Mariano Tschuor hat den Change-Prozess im Kloster Mariastein koordiniert.
Schweiz

Mariano Tschuor: «Mariastein ist gut aufgestellt für die Zukunft»

Das Benediktinerkloster Mariastein hat eine neue Organisationsstruktur erhalten. Wie diese aussieht, erklärt Mariano Tschuor, Leiter des Projekts «Mariastein 2025 – Aufbruch ins Weite». Er betont: Die Benediktiner bleiben Eigentümer und haben die letzte Verantwortung.

Regula Pfeifer

Ziel des mehrjährigen Projekts «Mariastein 2025 – Aufbruch ins Weite» war die Sicherung als Pilger- und Klosterdorf und die Entlastung der Mönche. Das Management des Klosters übernimmt nun eine Betriebs-AG und eine Stiftung macht Fundraising. Ist das Kloster gut aufgestellt für die nächsten Jahrzehnte?

Mariano Tschuor*: Die oberste Leitung des Benediktinerklosters Mariastein, seiner Betriebe und der Wallfahrt bleibt bei der Mönchsgemeinschaft unter Abt Ludwig Ziegerer, der in allen neuen Gremien Stimmrecht hat. Die wirtschaftlichen Aufgaben sind in der Mariastein Betriebs AG gebündelt, während die Stiftung Pro Mariastein das Fundraising übernimmt. Wallfahrt und klösterliches Leben bleiben klar in der Verantwortung der Benediktiner. Damit ist Mariastein gut für die Zukunft aufgestellt. Neue Klostereintritte wären selbstverständlich das Tüpfchen auf dem I. Berufungen lassen sich jedoch nicht planen.

«Da die Benediktiner personell an Grenzen stossen, konzentrieren sie sich auf ihre Kernaufgaben.»

Die Mönche haben fast alle Betriebsverantwortung abgegeben. Können sie über ihren Konventualen-Verein den Lauf des Klosters mitgestalten?

Tschuor: Die Benediktiner bleiben Eigentümer der gesamten Klosteranlage und tragen die letzte Verantwortung für alle Entwicklungen in Mariastein. Da sie personell an Grenzen stossen, konzentrieren sie sich auf ihre Kernaufgaben. Liturgie und Pilgerpastoral gestalten sie weiterhin weitgehend selbst.

Vordere Front der Klosterkirche Mariastein.
Vordere Front der Klosterkirche Mariastein.

Die liturgische Verantwortung und die Wallfahrt liegen bei den Mönchen. Wie ist das für die Zukunft angedacht? Ist das ein Knackpunkt?

Tschuor: Liturgie und Wallfahrt stehen und fallen mit Menschen, die diesen Dienst tragen. Die fast 400-jährige Verbindung von benediktinischem Mönchtum und marianischer Wallfahrt kann in der bekannten Form weitergeführt werden – vorausgesetzt, es gibt Berufungen. Abt Ludwig Ziegerer hat sich dazu bereits öffentlich geäussert, auch hier auf kath.ch.

«Die Gastfreundschaft im Sinn der Regel des heiligen Benedikt bleibt bei den Mönchen.»

Die Gastwirtschaft hat eine Firma übernommen. Haben die Mönche trotzdem noch eine Rolle als Gastgeber und Ansprechpersonen für Klosterbesuchende?

Tschuor: Die Gastfreundschaft im Sinn der Regel des heiligen Benedikt bleibt bei den Mönchen. Sie sind weiterhin Ansprechpersonen für Besucherinnen und Besucher, besonders für jene, die im Gästebereich des Klosters übernachten und «ora et labora» hautnah erfahren möchten.

Abt Ludwig Ziegerer lädt ein in die Klosterkirche Mariastein, 2025
Abt Ludwig Ziegerer lädt ein in die Klosterkirche Mariastein, 2025

Abt Ludwig Ziegerer zur Berufungsfrage

Abt Ludwig Ziegerer will neue Zugänge für ein Leben im Kloster Mariastein schaffen. Denn der traditionelle, direkte Einstieg in ein Kloster sei heute die Ausnahme. Das sagte er im Interview mit kath.ch im Sommer. Demnach sollen auch Menschen im Kloster mitleben und mitwirken können, ohne Mönch zu sein. Demnach lebt bereits ein Mann seit einigen Jahren in Mariastein. Weitere Interessenten gebe es, so Abt Ludwig Ziegerer. Ausserdem lebten temporäre Mitarbeitende – etwa Zivildienstleistende – oft im Kloster. «Schön wäre (…), wenn wir verstärkt eine Lebens- und Gebetsgemeinschaft werden könnten. Das gemeinsame Gebet ist für die Benediktiner enorm wichtig.» (rp)

Organisiert die Betriebs-AG auch die Anlässe des Klosters – etwa auf dem neu gestalteten Klosterplatz?

Tschuor: Wer künftig Anlässe auf dem neu gestalteten Klosterplatz – aber nicht nur diesen, ich denke zum Beispiel auch an die Bibliothek und andere öffentliche Räume des Klosters – organisiert, ist noch offen. Heute ist das Kloster der wichtigste Veranstalter. Künftig sollen kulturelle und gesellschaftliche Anlässe vermehrt gemeinsam mit lokalen Partnern geplant werden. Dabei denke ich vor allem an den Verkehrsverein von Metzerlen-Mariastein. Der neugestaltete Klosterplatz gehört zu den attraktivsten Begegnungsorten im Kanton Solothurn – vielleicht sogar in der ganzen Nordwestschweiz.

Für welche Liegenschaften, welche die Mönche nicht mehr brauchen, werden noch Lösungen gesucht?

Tschuor: Für alle Liegenschaften gibt es aktuell Lösungen. Perspektivisch stellt sich aber die Frage nach der Zukunft des historischen Bauernhofs aus dem 17. Jahrhundert auf dem Klosterplatz – ein prägendes Gebäude für Mariastein.

«Externe Ratschläge sind oft gut gemeint, aber Lösungen müssen vor Ort entstehen.»

Sie haben das Projekt «Mariastein 2025 – Aufbruch ins Weite» ab 2019 geleitet, welche Tipps haben Sie für andere künftige Kloster-Chance-Manager?

Tschuor: Eine Klostergemeinschaft muss voll hinter einem solchen Prozess stehen und befähigt werden, Entscheide mitzutragen und sich der Tragweite dieser bewusst sein. Klare Spielregeln zu Beginn, transparente Kommunikation und ein beharrlicher Blick aufs Ganze sind zentral. Externe Ratschläge sind oft gut gemeint, aber Lösungen müssen vor Ort entstehen, jede Gemeinschaft ist einzigartig. Und schliesslich gilt: Der Mensch denkt, Gott lenkt.

Was werden Sie ab nächstem Jahr tun?

Tschuor: Auch künftig arbeite ich im Auftrag von Abt Ludwig in reduziertem Pensum für das Kloster. 2026 steht unter dem Motto «Eingeladen bei Maria»: 100 Jahre «Basilica minor», 100 Jahre Krönung des Gnadenbildes und die Einweihung des Klosterplatzes am 10./11. April. Zudem plane ich einen neuen Band der Mariasteiner Schriften zur Arealgestaltung.

*Mariano Tschuor ist seit 2019 Leiter des Gesamtprojektes «Aufbruch ins Weite – Mariastein 2025» – dies im Mandatsverhältnis für seine Firma «Agradora GmbH – Kommunikation – Projektleitung – Moderation». Das Projekt wird Ende 2025 abgeschlossen. Tschuor ist ehemaliger Fernsehmoderator, Direktor RTR und Mitglied der nationalen Geschäftsleitung der SRG SSR.

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Mariano Tschuor hat den Change-Prozess im Kloster Mariastein koordiniert. | © zVg
20. November 2025 | 12:00
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