieder,
347
:zurück nochmal zu vorhin, auch zu den
Pfadfindern. Die Pfadfinder sind nicht eine,
348
:zumindest so wie ich es erlebt habe, nicht
einfach eine elitäre Gruppe, wo man die Besten
349
:einfach zusammennimmt, sondern man macht das als
Gemeinschaft mit mehr oder weniger Befähigten,
350
:beziehungsweise man versucht dann die Talente
der Verschiedenen zusammenzubringen. Wir sind
351
:keine Fußballmannschaft im Sinne der Auswahl oder
Kader. Und da ist ja der Eigenart vieler dienen
352
:als Grundsatz dieser Multiperspektivität. Das ist
natürlich schon etwas, was mich im Leben prägt.
353
:Sandra Leis [:Angenommen, Sie bleiben bis zu Ihrer
354
:Pensionierung, also in ungefähr neun Jahren,
hier Geschäftsführer im Kloster Einsiedeln.
355
:Wo steht das Kloster, oder wo soll es stehen,
356
:wenn es nach Ihren Wünschen und
Vorstellungen geht, in zehn Jahren?
357
:Bruno Hensler [:Das ist eine schwierige Frage, weil eben,
358
:ich bin Auftragnehmer und nicht Gestalter. Ich
gebe die Frage natürlich ins Kloster rein. Genau
359
:diese Frage, wofür stehen wir, und was müssen
wir machen dazu? Für mich ist es ganz wichtig,
360
:dass dieses Ziel, weshalb es das Kloster, die
Klostergemeinschaft gibt oder wofür sie arbeitet,
361
:dass man das sichtbar und authentisch sieht. Also
wenn ich sage, Menschen empfangen, kann ich das in
362
:Einsiedeln, und wir müssen in zehn Jahren sagen,
das muss mehr sichtbar sein als heute. Auch das
363
:Begegnen und Begleiten, von diesem Anspruch gehe
ich aus. Auch im Wissen, ein Jubiläum, wenn wir
364
::wichtiger und guter Multiplikator auch für die
365
:Daseinsberechtigung, für den gesellschaftlichen
Wert einer solchen Gemeinschaft.
366
:Sandra Leis [:Bruno Hensler, ganz herzlichen
367
:Dank für die Einblicke in Ihre Arbeit als
Geschäftsführer hier im Kloster Einsiedeln.
368
:Bruno Hensler [:Vielen Dank.
369
:Sandra Leis [:
370
:Das ist die 70. Folge des Podcasts «Laut + Leis».
Zu Gast war Bruno Hensler. Er ist seit bald einem
371
:halben Jahr Geschäftsführer des Klosters
Einsiedeln. Über Feedback freuen wir uns:
372
:Schreibt gerne per Mail an podcast@kath.ch oder
per WhatsApp auf die Nummer 078 251 67 83. Und:
373
:Abonniert den Podcast und bewertet
ihn positiv, wenn er euch gefällt.
374
:Gast in der nächsten Folge von
«Laut + Leis» Ruth-Gaby Vermot.
375
:Die Alt-National- und Europarätin war Gründerin
und Präsidentin von PeaceWomen Across the Globe,
376
:zu deutsch FriedensFrauen weltweit mit Sitz
in Bern. Das Präsidium hat die 85-Jährige
377
:vor wenigen Tagen abgeben. Wir sprechen
über ihr Leben und Wirken und fragen,
378
:weshalb Kriege heute die Welt beherrschen und wo
die Friedensbewegung der Frauen geblieben ist.
379
:Bis in zwei Wochen – und bleibt
laut und manchmal auch leise.
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