Ein homosexuelles Paar wird im Gottesdienst gesegnet.
Vatikan

Papst: Aus Rom keine Billigung von Segensfeiern für homosexuelle Paare

Kardinal Marx und andere Bischöfe erlauben trotz Vorbehalten aus Rom eine förmliche Segnung homosexueller Paare. Der Papst erinnert nun daran, dass der Vatikan das nicht will. Für zentral hält er das Thema aber nicht.

(KNA/KAP) Papst Leo XIV. hat die Entscheidung mehrerer deutscher Bischöfe kritisiert, förmliche Segnungen homosexueller Paare in ihren jeweiligen Bistümern zum Regelfall zu machen. Zuletzt hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx eine entsprechende Regelung verfügt.

Der Papst erklärte dazu, der Vatikan habe den deutschen Bischöfen bereits klargemacht, «dass wir die förmlichen Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht billigen», sagte Leo XIV. am Donnerstag im Flugzeug von Äquatorialguinea nach Rom.

Zugleich betonte er, die Kirche segne alle Menschen. Der Ausspruch von Papst Franziskus, wonach die Kirche offen sei für «alle, alle, alle», drücke den kirchlichen Glauben aus, dass alle Menschen eingeladen seien, Jesus nachzufolgen.

Fragen zu Sexualität nicht vorrangig

Papst Leo XIV. erklärte weiter, Fragen zur Sexualität stünden aus seiner Sicht nicht im Zentrum der kirchlichen Lehre. Themen wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit von Frauen und Männern sowie Religionsfreiheit hätten aus seiner Sicht «eine viel höhere Priorität». Fragen zur Sexualmoral sollten auch nicht über Einheit oder Spaltung der Kirche entscheiden, so Leo XIV.

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Nach Ansicht des New Yorker Jesuiten und Queer-Aktivisten James Martin setzt Papst Leo XIV. die vatikanische Erlaubnis zur Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren unter bestimmten Bedingungen nicht ausser Kraft. Auf der Rückreise aus Afrika hatte sich der Papst kritisch zur Einführung von offiziellen Segensfeiern auch für homosexuelle Paare durch mehrere deutsche Bischöfe geäussert.

Martin bilanziert in seinem Beitrag in Sozialen Medien, der Papst habe darauf hingewiesen, dass ein Schritt über die entsprechende Erklärung «Fiducia Supplicans» hinaus die Einheit der Kirche gefährden würde. «Und damit hat er Recht», so der Jesuit.

US-Jesuit James Martin 2019 in Rom. Im Hintergrund: der Petersdom.
US-Jesuit James Martin 2019 in Rom. Im Hintergrund: der Petersdom.

Die Weltsynode (2021-2024) habe besonders deutlich gemacht, dass gerade die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare im Westen deutlich anders eingeschätzt werde als in anderen Teilen der Kirche – dort nach dem Motto: «Fiducia Supplicans ist die Segnung der Sünde.» Nun sei die Einheit der Kirche eines der übergeordneten Anliegen des neuen Papstes, so Martin; das drücke schon sein päpstliches Motto aus: «In dem Einen sind wir eins».

Keine Formalisierung

«Eine der vielen Bedingungen» für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren, die in dem 2023 veröffentlichten Dokument «Fiducia supplicans» genannt wird, sei, dass diese Segnungen nicht formalisiert werden. Der Vorschlag der deutschen Bischöfe bestehe aber nach seiner Auffassung gerade in einer stärkeren Formalisierung.

Das sei «ein Schritt, der aus dem aufrichtigen Wunsch der deutschen Bischöfe hervorgeht, auf die Stimmen der deutschen Katholiken zu hören, die im Rahmen ihrer Synodenprozesse laut geworden sind». Der Vatikan lehne diesen weiteren Schritt ab, halte aber an «Fiducia Supplicans» fest, so Martin. Er hob Leos Zitat seines Vorgängers Papst Franziskus hervor. Dieser hatte gesagt, dass die Kirche für «tutti, tutti, tutti» da sei – also für alle Menschen, einschliesslich LGBTQ.

Bätzing hält an Segensfeiern fest

Trotz kritischer Worte von Papst Leo XIV. über Segensfeiern für schwule und lesbische Paare hält das katholische Bistum Limburg daran fest. «Seelsorgerinnen und Seelsorger werden ermutigt, diesen Wunsch verantwortungsvoll aufzugreifen und mit den Paaren Segensfeiern zu gestalten», sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Georg Bätzing, Bischof von Limburg
Georg Bätzing, Bischof von Limburg

«Auch wenn es hierzu unterschiedliche Einschätzungen innerhalb der Weltkirche gibt, sehe ich diese Praxis im Bistum Limburg in einem verantwortbaren Rahmen. Sie dient den Menschen und gefährdet aus meiner Sicht nicht die Einheit der Kirche», so Bätzing. Er war bis vor wenigen Wochen Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

Zugleich leitete er den katholischen Reformprozess, Synodaler Weg, bei dem das Papier mit dem Titel «Segen gibt der Liebe Kraft» entstand.


Ein homosexuelles Paar wird im Gottesdienst gesegnet. | © KNA
24. April 2026 | 11:00
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