Paul Martone
Schweiz

Paul Martone: Falsch, bei Piusbrüdern in die Messe zu gehen

Die Piusbrüder sorgten mit ihrer Ankündigung, im Sommer zwei Bischöfe weihen zu wollen, für einen Mega-Aufruhr in der katholischen Kirche. Nicht nur im Vatikan. Nun sind sie möglicherweise bereit, die geplanten Bischofsweihen zu verschieben. Paul Martone, Domherr und Mediensprecher des Bistums Sitten, stellt aber klar, dass es falsch sei, bei den Piusbrüdern in die Messe zu gehen.

Wolfgang Holz

Die «Priesterbruderschaft St. Pius X.», umgangssprachlich Piusbrüder genannt, hat bekanntlich im Unterwallis in Ecône ihr theologisches Zentrum, wo sie ihre Priester ausbildet.

Kathedrale von Sitten
Kathedrale von Sitten

Die Piusbrüder lehnen die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Ihr Gründer, der 1988 exkommunizierte und somit aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossene französische Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), hatte 1976 gegen ein päpstliches Verbot Priester geweiht und damit die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. innerkirchlich isoliert. Die dadurch ausgelöste Auseinandersetzung erreichte 1988 mit der Weihe von vier eigenen Bischöfen und der Exkommunikation der Beteiligten ihren Höhepunkt.

Vatikan nun überraschend zu Gesprächen bereit

Für Paul Martone erscheint es klar, dass die Piusbrüder nach dem Tod zweier der vier damals geweihten Bischöfe neue Nachfolger für diese Ämter brauchen – trotz des Verbots aus dem Vatikan. Dieser setzt bislang auf Dialog und hat die Gemeinschaft vor einem Alleingang gewarnt. «In der Vergangenheit ist es allerdings nie zu einer Einigung gekommen», sagte der Bistumssprecher gestern in einem Interview mit dem «Walliser Boten».

Aktuell stehen die Zeichen aber überraschenderweise erst mal auf Verhandlungen zwischen Rom und den Piusbrüdern. Die Piusbrüder prüfen eine Verschiebung ihrer angekündigten Bischofsweihen. Und der Vatikan ist bereit zu Gesprächsrunden über dogmatische Fragen.

«Die Piusbrüder haben immer noch Zulauf, sie haben viele junge Priester, aber natürlich nicht nur in Ecône, sondern vor allem auch in Frankreich und in den USA.»

«Der verstorbene Papst Franziskus hat den Piusbrüdern zum Beispiel erlaubt, damals im Jahr der Barmherzigkeit, dass sie die Beichte hören und Sakramente spenden können», sagt der Domherr von Sitten im Interview. «Die Piusbrüder haben immer noch Zulauf, sie haben viele junge Priester, aber natürlich nicht nur in Ecône, sondern vor allem auch in Frankreich und in den USA.»

Beerdigung des Ex-Churer Bischofs in Ecône

Der verstorbene Papst Benedikt habe während seines Pontifikats immer wieder versucht, die Piusbrüder zu integrieren, sei auf sie zugegangen und habe die Exkommunikation von Bischöfen aufgehoben. «Trotzdem rücken die Piusbrüder nicht von ihrem Standpunkt ab, dass sie die ‹richtige katholische Kirche seien›, und alle anderen Katholiken sich ändern müssten.»

Requiem für Vitus Huonder (v.l.) Martin Krebs, Apostolischer Nuntius in Bern, Diakon Agil Raju, Hoechst, Bischof Joseph Maria Bonnemain, Diakon Matthias Westermann, und Felix Gmuer, Bischof von Basel.
Requiem für Vitus Huonder (v.l.) Martin Krebs, Apostolischer Nuntius in Bern, Diakon Agil Raju, Hoechst, Bischof Joseph Maria Bonnemain, Diakon Matthias Westermann, und Felix Gmuer, Bischof von Basel.

Dies sei zuletzt bei der Beerdigung des früheren Churer Bischofs Vitus Huonder zum Ausdruck gekommen. Dieser verbrachte seinen Lebensabend im Institut Sancta Maria der Piusbrüder in Wangs im Kanton St. Gallen. Beerdigt wurde Huonder am 17. April 2024 in Ecône.

«Man kann nicht zwei Kirchen in der gleichen Kirche sein.»

Angesichts dieser Einstellung der Piusbrüder kann sich Paul Martone kaum vorstellen, dass eine Einigung mit dem Vatikan erreicht wird. «Die Piusbrüder müssten die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils anerkennen. Man kann nicht zwei Kirchen in der gleichen Kirche sein.»

Lateinische Messe im Unterwallis

Doch dass dies so weit kommt, erkennt der Bistumssprecher nicht. Allenfalls könnten die Piusbrüder die Bischofsweihe verschieben. Und selbst wenn diese noch nicht der Autorität des Papstes komplett abgeschworen haben, sieht Martone jetzt schon eine Art Spaltung im Verhältnis zum Vatikan vorhanden: «Sie akzeptieren nicht alle Entscheide des Papstes.»

Messe nach ausserordentlichem Ritus
Messe nach ausserordentlichem Ritus

Was das Verhältnis des Bistums Sitten zum lateinischen Ritus angeht, sagt Martone, dass einmal im Monat in Saint-Pierre-de-Clages im Unterwallis eine Messe in diesem Ritus abgehalten werde. Mit dem Segen des Bischofs von Sitten. Und Paul Martone selbst zelebriert diese Messen: «Dieses Angebot bietet das Bistum Sitten an, damit auch jene Menschen, welche die Messe in lateinischer Sprache bevorzugen, die Möglichkeit haben, an einer solchen Messe teilzunehmen. Das alles geschieht in der Einheit mit der römisch-katholischen Kirche.»

Bei der Messezelebrierung in alter Tradition gehe es aber nicht ums Verhältnis zu den Piusbrüdern – sondern darum, dem Wunsch nach einer solchen Messe als Bistum selbst nachzukommen.

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Paul Martone | © Jacqueline Straub
12. Februar 2026 | 15:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
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