Nach Sturz des heiligen Wolfgang – umfassende Restaurierung
Vor gut zwei Jahren ist eine Heiligenfigur von der Sandsteinfassade der über 500 Jahre alten Kirche St. Oswald in Zug gefallen. Nach Abklärungen durch den Kirchenrat ist nun klar: Es braucht umfassende Restaurierungen.
(rp) Am 12. Dezember 2023 ist die Figur des heiligen Wolfgang auf den Vorplatz der Kirche St. Oswald in Zug gestürzt. In der Folge gab der Kirchenrat umfassende Abklärungen in Auftrag. Nun liegen die Ergebnisse vor: Konsolen, Figuren, Baldachine und Strebepfeiler an Chor und Seitenschiffen müssen restauriert werden.
Übrige Skulpturen untersucht und entfernt
Nach dem Sturz des heiligen Wolfgang wurden als Sofortmassnahmen die beiden Strebepfeiler der Westfassade eingerüstet. Gleichzeitig untersuchte ein Experte die übrigen Skulpturen an der Fassade. Dabei zeigte sich, dass auch diese einen fortgeschrittenen Alterungsprozess aufweisen, heisst es in einer Medienmitteilung vom Dienstag der Katholischen Kirche Stadt Zug.
Demnach wurden aus Sicherheitsgründen die Skulpturen mit Spanngurten fixiert und später durch einen Spezialisten entfernt. Sie lagern im Lapidarium der Kirche St. Michael. Dort befindet sich laut Mitteilung bereits der Grossteil der noch erhaltenen spätmittelalterlichen Skulpturen von St. Oswald.
Es folgte auch eine umfassende Prüfung der Sandsteinkirchen St. Michael, St. Oswald und der Liebfrauenkapelle.
Finanzierung aus Spezialfonds
Und es wurde ein Fonds zur Instandhaltung der Kirchen der Pfarrei St. Michael eingerichtet. Die Kirchgemeindeversammlung bewilligte 2024 2,5 Millionen Franken zur Alimentierung dieses Fonds. Damit konnten seither einige Sofortmassnahmen umgesetzt werden.
So wurden die Portale der Liebfrauenkapelle in der Unteren Altstadt mit ihren Volutenengeln restauriert. Für die weiteren Arbeiten ist die Finanzierung ebenfalls zum grossen Teil gesichert, heisst es in der Mitteilung.
Technische Lösung zur Entlastung der Konsolen
An der Kirche St. Oswald stellt sich insbesondere die Herausforderung, das Gewicht der noch an der Fassade verbliebenen Figuren von den tragenden Konsolen zu entkoppeln. In enger Zusammenarbeit mit Fachpersonen wurde eine Lösung entwickelt, bei der die Konsolen künftig nur noch ihr Eigengewicht tragen.
Diese Massnahme wurde bereits an zwei Strebepfeilern beim Chor sowie am südlichen Seitenschiff umgesetzt, so die Mitteilung. In den Jahren 2026 und 2027 sollen die Arbeiten auf die übrigen Strebepfeiler ausgeweitet werden.
Weitere Abklärungen
Eine interdisziplinäre Expertengruppe berät derweil über den Umgang mit den Figuren, die 2024 abgenommen werden mussten. Die Fragestellungen sind sowohl aus denkmalpflegerischer als auch aus materialtechnischer Sicht komplex. Die Involvierten gehen davon aus, dass die Skulpturennischen an den Strebepfeilern noch für längere Zeit leer bleiben werden.
Der Kirchenrat hat gemeinsam mit der Denkmalpflege die nächsten Schritte definiert und die entsprechenden Arbeiten ausgeschrieben.
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