Msgr. Obiora Ike bei einer Predigt
Schweiz

Priester in Nigeria: «Täglich könnte ich auf der Strasse entführt werden, aber bisher hat Gott auf mich aufgepasst»

Der nigerianische Msgr. Obiora Ike, römisch-katholischer Geistlicher und Präsident des Club of Rome Nigeria, weilt auf Einladung von «Kirche in Not» (ACN) vom 7. bis 15. März in der Schweiz. In verschiedenen Pfarreien wird er über die aktuelle Situation der Christen in seiner Heimat berichten. Obwohl die Christen etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, werden sie systematisch diskriminiert und unterdrückt.

(woz) Obiora Ike, Professor für Ethik und interkulturelle Studien an der Godfrey Okoye Universität in Enugu im ehemaligen Biafra im Südosten Nigerias, sagt: «Jeden Tag auf der Strasse könnte ich entführt werden, aber bisher hat Gott auf mich aufgepasst.»

125 Priester und Ordensleute entführt

In den letzten Monaten wurden etwa 125 Priester, Ordensleute, Nonnen und Seminaristen von Terroristen und Banditen entführt. Mehr als 5’000 weitere – Beamte, Geschäftsleute, Politiker, einfache Gemeindemitglieder und sogar Schulkinder – wurden im selben Zeitraum Opfer dieser «Entführungsindustrie».

Obiora Ikewurde am 7. April 1956 geboren. Er ist ein nigerianischer römisch-katholischer Geistlicher. An der Universität Innsbruck machte er einen Abschluss in den Fächern Politikwissenschaften, Philosophie und Theologie.

Im Jahr 1981 empfing er in Vorarlberg die Priesterweihe. 1985 wurde ihm an der Universität Bonn der Doktortitel verliehen. Ein Jahr später habilitierte er sich in Sozialethik, Geschichte und Afrikanistik. Seit 2005 ist er Mitglied des Club of Rome Nigeria und steht diesem vor.

Scharia in 12 Bundesstaaten

Seit 2016 sitzt er im Vorstand der Stiftung Globethics.net mit Sitz in Genf. Am 3. Juli 2020 wurde er von der Stephanus-Stiftung, die sich für die verfolgten Christen einsetzt, als Preisträger ausgezeichnet. Ihm wurde dieser Preis für sein grosses Engagement für die verfolgten Christen in seiner Heimat aber auch rund um Welt verliehen.

Nigerianische Kinder in einem Flüchtlingslager
Nigerianische Kinder in einem Flüchtlingslager

Von den rund 240 Millionen Einwohnern in Nigeria, das 23 Mal so gross ist wie die Schweiz, wurden im Laufe der Jahre Millionen von Menschen entwurzelt. Muslimische Fanatiker sind in die Fussstapfen von Politikern getreten, die im Jahr 2000 die Demokratie in Nigeria untergruben, indem sie in 12 Bundesstaaten gewaltsam die Scharia einführten, was im Widerspruch zur Verfassung Nigerias stand, berichtet «Kirche in Not» (ACN). 

Mehr als 16’000 Christen wurden von 2019 bis Oktober 2023 getötet, gemäss der Beobachtungsstelle für Religionsfreiheit in Afrika (ORFA) in einem Ende August 2024 veröffentlichten Bericht. Innerhalb von zehn Jahren wurden mehr als 100’000 Menschen aus religiösen Gründen getötet, die höchste Zahl aller Länder der Welt derzeit.

In Nigeria gibt es heute etwa 4 Millionen Binnenvertriebene aufgrund des Boko-Haram-Aufstands im Nordosten – in den Bundesstaaten Borno, Adamawa und Yobe -, aber der Konflikt zwischen den bewaffneten Banden der Fulani-Viehzüchter und Bauern. 

Islamisierung Nigerias 

«Der seit Mai 2023 amtierende Präsident, Bola Tinubu, Muslim, führt das von seinem Vorgänger Muhammadu Buhari, einem bekennenden islamischen Fundamentalisten eingeführte System der Islamisierung des Staates weiter. Nigeria erhält finanzielle Unterstützung von Saudi-Arabien und wird von der Organisation für Islamische Zusammenarbeit – ehemals Organisation der Islamischen Konferenz – unterstützt. Das Ziel ist die Islamisierung des Landes», so Obiora Ike gegenüber «Kirche in Not» (ACN).

Obwohl die Christen etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, würden sie systematisch diskriminiert und unterdrückt. Die Christen, in der Regel besser ausgebildet und mehr an der Entwicklung ihrer Regionen interessiert, hätten sich in der Vergangenheit kaum in der Politik engagiert. Die Christen in Nigeria seien eine schweigende und unterdrückte Mehrheit, Bürger zweiter Klasse, so Obiora Ike. Die muslimischen Foulani sind eine herrschende Minderheit, so «Kirche in Not» (ACN).

«Kirche in Not» (ACN) steht der katholischen Kirche vor Ort mit verschiedenen Projekten zur Seite: Schwestern bekommen Existenzhilfe, es werden zerstörte Kirchen wieder aufgebaut, arme Theologiestudenten bekommen Stipendien und Geflüchtete erhalten Unterstützung bei der Traumabewältigung.  

Katholische Kirche hilft

«Die katholische Kirche predigt Gerechtigkeit und Frieden, Versöhnung und Vergebung. Das ist leider nicht die Sprache, welche die Foulanis verstehen. Die Bischofskonferenz kann Erklärungen abgeben, hat aber kaum Einfluss auf die Bundesregierung. Sehr oft ist die Kirche der einzige Akteur, der sich der Bevölkerung annimmt: Sie kümmert sich um Wasser, Berufsausbildung, Waisenhäuser, Schulen, Spitäler und Gesundheitsstationen. Die Kirche tut mit dem wenigen Geld, das sie hat, mehr als die Regierung,» so Obiora Ike.

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*Das Hilfswerk «Kirche in Not» (ACN) stellt für Projekte in Nigeria jährlich rund 2,4 Millionen Franken zur Verfügung. Msgr. Obiora Ike hält am Samstag, 7./8. März, jeweils um 18 Uhr, in der Heiliggeist-Kirche in Interlaken eine Heilige Messe. Danach, ab dem 9. März, hält er Messen in Luzern (St. Leodegar am Hof), am 10. März in Neudorf (Wallfahrtsort Gormund) im Luzernischen (am Dienstag); danach in Thun (11./12.3.) (St. Marienkapelle) und Utzensdorf (St. Peter und Paul) im Kanton Bern, danach (13./14.3.) in Hermetschwil-Staffeln (Kloster St. Martin) und Wohlen (St. Leonhard) im Aargau sowie schliesslich in Zürich, in Maria Lourdes, am Sonntag, 15. März, um 18.30 Uhr. Näheres zu den Gottesdiensten aus dem Internet und bei «Kirche in Not» (ACN).


Msgr. Obiora Ike bei einer Predigt | © Kirche in Not (ACN)
2. März 2026 | 12:00
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