Generalvikar Pierre-Yves Maillard von der Diözese Sitten
Schweiz

Trotz Diebstählen und Vandalismus bleiben die Walliser Kirchen geöffnet

Seit über einem Jahr sind Friedhöfe und Kirchen im Wallis von zahlreichen Diebstählen und Sachbeschädigungen betroffen. Eine Situation, die nichts an der Aufgabe der Kirche ändert, Menschen willkommen zu heissen und offen zu sein, versichert Pierre-Yves Maillard, Generalvikar der Diözese Sitten.

(cath.ch/rz/woz) Anfang Oktober 2025 wurde bei einer Beerdigung in Sion eine Urne mit Nachrichten und Geldspenden gestohlen, berichtete jüngst die Tageszeitung Le Matin. Der oder die Täter wurden noch nicht identifiziert. Der Vorfall folgt auf eine Welle von Plünderungen, von denen die Friedhöfe im Wallis im Frühjahr betroffen waren.

Mehr als 20 Gräber verwüstet

Die Grabstätten von Ardon, Leytron, Martigny und Sierre wurden von Kriminellen heimgesucht, die Schäden verursachten und Gegenstände mitnahmen. In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai wurden in Martigny mehr als zwanzig Gräber verwüstet, zwei Tage später waren es in Ardon etwa dreissig. Insgesamt wurden mehr als 90 Diebstähle von Grabbeigaben gemeldet.

Weihwasser auf dem Boden verschüttet

Auch Kirchen wurden zum Ziel. Im März 2024 wurden Reliquien, eine zeremonielle Bibel, der Siegelstein des Hochaltars, ein Laptop und ein Kreuz aus den Kirchen von Bex (VD), Saint-Maurice und Évionnaz entwendet. In letzterer verteilte der Dieb ausserdem Weihwasser auf den Bänken und dem Boden.

Weihwasserbecken in der katholischen Kirche von Jona
Weihwasserbecken in der katholischen Kirche von Jona

Ebenfalls im Oberwallis wurde im Herbst 2025 ein Mann verurteilt, weil er mehr als 1700 Franken aus den Opferstöcken mehrerer Kirchen und Kapellen in der Region Raron gestohlen hatte.

Einige Täter von Polizei ausfindig gemacht

Die Polizei konnte einige Täter ausfindig machen. Im Zusammenhang mit den Diebstählen und Schändungen vom März 2024 wartet derzeit ein psychisch kranker Mann in den Dreissigern auf das Urteil des Gerichts.

Vandalismus auf einem Friedhof: zerstörte Jesus-Figur
Vandalismus auf einem Friedhof: zerstörte Jesus-Figur

Im Mai dieses Jahres verhafteten die Walliser und Waadtländer Polizei drei Personen, die verdächtigt werden, für Diebstähle von Grabbeigaben auf Friedhöfen verantwortlich zu sein. Es handelt sich um ukrainische Staatsangehörige aus der Gemeinschaft der Fahrenden.

Die verletzte Erinnerung

«Die meisten unserer Kirchen bleiben offen», betont Pierre-Yves Maillard gegenüber Le Matin. «Sie können daher leicht zum Ziel werden.»

«Die Schändung von Gräbern schockiert mich, denn damit wird die Erinnerung und der Frieden der Toten verletzt und das Leid der Familien ignoriert.»

Der Generalvikar relativiert den materiellen Schaden und die Diebstähle. «Ein Altarstein, eine Reliquie oder ein Kruzifix bleiben symbolische Gegenstände. Das Heiligtum Gottes ist weder das Gebäude noch die Kunstwerke, sondern der Mensch.»

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Noch mehr bewegt ihn jedoch der Diebstahl auf Friedhöfen. «Die Schändung von Gräbern schockiert mich, denn damit wird die Erinnerung und der Frieden der Toten verletzt und das Leid der Familien ignoriert.» Pierre-Yves Maillard versichert jedoch, dass «die Türen offen bleiben werden».


Generalvikar Pierre-Yves Maillard von der Diözese Sitten | © Bernard Hallet
15. November 2025 | 14:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
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