Konflikte in Menziken-Reinach: Aargauer Landeskirche prüft weitere Massnahmen
Im Pastoralraum Aargau Süd und der zugehörigen Kirchgemeinde Menziken-Reinach gibt es seit Längerem Konflikte. Nun ist offenbar eine Versammlung der Kirchgemeinde aus dem Ruder gelaufen. Die Landeskirche prüft weitere Massnahmen.
Barbara Ludwig
Ende August hatte die Aargauer Landeskirche einen Sachwalter eingesetzt zur Durchführung der Wahlen für die Kirchenpflege der Römisch-Katholischen Kirchgemeinde Menziken-Reinach. Grund hierfür war ein Streit um den Wahltermin.
Kirchbürger ignoriert
Nun gibt es womöglich weiteren Handlungsbedarf für die Landeskirche. Denn an der Kirchgemeindeversammlung vom vergangenen Dienstag, 18. November, ist es zu heftigen Auseinandersetzungen und tumultartigen Ausschreitungen gekommen, wie die die «Aargauer Zeitung» (24. November) unter Berufung auf die Wochenzeitung «Wynentaler Blatt» berichtet.
So habe sich der Pfarrer einen verbalen Schlagabtausch mit einem Kirchenpflege-Kandidaten geliefert, einige Anwesende seien ignoriert worden und hätten ihre Voten nicht halten können. Es sei auch zu Zwischenrufen, Buhrufen, Applaus und «kleinen Inseln mit persönlichen Konflikten» gekommen. Nach der Versammlung hätten viele Menschen Tränen in den Augen gehabt, heisst es demnach im Bericht der Lokalzeitung.
Freie Diskussion wichtig
Gegenüber der «Aargauer Zeitung» erklärte David Reichart, Generalsekretär der Katholischen Kirche im Aargau, die Kirchgemeindeversammlung sei ein wichtiges demokratisches Element und müsse den Stimmberechtigten die Gelegenheit bieten, sich eine fundierte Meinung zu bilden. «Die Teilnehmenden müssen frei diskutieren können, bevor in einer Schlussabstimmung darüber Beschluss gefasst wird. Nach den uns vorliegenden Informationen war dies nicht bei allen Geschäften der Fall.»
«Der Kirchenrat kann nur in einem begrenzten Rahmen in die Autonomie der Kirchgemeinden eingreifen.»
Derzeit prüfe man, ob – nebst der bereits erfolgten Einsetzung des Sachwalters für die Durchführung der Kirchenpflegewahlen – weitere Massnahmen «angezeigt» seien, so Reichart. Der Kirchenrat könnte, wo nötig, auch andere Kompetenzen und Aufgaben der Kirchenpflege unter Sachverwaltung stellen. Reichart betonte indes auch, dass Kirchgemeinden «eigenständige Körperschaften» seien. «Der Kirchenrat kann nur in einem begrenzten Rahmen in die Autonomie der Kirchgemeinden eingreifen.»
Ein Entzug der Selbstverwaltung und die Einsetzung eines Sachverwalters erfolge nur so lange wie nötig und nur dann, wenn eine Kirchgemeinde nicht mehr in der Lage ist, ihre Aufgaben ganz oder teilweise zu erfüllen. Ob im Falle von Menziken-Reinach eine weitergehende Sachwaltung als bisher notwendig ist, sei derzeit offen.
Ersatzwahl vollzogen
An der von Konflikten dominierten Kirchgemeindeversammlung konnte immerhin die Ersatzwahl für ein zurückgetretenes Mitglied der Kirchenpflege korrekt durchgeführt werden. Gewählt wurde Miguel da Silva aus Unterkulm im ersten Wahlgang mit 97 von 133 Stimmen. Dies teilte Kurt Schmid, der für Wahlen verantwortliche Sachwalter, am 19. November auf der Webseite der Kirchgemeinde mit. Andere Kandidatinnen oder Kandidaten bewarben sich demnach nicht.
Da Silva gehört der Arbeitsgruppe «Zukunft unserer Kirche» an, die den umstrittenen Priester Luis Reyes wegen seiner Verdienste in der Jugendarbeit zurückholen wollen.
Nun stehen noch die Ergänzungswahlen für die Kirchenpflege an. Die Behörde soll nach einem Beschluss der Kirchgemeinde künftig zehn Mitglieder umfassen statt wie bislang sechs. Die Ergänzungswahlen finden am 29./30. November an der Urne statt. Um die vier Sitze bewerben sich acht Kandidatinnen und Kandidaten.
Noch mehr Anzeigen
Laut «Aargauer Zeitung» weitet sich zudem eine angebliche Korruptionsaffäre aus. Der Kirchenpflegepräsident, Martin Sigg, sagte demnach an der Kirchgemeindeversammlung vom letzten Dienstag, er habe gegen alle ehemaligen Mitglieder der Finanzkommission wegen Unterschlagung und Amtsmissbrauch Anzeigen eingereicht.
Bereits früher hatte Sigg gegen vier andere Personen, darunter zwei ehemalige und ein aktives Mitglied der Kirchenpflege Strafanzeigen eingereicht. Er wirft ihnen Veruntreuung und Amtsmissbrauch vor.
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