Pater Leopold Kropfreiter
Schweiz

Pater Kropfreiter berichtet über seine Unterstützung von Katholiken in Kasachstan

Kasachstan ist mit 2,7 Millionen Quadratkilometern das neuntgrösste Land der Welt. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Muslime. Christen bilden eine Minderheit, Katholiken eine noch kleinere. In diesem Umfeld wirkt Pater Leopold Kropfreiter, der vom 21. bis 26. Februar in diversen Gottesdiensten in der Schweiz über seine Tätigkeit in Zentralasien berichten wird.

(woz) Mehr als zwei Drittel der 19 Millionen Einwohner des zentralasiatischen Landes sind sunnitische Muslime. Von den rund 26 Prozent Christen sind die meisten russisch-orthodox, von denen viele seit der Sowjetunion dort leben. Die Katholiken machen rund 1 Prozent der Bewohner des Landes aus.

Internationale Gemeinde Treffpunkt der Kulturen

Nach dem des Zweiten Weltkriegs lebten fast 500 000 Menschen mit deutschen Wurzeln in Kasachstan, darunter auch viele Katholiken. Ein Grossteil war während des Krieges deportiert worden und musste Frondienste in Arbeitskolonnen leis­ten, wie es in einer Medienmitteilung von «Kirche in Not» (ACN) heisst.

Eine typische Landstrasse im kasachischen Winter
Eine typische Landstrasse im kasachischen Winter

Unter dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow war es ihnen ab Ende der 1980er-Jahre möglich, das Land zu verlassen. Viele deutschstämmige Siedler machten davon Gebrauch. Also Folge nahm der Anteil der Katholiken in Kasachstan stark ab.

Der lateinische und byzantinische Ritus

Die katholische Kirche ist in Kasachstan sowohl mit dem römischen als auch dem byzantinischen Ritus vertreten. Für den römischen Ritus gibt es eine Erzdiözese Astana, zwei weitere Diözesen in Almaty und Karaganda und die Apostolische Administratur Atyrau.

Ordensschwestern verteilen Kleidung an Bedürftige in Kasachstan.
Ordensschwestern verteilen Kleidung an Bedürftige in Kasachstan.

2019 wurde für die Gläubigen des byzantinischen Ritus die Apostolische Administratur Kasachstan und Zentralasien geschaffen. Die katholischen Bischöfe des Landes gehören der im Herbst 2021 neu begründeten Zentralasiatischen Bischofskonferenz an. Dazu gehören auch die Bischöfe von Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, der Mongolei und Afghanistans an.

Unruhen 2022

Kasachstan gilt grundsätzlich als politisch stabiles Land, dennoch kam es Anfang 2022 zu Unruhen, als die Regierung die Preise für Energie stark erhöhte. Im Laufe der Proteste wurden auch die autoritären Strukturen angeprangert und die friedlich begonnen Demonstrationen wurden täglich gewalttätiger.

Die Regierung liess Militär von befreundeten Länder nach Kasachstan kommen. Russland entsandte 2000 Soldaten, denen es rasch gelang, die gewalttätigen Ausschreitungen einzudämmen. Die Umstände des Aufstandes und dessen Niederschlagung wurden bis heute nur halbherzig aufgearbeitet.

Seelsorger in Kasachstan

Pater Leopold Kropfreiter gehört der Gemeinschaft der Diener Jesu und Mariens an, gebürtig stammt er aus Niederösterreich. Seit 2008 arbeitet er in Kasachstan, seit 2011 im Norden des Landes, rund 100 km von der russischen Grenze entfernt in einem abgelegenen Gebiet, wo er die Pfarreien Korneevka und Tonkoschorovka betreut.

Ordensschwestern in einem Sommerlager in Kasachstan
Ordensschwestern in einem Sommerlager in Kasachstan

«Mich überraschten die vielen Kriminellen und die grosse Anzahl Alkohol- und Drogenabhängiger. Ob ich mehr als zwei Wochen dortbleiben kann, war für mich unvorstellbar.»

Seit 2013 amtet er zudem als Missio-Direktor im Land. Seine ersten Eindrücke vor Ort waren herausfordernd. Die Unterschiede zu Wien stellten ihn vor eine harte Probe: «Ich kam in der Industriestadt Timirtau an, wo riesige Fabriken aus dem Kommunismus das Stadtbild prägten. Mich überraschten die vielen Kriminellen und die grosse Anzahl Alkohol- und Drogenabhängiger. Ob ich mehr als zwei Wochen dortbleiben kann, war für mich unvorstellbar. Mittlerweile sind es schon über 16 Jahre und ich fühle mich sehr wohl in Kasachstan.»

Katholiken gehören zu Benachteiligten

Obwohl Kasachstan viele Bodenschätze hat und damit auf dem Weltmarkt hohe Einnahmen erzielt werden, kommt der Reichtum nur einem kleinen Teil der Bevölkerung zugute. Viele gut Ausgebildete verlassen das Land, um ihr Glück in der Ferne zu suchen. Katholiken gehören zu den wirtschaftlichen Benachteiligten und können daher die Kirche nur wenig unterstützen.

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Hilfswerke wie «Kirche in Not» (ACN) springen ein und helfen Ordensschwestern mit Existenzhilfe, Priestern mit Mess-Stipendien und stellen Fahrzeuge zur Verfügung, damit sie sich auch im Winter bei minus 40 Grad sicher bewegen können. Katholische Jugendlager werden auch von muslimischen und orthodoxen Jugendlichen geschätzt, selbst die Verkündigung des Evangeliums. Auch solche Lager unterstützt «Kirche in Not (ACN)», damit die Jugend im Glauben gestärkt wird.

*Das Hilfswerk «Kirche in Not (ACN)» stellte für Projekte in Kasachstan 2024 rund 450’000 Franken zur Verfügung. Kirche in Not bittet um Spenden.


Pater Leopold Kropfreiter | © Kirche in Not (ACN)
21. Februar 2026 | 16:00
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