Ein Diakon hält ein Gefäss mit Chrisamöl bei der Chrisammesse an Gründonnerstag 2025 im Petersdom im Vatikan.
Schweiz

«Falscher Diakon» wirkt an Abschlussmesse der Universität Freiburg mit

Ein ehemaliger Theologiestudent der Uni Freiburg hat sich als Diakon ausgegeben und als solcher an seiner Diplomfeier in der Kapelle mitgewirkt. Nachträglich lieferte er gefälschte Dokumente. Ein Theologieprofessor deckte den Betrug auf. Die Strafanwaltschaft bestrafte den Mann.

Regula Pfeifer

Über den falschen Diakon haben die «Freiburger Nachrichten» am Dienstag berichtet. Doch der Vorfall geschah bereits am 5. Mai 2023, wie Marius Widmer, Leiter Unicom der Universität Freiburg, auf Anfrage schreibt.

Universität Freiburg (Schweiz), Miséricorde.
Universität Freiburg (Schweiz), Miséricorde.

In der Kapelle der Universität wurde damals eine Messe gehalten – dies im Rahmen der Abschlussfeier des Studiums. Der besagte Theologiestudent nahm daran teil. Dabei gab er dem Verantwortlichen für die Messe an, er sei Diakon. Als solcher assistierte er darauf dem Zelebranten bei der Eucharistie. Es habe sich aber nicht um eine Konzelebration gehandelt, korrigiert Widmer den Zeitungsbericht. Denn das sei einem Diakon kirchenrechtlich nicht erlaubt.

Weihe durch Patriarch Pizzaballa?

Nachträglich bat ein Professor der Theologischen Fakultät den angeblichen Diakon um weitere Informationen bezüglich seiner Diakonenweihe. Der Mann antwortete, dass er seine Weihe von Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem, erhalten habe. Er hatte bereits vorher angegeben, einer bestimmten Kongregation anzugehören.

Pierbattista Pizzaballa, Patriarch von Jerusalem.
Pierbattista Pizzaballa, Patriarch von Jerusalem.

Der Professor bat Pizzaballa um Informationen. Dieser fand aber in seinen Archiven weder Hinweise auf eine vom Mann genannte Kongregation noch auf eine Diakonenweihe von diesem. Ausserdem prüfte das Patriarchat das sogenannte «Weihedokument», das der selbsterklärte Diakon der Theologischen Fakultät Freiburg geschickt hatte. Dieses stellte sich als Fälschung heraus.

Als «Betrüger» entlarvt

Damit war klar: Es handelte sich um einen «falschen Diakon», einen «Betrüger», wie Widmer schreibt. Der Fall wurde intern ans Rektorat der Universität Freiburg weitergeleitet und dem Rechtsdienst gemeldet. «Von dort aus erging dann die Meldung an die Staatsanwaltschaft.»

Am 14. September 2024 verurteilte die Freiburger Staatsanwaltschaft den Mann wegen Ausweisfälschung und Betrug per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagesansätzen und einer Busse von 1800 Franken. Das bestätigt die Kommunikationsverantwortliche Murielle Decurtins gegenüber kath.ch.

Für die Universität war der Fall damit erledigt. «Andere Konsequenzen stehen nicht im Raum», schreibt Widmer. Und ein ähnlicher Fall sei nicht bekannt.

Uni vertraut auf Ehrlichkeit

Auf die Frage, ob es üblich sei, dass jemand aufgrund eigener Aussagen die Möglichkeit zur Mitwirkung an der Messe in der unieigenen Kapelle erhalte, antwortet der Leiter Unicom: «Wenn jemand an der Fakultät als Student bekannt ist, darf man davon ausgehen, dass seine Angaben bezüglich seines kanonischen Status’ korrekt sind.»

Kapelle der Universität Freiburg (Schweiz)
Kapelle der Universität Freiburg (Schweiz)

Man könnte zwar das «Celebret» verlangen, den kanonischen Dienstausweis. «So etwas wird aber in der Regel nicht getan, weil man von der Ehrlichkeit der Person ausgeht.»

Bistum LGF publiziert Warnhinweis

Den Vorfall hat die Uni dem Bistum Lausanne, Genf und Freiburg gemeldet, wie beide Seiten bestätigen. Das Bistum habe in seinem diözesanen Newsletter vom April 2025 einen Warnhinweis platziert, schreibt dessen Kommunikationsverantwortliche Laure-Christine Grandjean.

Es gebe auch andere Fälle von «Usurpation», so Grandjean. So spaziere ein Mann in schwarzer Soutane durch Freiburg, obwohl er nicht Priester sei. Doch die religiöse Kleidung sei hierzulande durch das Gesetz nicht geschützt – im Unterschied zu Italien. Deshalb könne das Bistum nichts dagegen unternehmen.

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Ein Diakon hält ein Gefäss mit Chrisamöl bei der Chrisammesse an Gründonnerstag 2025 im Petersdom im Vatikan. | © KNA
26. März 2026 | 18:11
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