Konservativer Kardinal verteidigt Reform von Papst Franziskus
Die Beförderung von Laien in Spitzenämter im Vatikan war eine umstrittene Reform unter Papst Franziskus. Nun hat ausgerechnet ein Wortführer der Konservativen diesen Schritt verteidigt.
(CIC) Ungewöhnlicher Schritt in einem internen Meinungsstreit im Vatikan: Der konservative Kurienkardinal Marc Ouellet (81) hat eine Reform verteidigt, die unter Papst Franziskus einige Kardinäle kritisierten. In einem Kommentar, den das Portal Vatican News und die Vatikanzeitung «Osservatore Romano» am Montag veröffentlichten, sprach sich Ouellet auf Dauer für die Zulassung von Laien in Leitungsstellen der vatikanischen Kurie aus.
Unter der Frage «Ein Zugeständnis, das zurückgenommen werden muss, oder ein Fortschritt für die Kirche?» verteidigt Ouellet diesen Aspekt der Kurienreform von Papst Franziskus. Er nennt die Zulassung von Laien in Positionen, die über Jahrhunderte Bischöfen und Kardinälen vorbehalten waren, eine «kühne Entscheidung» des 2025 verstorbenen Papstes.
Bischofsamt nicht die einzige Quelle
Manche hätten in der Frühzeit des neuen Pontifikats den Wunsch geäussert, wieder stärker zu betonen, dass ein Amt in der Römischen Kurie mit dem Weiheamt verbunden sein sollte, erklärt Ouellet. Diesem Wunsch hält er das Argument entgegen, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) gewollte Stärkung des Bischofsamtes bedeute keineswegs, dass das Weiheamt nun die «einzige Quelle jeder Form von Regierung in der Kirche wäre.»
Vielmehr müssten auch die geweihten Kleriker auf Menschen zählen können, die aufgrund ihrer Geistesgaben «ohne Einschränkungen im Verwaltungsapparat der Römischen Kurie anerkannt werden». Zwar könnten ihnen mangels Weihe keine sakramentalen Aufgaben im eigentlichen Sinn anvertraut werden. Wenn aber Laien im Auftrag des Papstes verschiedene Vatikandikasterien sowie die Verwaltung des Vatikanstaates leiteten, mindere das Fehlen einer Weihe in keiner Weise ihren Dienst.
Auch Geweihte können sich unterordnen
In diesen Fällen sei auch eine Unterordnung von Priestern und Bischöfen unter Laien angemessen und nicht anfechtbar, so der aus Kanada stammende Kardinal. Theologisch leitet Ouellet dies von den «Charismen» ab, durch die der Heilige Geist auch in Laien wirke. Das Kirchenrecht von 1983 ignoriere jedoch das Wort Charisma, erklärte er. Deswegen sei es nötig, in dieser Frage in einen neuen Dialog von Theologen und Kirchenrechtlern einzutreten.
Ouellet war von 2010 bis 2023 Präfekt des Bischofsdikasteriums im Vatikan. Sein Nachfolger war Robert Francis Prevost, heute Papst Leo XIV.
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