Ukraine-Krieg: Eine russische Panzergranate schlägt in einem Wohnblock ein.
International

Vier Jahre Krieg – Ukrainische Kinder erlebten tausende Stunden Alarm

Jaulende Sirenen kündigen tödliche Gefahr aus der Luft an und belasten die Psyche immens. Das gilt besonders für Kinder. Eine Untersuchung zeigt das Ausmass des seelischen Terrors.

(KNA) Seit Beginn des Krieges in der Ukraine vor vier Jahren haben Kinder im Land durchschnittlich mehr als 4’000 Stunden Luftalarm erlebt. «Das entspricht fünfeinhalb Monaten ununterbrochenem Stress», erklärte die Hilfsorganisation Save the Children, die die entsprechenden Daten auswertete, jüngst in Berlin.

«Dieser Dauerstress kann lebenslange psychische Folgen haben und den Kindern die Zukunft verbauen.»

In der Hauptstadtregion Kiew und einigen Frontgebieten summierte sich der Alarm demnach sogar auf 7’000 Stunden seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 – «also neuneinhalb Monate, in denen Familien in Kellern, Bunkern oder U-Bahn-Schächten ausharren mussten, oft ohne Strom, Wasser und Heizung».

Angst als ständiger Begleiter

«Für die Kinder in der Ukraine ist die Angst seit vier Jahren ein ständiger Begleiter», sagte Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, der kürzlich Frontgebiete im Nordosten der Ukraine besuchte. Die emotionale und körperliche Belastung sei ihnen deutlich anzumerken. «Dieser Dauerstress kann lebenslange psychische Folgen haben und den Kindern die Zukunft verbauen.»

Eltern und Mitarbeitende von Save the Children berichten demnach von stark belasteten Kindern, die unter Angst sowie körperlichen Anzeichen von Stress wie Magen-Darm-Beschwerden litten. «Kinder sind permanent in einem nervösen Zustand und ihre Körper versuchen, sie so gut es geht zu schützen», berichtete eine Betreuerin in einem Schutz- und Spielraum von Save the Children.

Alarme rauben den Schlaf

Luftalarme warnen die Zivilbevölkerung vor drohenden Raketenangriffen oder anderem Beschuss und können der Mitteilung zufolge mehrmals am Tag ertönen. Die Dauer schwanke zwischen wenigen Minuten und mehreren Stunden.

«Inzwischen sind viele Menschen in der Ukraine so erschöpft davon, dass sie nicht einmal mehr Schutzräume aufsuchen, sondern sich in ihren weniger sicheren Badezimmern oder Hausfluren aufhalten.» Da etwa die Hälfte der Alarme spätabends oder nachts erfolge, raubten sie Kindern den Schlaf und nähmen ihnen ein Gefühl von Sicherheit.

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Trotz allem versuchten Kinder zu lernen, zu spielen und einen Alltag zu leben. «Bildung gibt Kindern Halt – selbst wenn der Unterricht in fensterlosen Bunkern tief unter der Erde stattfindet, wie ich es in Charkiw gesehen habe», betonte Westphal.


Ukraine-Krieg: Eine russische Panzergranate schlägt in einem Wohnblock ein. | © AP/Evgeniy Maloletka
20. Februar 2026 | 07:00
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