Will ein neuer Leuchtturm für die Zukunft sein: Das Dominikanerinnen-Kloster in Ilanz.
Schweiz

«Kleiner werden, um zu wachsen»: Warum die Dominikanerinnen ihr Kloster in Ilanz verkaufen wollen

Seit 160 Jahren gibt es die Klostergemeinschaft der Dominikanerinnen in Ilanz. 70 Meter thront das Kloster über dem Städtchen am Vorderrhein in der Surselva. Doch weil es keinen Schwesternnachwuchs mehr gibt und weil der Unterhalt defizitär ist, sucht das Kloster einen Investor, um neue Nutzungen auf dem Areal zu ermöglichen.

Wolfgang Holz

Die Wolken hängen tief über den Berghängen der oben schon mit Schnee bedeckten Surselva. Leichter Nieselregen tropft auf die Klosteranlage. Von aussen sieht man, dass manche der weitläufigen Gebäude schon in die Jahre gekommen sind.

Gästehaus gut ausgelastet

Gleichzeitig atmen die weissen kubischen und quaderförmigen Häuser des denkmalgeschützten Klosters, das Anfang der 1970-er Jahre durch den Zürcher Architekten Walter Moser in Anlehnung an den grossen Baumeister der Moderne, Le Corbusier, gebaut wurde, noch viel Leben und Aktivität.

Das Gästehaus des Klosters ist gut ausgelastet - ist aber finanziell nur selbst deckend.
Das Gästehaus des Klosters ist gut ausgelastet - ist aber finanziell nur selbst deckend.

Im Gästehaus, das gut ausgelastet ist, sowie in den zahlreichen Seminarräumen spürt man, dass das Kloster Ilanz nach wie vor am Puls der Zeit agiert und vielen Besucherinnen und Besuchern ihre Bedürfnisse nach Ruhe und Reflexion zu stillen scheint.

Doch es gibt eben auch die andere Seite des Klosters, wie Schwester Annemarie Müller, Generalpriorin des Klosters und Stiftungsratspräsidentin, gegenüber kath.ch nicht verhehlt. «Das Kloster kann in Zukunft durch seine eigenen Erträge nicht mehr den Unterhalt auf Dauer finanzieren», bekennt die 61-Jährige. Sie ist vor 36 Jahren ins Kloster eingetreten. Auch die Erträge aus dem Gästehaus würden vor allem dazu dienen, dieses am Leben zu halten.

Grosses Defizit pro Jahr

Sprich: Die Dominikanerinnengemeinschaft, die augenblicklich noch 61 Schwestern zählt – Altersdurchschnitt 86 Jahre! – muss jedes Jahr aus dem Klostervermögen zwischen 1,5 und zwei Millionen Franken locker machen, um vor allem die Betriebskosten und Personalkosten zu decken. Gelder, die teilweise aus klostereigenem Immobilienbesitz in Ilanz stammen.

Schwester Annemarie Müller, Generalpriorin und Stiftungsratspräsidentin
Schwester Annemarie Müller, Generalpriorin und Stiftungsratspräsidentin

Keine Frage: Das Kloster Ilanz ist ein grosser Betrieb mit momentan rund 80 Mitarbeitenden (56 Vollzeitstellen) in den Bereichen Gesundheitsdienst, Facility Management, Gastronomie, Hotellerie und Verwaltung. Dabei schlagen unter den Kosten nicht zuletzt die Pflegekosten für die rund 30 Schwestern, die im klostereigenen Pflegeheim untergebracht sind, zu Buche.

Geschlossene Fensterläden

In der u-förmigen Anlage des Schwesterwohnheims, direkt über dem Pflegeheim, fallen denn auch die zahlreich geschlossenen Fensterläden auf: Zimmer, die längst nicht mehr bewohnt sind, weil es eben keinen Nachwuchs mehr gibt.

Schwester Annemarie drückt es nüchtern aus: «Seitdem ich im Kloster bin, hat es zwar noch die eine oder andere Novizin gegeben. Aber die ewige Profess hat seitdem niemand mehr abgelegt.» In 30 Jahren könnte das Kloster demzufolge leer sein.

«Dies würde eine wesentliche finanzielle, fachliche und emotionale Entlastung für die Schwesterngemeinschaft bedeuten.»

Um dieses Szenario nicht zu erleben und um dem Kloster Ilanz eine neue Zukunft einzuhauchen, hat der Stiftungsrat sich deshalb entschieden unter dem Motto «Kleiner werden, um zu wachsen» ein neues Projekt zu lancieren. Dieses soll den Verkauf der Klosterimmobilien anvisieren, damit die Schwesterngemeinschaft finanziell wieder auf stabilen Beinen stehen kann.

Das aktuelle Schwesternwohnheim: Zahlreiche Fensterläden sind geschlossen, weil die Zimmer nicht mehr bewohnt sind.
Das aktuelle Schwesternwohnheim: Zahlreiche Fensterläden sind geschlossen, weil die Zimmer nicht mehr bewohnt sind.

Wohn-, Gewerbe- und Begegnungskomplex

«Das Ziel ist es, die denkmalgeschützte Klosteranlage bis in den nächsten fünf bis zehn Jahren in einen vielfältig nutzbaren Wohn-, Gewerbe- und Begegnungskomplex mit einem integrierten ‹Neuen Kloster› für die kleiner werdende Schwesterngemeinschaft umzuwandeln», erklärt die Generalpriorin und Stiftungsratspräsidentin die Vision.

«Dies würde eine wesentliche finanzielle, fachliche und emotionale Entlastung für die Schwesterngemeinschaft bedeuten», sagt sie und lächelt mit einem ansteckenden Lächeln.

Kirche und neues Schwesterwohnheim integral

Grundpfeiler des Konzepts des Projekts soll dabei zum einen die Garantie sein, dass die Schwestern auch zukünftig in den Klostermauern wohnen können. Dies erscheint insoweit realistisch, da zum Ende des Schuljahrs 2027/2028 die seit Jahren im Kloster eingemietete Handelsschule auszieht und in neue Räumlichkeiten in Ilanz einzieht.

Hierher könnten die verbleibenden Dominikanerinnen-Schwestern umziehen: die Handelsschule zieht 2028 aus.
Hierher könnten die verbleibenden Dominikanerinnen-Schwestern umziehen: die Handelsschule zieht 2028 aus.

Dieser Schachzug könnte der Schwesterngemeinschaft innerhalb des Klosters auf diese Weise eine neue Bleibe in deutlich kleinerem Massstab bescheren. «Ausserdem soll die Klosterkirche weiterhin liturgisch und für Konzerte genutzt werden», versichert Schwester Annemarie.

Investoren gesucht

Doch hat man denn schon einen potentiellen Käufer an der Angel? Schwester Annemarie lächelt und bekennt, dass man das Projekt erst starte. «Ich bin aber überzeugt, dass es in der Schweiz Firmen und Unternehmen gibt, die an einer solchen Anlage Interesse zeigen könnten.»

Die Klosterkirche bietet Platz für 300 Besucherinnen und Besucher.
Die Klosterkirche bietet Platz für 300 Besucherinnen und Besucher.

In der Tat. Nicht zuletzt die Wohnnutzung könnte Investoren anlocken – bedingt durch den schönen Panoramablick übers Rheintal auf die Berghänge der Surselva. Ausgeschlossen werden soll aber auf jeden Fall, dass auf der Anlage des Dominikanerinnen-Klosters Luxuswohnungen oder Zweitwohnungen entstehen. Andererseits sollen Renditemöglichkeiten für einen Investor nicht ausgeschlossen sein.

«Die vielen Menschen, die zu uns kommen, und hier Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten suchen, unterstreichen, wie anziehend unser Haus ist..»

Inzwischen hat sich das vorwinterliche Grau-in-Grau über dem Kloster etwas gelichtet. Blauer Himmel bricht hier und da durch. Aber was ist, wenn es mit dem Verkauf nicht klappen sollte?

«Dann haben wir wenigstens Klarheit darüber, in welche Richtung es weitergehen könnte», so die Generalpriorin. Das heisst, dann könnten beispielsweise Wege anderer Weiterentwicklungsmöglichkeiten, wie etwa die Vermietung des Komplexes, beschritten werden.

Doch Schwester Annemarie ist eigentlich optimistisch: «Die vielen Menschen, die zu uns kommen, und hier Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten suchen, unterstreichen, wie anziehend unser Haus ist.»  

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Dass es Besucherinnen und Besuchern bei den Dominikanerinnen tatsächlich bestens gefällt, unterstreicht eine Gruppe, die gerade im Speisesaal sitzt und während einer Tagung ihre Mittagspause geniesst.

«Wir sind vom Kulturamt Graubünden», sagt ein Teilnehmer gegenüber kath.ch. «Uns gefällt hier vor allem die Seminarinfrastruktur des Klosters, das landschaftliche Drumherum, und wir schätzen die Nähe zu Chur.»


Will ein neuer Leuchtturm für die Zukunft sein: Das Dominikanerinnen-Kloster in Ilanz. | © Wolfgang Holz
25. November 2025 | 17:00
Lesezeit : ca. 4  Min.
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