Priesterweihe der traditionalistischen Piusbruderschaft in Ecône VS.
Vatikan

Die Piusbruderschaft erklärt dem Papst den Glauben: «Jeder Mensch muss Glied der katholischen Kirche sein»

Ungebremst rasen zwei Züge aufeinander zu: Hier die Piusbruderschaft, die eigenständige Bischofsweihen vorbereitet. Dort der Vatikan, der mit Exkommunikation droht. Die Piusbrüder wähnen sich im Recht.

(CIC) Mit einer «katholischen Glaubenserklärung» an die Adresse von Papst Leo XIV. hat die erzkonservative Piusbruderschaft auf die Exkommunikations-Androhung des Vatikans reagiert. Sie wurde jüngst publiziert – einen Tag, nachdem Glaubenspräfekt Víctor Fernández mitgeteilt hatte, dass eine unerlaubte Bischofsweihe der Piusbrüder zur Exkommunikation führen werde.

Glaubenserklärung: «das unverzichtbare Minimum»

Diese Weihe hatte der Obere der Bruderschaft, Davide Pagliarani, für 1. Juli angekündigt. Im Vorwort zu seiner «Glaubenserklärung» schreibt er nun: «Seit über 50 Jahren bemüht sich die Priesterbruderschaft St. Pius X., dem Heiligen Stuhl ihren Gewissenskonflikt angesichts der Irrtümer darzulegen, die den katholischen Glauben und die katholische Moral zerstören. Leider blieben alle geführten Gespräche ergebnislos.»

Die Glaubenserklärung enthalte «das unverzichtbare Minimum, das erforderlich ist, um in Gemeinschaft mit der Kirche zu stehen». Die Erklärung enthält Absagen an jüngere Äusserungen der Päpste zur Ökumene, zum Judentum und zum Dialog der Religionen.

Juden und Muslime müssen bekehrt werden

So heisst es darin: «Ausserhalb der römisch-katholischen Kirche und ohne das Bekenntnis des von ihr seit jeher gelehrten Glaubens gibt es weder Heil noch Vergebung der Sünden. Folglich muss jeder Mensch Glied der katholischen Kirche sein, um seine Seele zu retten (…).

Diese Notwendigkeit betrifft die gesamte Menschheit ohne Ausnahme und schliesst unterschiedslos Christen, Juden, Muslime, Heiden und Atheisten ein.» Auf den Auftrag zu verzichten, allen Menschen das Evangelium zu verkünden und alle Menschen zum katholischen Glauben zu bekehren, sei «das schwerste Verbrechen gegen die Menschheit».

«Nicht die Kirche soll sich der Welt anpassen, sondern die Welt soll durch die Kirche umgestaltet werden.»

Zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare heisst es in dem Text: «Die widernatürliche Sünde der Unkeuschheit ist von solcher Schwere, dass sie stets und unter allen Umständen vor Gott nach Strafe schreit.» Sie könne «unter keinen Umständen als eine Gabe Gottes anerkannt werden. Einem Paar, das dieses Laster praktiziert, muss geholfen werden, sich davon zu befreien, und es darf in keiner Weise – weder formell noch informell – von den Amtsträgern der Kirche gesegnet werden.»

«Christentum kein blosses historisches Phänomen»

Schliesslich verurteilt die Erklärung die Trennung von Kirche und Staat mit den Worten: «Das Christentum ist kein blosses historisches Phänomen, sondern die einzige von Gott gewollte Ordnung unter den Menschen. Nicht die Kirche soll sich der Welt anpassen, sondern die Welt soll durch die Kirche umgestaltet werden.»

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Priesterweihe der traditionalistischen Piusbruderschaft in Ecône VS. | © Jacques Berset
17. Mai 2026 | 16:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
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