Eine Frau empfängt die Erwachsenentaufe.
Schweiz

«Warum Anbiederung für Kirchen kein taugliches Programm ist»

Mit 2,3 Milliarden Menschen ist das Christentum die grösste Weltreligion. Und es werden immer mehr. Allerdings nicht überall auf der Welt. Während in Deutschland und der Schweiz Katholiken scharenweise aus der Kirche austreten, boomt die katholische Kirche in Ländern wie Frankreich und den USA.

Die katholische Kirche wächst und wächst, wie Thomas Ribi von der «NZZ» in seinem Artikel konstatiert. «Weit über 100 Millionen Anhänger haben die christlichen Kirchen in den vergangenen Jahren gewonnen. Besonders die katholische Kirche verzeichnet einen Boom. (…) Und dies nicht nur dort, wo sie schon seit langem Mitglieder gewinnt: in Afrika und Südostasien. Auch in den USA und in Europa wenden sich ihr deutlich mehr Menschen zu.»

Generation Z religiös nicht vorbelastet

Gerade junge Menschen der Generation Z seien auf Sinnsuche und fühlten sich im katholischen Glauben geborgen. «Es sind vor allem junge Menschen, die sich der katholischen Kirche zuwenden. Die meisten stammen aus Familien, in denen Religion nicht die geringste Rolle spielte. Sie gehören zur Generation Z, sind religiös nicht vorbelastet und für die Kirche offener als ihre Eltern.»

Die Neueintretenden würden dabei als Grund für den Schritt zum Glauben die Sehnsucht nach festen Werten angeben. «Nach einem Halt im Leben, einem moralischen Kompass. Nach einer Antwort auf die Frage, was ein gutes, sinnvolles Leben ausmacht. Und was einen nach dem irdischen Leben erwartet. Dazu kommt das Bedürfnis nach einer Gemeinschaft, in der man sich aufgehoben fühlt.»

Doch das scheint eben nicht überall so zu sein: Zum Bespiel, so Ribi, seien in Deutschland und in der Schweiz die Gläubigen massenhaft aus der Kirche ausgetreten. In Deutschland waren es 2025 rund 300’000 Personen, in der Schweiz 30’000. Das kommt quasi einem Massenexodus gleich. Die Gründe seien nicht nur der Missbrauchsskandal oder die Kirchensteuer.

Traditionelle Werte haben Konjunktur

Offenbar strahlen gerade Kirchen, die traditionelle Werte anbieten und nicht im Dauerclinch mit Rom stecken wie die deutsche Kirche, überzeugendere «Vibes» aus. «Diese Kirchen sind politisch konservativer, enger an Rom gebunden und pflegen Distanz zu Reformen. Die Lockerung des Zölibats, das Frauenpriestertum, die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften oder die kirchliche Basisdemokratie sind weder in Frankreich noch in den USA ein Thema.» Sprich: Reformen in der deutschen Kirche, in ständigem Abgleich mit dem gesellschaftlichen Mainstream, kommt bei Gläubigen nicht so gut an.

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Was im Umkehrschluss bedeutet: «Dass es ausgerechnet die konservativen katholischen Kirchen sind, die Zulauf haben, zeigt deutlich, dass Anbiederung für Kirchen kein taugliches Programm ist. Die Kirche bezieht ihre Glaubwürdigkeit nicht daraus, fortschrittlich und innovativ zu sein. Sie überzeugt, indem sie sich dem Zeitgeist widersetzt und sich an Werten orientiert, die die Zeiten überdauern. Auch dann, wenn diese mit herrschenden Vorstellungen von Demokratie und Gleichberechtigung kollidieren. (…) Keine Institution ist so sperrig und so unzeitgemäss wie die katholische Kirche. Genau das macht ihre Stärke aus.» (woz)

*Zitiert aus dem NZZ-Artikel «Die katholische Kirche boomt. Auch in Europa. Aber nur dort, wo sie den Mut hat, unzeitgemäss zu sein» vom 29. April.


Eine Frau empfängt die Erwachsenentaufe. | © KNA
29. April 2026 | 12:00
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