Papst Leo XIV. spricht mit Kardinal Mario Grech - vor der Eröffnungsansprache am Jubiläum der synodalen Teams, Oktober 2025
Vatikan

Katholische Reform-Kräfte erleben einen Papst auf Augenhöhe

Rund 2000 Katholiken aus aller Welt, die sich für grössere Teilhabe aller Gläubigen an der Kirche einsetzen, kamen jetzt zu einem Heilig-Jahr-Treffen in Rom zusammen. Einer der «Synodalen», die sich 2023 und 2024 zu jeweils vierwöchigen Sitzungen im Vatikan trafen, ist heute Papst.

Sabine Kleyboldt (KNA)

Rom (KNA) «Als erstes lassen Sie mich Dr. Susan grüssen! Sie und ich sassen am selben Tisch bei der letzten Synodensitzung, und es ist schön, heute wieder mit Ihnen an einem Tisch zu sitzen. Willkommen!» Ein herzlicher, offener und interessierter Papst präsentierte sich am Wochenende beim Heilig-Jahr-Treffen der Synodenteams. Jener Menschen aus aller Welt, die vor Ort versuchen, die Teilhabe von Katholiken an ihrer Kirche voranzubringen, wie es der von Papst Franziskus (2013-2025) angestossene Prozess «Weltsynode» vorsieht.

Die Veranstaltung markierte den ersten gemeinsamen Schritt bei der Umsetzung der Weltsynode. Bei einem Podium am Freitag vergangener Woche skizzierten Männer und Frauen aus sieben Weltregionen den Stand der Dinge in ihrer jeweiligen Heimat. Die von Leo XIV. so herzlich angesprochene «Dr. Susan» war Susan Sela von den Fidschi-Inseln, Vertreterin der Föderation der katholischen Bischofskonferenzen Ozeaniens (FCBCO) und Tischnachbarin des damaligen Kardinals Robert Francis Prevost.

Teilnahme von Prevost als Pluspunkt

Dass der heutige Papst selbst an den beiden je vierwöchigen Sitzungen im Vatikan 2023 und 2024 teilgenommen hatte, zeigte sich als grosser Pluspunkt. Exakt ein Jahr, nachdem Franziskus das Abschlussdokument der Weltsynode absegnete, dürfte sein Nachfolger genau wissen, wo es bei der Umsetzung dieser Leitlinien haken könnte – und welche «heissen Eisen» noch angepackt werden müssen.

Beim Heilig-Jahr-Treffen vergangene Woche nahm er sich über zwei Stunden Zeit, um Erfahrungsberichte aus Afrika, Asien, Ozeanien, Europa, Nordamerika, Südamerika sowie dem Nahen und Mittleren Osten zu hören. Deutlich trat zu Tage, wie unterschiedlich die Themen sind, die Christen beschäftigen. Von den katastrophalen Folgen der Erderwärmung über soziale Probleme, Arbeitslosigkeit, Krieg, Ungleichheiten, Armut, schwindendes Interesse am Glauben, überalterte oder sehr junge Kirche – alles kam auf den Tisch der Audienzhalle.

Zuvor war jede Region vom Sekretariat der Weltsynode aufgefordert worden, zwei Fragen einzureichen; eine konnte der Papst zur Beantwortung auswählen. So wurde in der Frage aus Afrika die Sorge deutlich, den Ortskirchen könnte bei der Umsetzung der Leitlinien ein einheitliches Modell aufgezwungen und lokale Initiativen untergraben werden. Aus Nordamerika wurde Leo gefragt, was er Bischöfen und Priestern sagt, die durch das Prinzip der Synodalität ihre pastorale Autorität bedroht sehen. Lateinamerika/Karibik fragte, wie der synodale Prozess die Gesellschaften inklusiver, gerechter und friedensstiftender machen könne.

Linzer Theologin griff «Frauenfrage» auf

Die Linzer Pastoraltheologin Klara Csiszar, die für Europa sprach, griff die «Frauenfrage» auf – ein Thema, das zum Ärger vieler vor einem Jahr bei der Weltsynode weitgehend ausgeklammert worden war.

«Welche berechtigten Hoffnungen können Frauen in eine synodale Kirche setzen?», so die Professorin. «Glauben Sie, dass innerhalb der Kirche ein echter Kulturwandel im Gange ist, der die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Kirche künftig zu einer gelebten Realität macht?»

Seine ausführliche Antwort begann Leo mit einer Anekdote aus seiner Familie: In den 1970ern, als in den USA das Thema Gleichberechtigung diskutiert wurde, habe er seine Mutter Mildred gefragt, ob sie den Männern gleichgestellt sein wolle. «Nein, denn wir sind schon besser!», so ihre Antwort. Der Papst ergänzte: «Frauen haben so viele Gaben, die sie schon damals in vielerlei Hinsicht einbringen konnten, im Familienleben, in der Gemeinde.»

Frauenfrage als kulturelle Frage

Er berichtete von Ordensfrauen in Peru, deren Charisma es sei, dort zu wirken, wo es keine Priester gibt. «Sie haben die Vollmacht zu taufen, bei Trauungen zu assistieren … Sie leisten wunderbare Missionsarbeit, die auch für viele Priester ein Zeugnis ist», berichtete Leo. «Das ist der Mut, den es braucht, um das Evangelium zu verkünden, und es sind Frauen, die es tun!»

Fragen des Kirchenrechts und der Ämtertheologie wie etwa Diakoninnen- oder gar Priesterinnenweihe berührte er nicht. Vielmehr betonte er, ein Mehr an Teilhabe für Frauen sei vor allem eine kulturelle Frage.

«Es gibt Kulturen, in denen Frauen immer noch unter Unterschieden leiden – sozusagen als wären sie Bürger zweiter Klasse», beklagte der Papst. «Es ist also eine Herausforderung für die Kirche und für uns alle, gemeinsam den Respekt vor den Rechten aller zu fördern.»

Kirche als «Kraft zur Bekehrung von Kulturen»

Doch nicht alle Länder seien kulturell am gleichen Punkt wie Europa oder die USA. Auch müsse man anerkennen, dass nicht alle Bischöfe und Priester offen für das Thema seien. «Wir können nicht einfach davon ausgehen, dass die Ernennung einer Frau hier oder dort in diese oder jene Position ihr Respekt einbringt, denn es gibt starke kulturelle Unterschiede, die Probleme schaffen. Deshalb müssen wir darüber sprechen, wie die Kirche eine Kraft zur Bekehrung und zur Transformation von Kulturen im Sinne der Werte des Evangeliums sein kann», formuliert der Papst.

«Der Papst ist dem Thema nicht ausgewichen.»

Für Birgit Mock, stellvertretende Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), war hervorstechend, dass Leo die Teilhabe von Frauen nicht als theologisches Problem, sondern als kulturelle Frage betrachte. Auch habe er betont, dass er sich selbst für die Überwindung dieser kulturellen Hemmnisse einsetzen wolle und es gut finde, wenn Frauen schon jetzt Verantwortung in der Kirche übernehmen. «Unterm Strich ist es nicht schlecht und eine Tür, die er weiter aufgemacht hat», so die Vertreterin der deutschen Laien-Katholiken. «Er ist dem Thema nicht ausgewichen, dafür bin ich ihm sehr dankbar.»

Weihbischof Johannes Freitag aus der österreichischen Diözese Graz-Seckau begrüsste die «sehr differenzierte» Antwort des Papstes. Seine Einordnung des Frauenthemas als Frage der jeweiligen Kultur und Tradition sei eine Ermutigung, das Thema mit Blick auf die unterschiedlichen Kulturen anzugehen. «Das betrifft nicht das Weiheamt, aber es geht um die Verantwortung von Frauen», so der seit Januar amtierende Weihbischof.

Jeppesen erwartet konkrete Entscheidungen

Papst Leo habe sich deutlich dafür ausgesprochen, dass alle «Räume» für Frauen ausgenützt werden sollen, hob Helena Jeppesen-Spuhler hervor. «Wenn dies umgesetzt wird, ist die Kirche schon viel geschwisterlicher», so die Schweizerin, stimmberechtigtes Mitglied der Weltsynode. Gleichzeitig dringt sie auf rasche konkrete Entscheidungen zur kirchenrechtlichen Umsetzung von Synodalität.

Helena Jeppesen-Spuhler, vor dem bewachten Eingang zum Weltsynode-Saal Aula Paolo VI., Oktober 2024
Helena Jeppesen-Spuhler, vor dem bewachten Eingang zum Weltsynode-Saal Aula Paolo VI., Oktober 2024

«Es ist sehr wichtig für die Ortskirchen, dass wir mit den Resultaten der Studiengruppen weiterarbeiten, die im November rauskommen sollen.» Insbesondere bei Studiengruppe 5, die die Frauenfrage behandelt, erwarte sie einen «transparenten Bericht zum Stand der Diskussion um den Zugang von Frauen zum Diakonat, wie auch Hilfestellungen für die Stärkung von Frauen in kirchlichen Führungspositionen», so Jeppesen-Spuhler, die auch Mitglied der synodalen «Task Force» der Europäischen Bischofskonferenz CCEE ist.

«Die klerikale Kirche wird abgebaut und die Kirche des Volkes Gottes gebaut.»

Klara Csiszar sieht das Ringen um Antworten als ergebnisoffen. «Die Frage ist: Was sind unsere Erwartungen? Können wir uns überraschen lassen?», so die Theologin, die als Theologische Expertin zur Weltsynode berufen war. «Ich gehe davon aus, dass es am Ende nicht die Frauenordination sein wird, aber vielleicht muss es die auch gar nicht sein», gibt sie sich pragmatisch. «Man merkt, es ist etwas in Bewegung, die klerikale Kirche wird abgebaut und die Kirche des Volkes Gottes gebaut, was die Vision des Zweiten Vatikanischen Konzils war.»

Angst vor Machtverlust bei Bischöfen

Für den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, Leiter der deutschen Delegation beim Synodentreffen, gibt die Antwort des Papstes die klassische Haltung des Vatikans zur Frauenfrage wieder: «Das Kirchenrecht kann nicht geändert werden, deshalb müssen wir andere Wege finden, Frauen in Verantwortung zu bringen.» Dazu biete etwa die Kirche in Deutschland Karrierefördermassnahmen für Frauen an. «Der Papst hat es auch angesprochen: Frauen sind im Grunde diejenigen, die unsere Gemeinden hochhalten. Aber die Ämterfrage ist damit für Leo XIV. nicht zu klären», so der Bischof.

Als positiv empfindet es Kohlgraf auch, dass der Papst die Angst mancher Bischöfe vor Machtverlust erwähnte. «Das Kleben an Macht war auch Thema beim Synodalen Weg der Kirche in Deutschland», betont er. Die Deutschen hätten inzwischen einige Erfahrung in Sachen Synodalität, doch wollten sie nicht «die Oberlehrer» sein, unterstreicht Kohlgraf.

Auch Pastoraltheologin Csiszar warnt vor einem europazentrierten Blick auf die Weltkirche. So solle man nicht von «unterschiedlichen Geschwindigkeiten» sprechen, mit denen Ortskirchen unterwegs seien: «Das impliziert, ‘wir sind schneller, aber Ihr werdet dann auch irgendwann mal so weit sein wie wir’». Es sei besser, von verschiedenen Kulturen zu sprechen.

Lateinamerika ist Europa weit voraus

Für die Schweizerin Jeppesen-Spuhler besteht keinerlei Anlass zu europäischer Hybris. Ihre Delegation habe mit den Synodenteams Asiens, des Mittleren Ostens und Lateinamerikas Methoden und Pläne diskutiert, wie die Leitlinien auf kontinentaler Ebene umgesetzt werden könnten. «In Asien und Afrika wurden bereits einige Schulungen gemacht, auch für Bischöfe. In Lateinamerika sind sie uns weit voraus mit Workshops und Online-Kursen zu den für sie wichtigen Themen des Schlussdokuments und des Themas Synodalität allgemein», berichtet die Delegierte.

Sie weiss von weiteren ermutigenden Erfahrungen: In Österreich gebe es eine bischöfliche Vikarin für Synodalität, in Frankreich etliche Diözesen, die im Generalvikariat eine weibliche Co-Leitung eingeführt hätten. «Diese Erfahrungen sind sehr positive Signale dafür, dass eine synodale Kirche wächst und nachhaltig verändern wird», betont Jeppesen-Spuhler.

Christlicher Beitrag zum Frieden

Das Wesen einer synodalen Kirche, so ZdK-Vize Mock, bestehe darin, einander mit Respekt zu begegnen, andere Meinungen auszuhalten, sich Zeit zu nehmen, zuzuhören, aber dann auch in wichtigen Fragen zu Entscheidungen zu kommen. Dies sei eine bedeutende Leistung der Kirche für die Gesellschaft, in der Spannungen wachsen, wo Populismus wirke und Menschen auseinanderzutreiben drohe. So leisteten Christen einen Beitrag zum Frieden auf der ganzen Welt.

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Kirche Papst Vatikan Österreich Schweiz Welt Reformen Katholische Reform-Kräfte erleben einen Papst auf AugenhöheRund 2000 Katholiken aus aller Welt, die sich für grössere
Teilhabe aller Gläubigen an der Kirche einsetzen, kamen jetzt zu einem
Heilig-Jahr-Treffen in Rom zusammen. Einer der «Synodalen», die sich 2023 und
2024 zu jeweils vierwöchigen Sitzungen im Vatikan trafen, ist heute Papst.
Sabine Kleyboldt (KNA)Rom (KNA) «Als erstes lassen Sie mich Dr. Susan grüssen! Sie
und ich sassen am selben Tisch bei der letzten Synodensitzung, und es ist
schön, heute wieder mit Ihnen an einem Tisch zu sitzen. Willkommen!» Ein
herzlicher, offener und interessierter Papst präsentierte sich am Wochenende
beim Heilig-Jahr-Treffen der Synodenteams. Jener Menschen aus aller Welt, die
vor Ort versuchen, die Teilhabe von Katholiken an ihrer Kirche voranzubringen,
wie es der von Papst Franziskus (2013-2025) angestossene Prozess «Weltsynode»
vorsieht.Die Veranstaltung markierte den ersten gemeinsamen Schritt
bei der Umsetzung der Weltsynode. Bei einem Podium am Freitag vergangener Woche
skizzierten Männer und Frauen aus sieben Weltregionen den Stand der Dinge in
ihrer jeweiligen Heimat. Die von Leo XIV. so herzlich angesprochene «Dr. Susan»
war Susan Sela von den Fidschi-Inseln, Vertreterin der Föderation der
katholischen Bischofskonferenzen Ozeaniens (FCBCO) und Tischnachbarin des
damaligen Kardinals Robert Francis Prevost. Teilnahme von Prevost als PluspunktDass der heutige Papst selbst an den beiden je vierwöchigen
Sitzungen im Vatikan 2023 und 2024 teilgenommen hatte, zeigte sich als grosser
Pluspunkt. Exakt ein Jahr, nachdem Franziskus das Abschlussdokument der
Weltsynode absegnete, dürfte sein Nachfolger genau wissen, wo es bei der
Umsetzung dieser Leitlinien haken könnte – und welche «heissen Eisen» noch
angepackt werden müssen.Beim Heilig-Jahr-Treffen vergangene Woche nahm er sich über
zwei Stunden Zeit, um Erfahrungsberichte aus Afrika, Asien, Ozeanien, Europa,
Nordamerika, Südamerika sowie dem Nahen und Mittleren Osten zu hören. Deutlich
trat zu Tage, wie unterschiedlich die Themen sind, die Christen beschäftigen.
Von den katastrophalen Folgen der Erderwärmung über soziale Probleme,
Arbeitslosigkeit, Krieg, Ungleichheiten, Armut, schwindendes Interesse am
Glauben, überalterte oder sehr junge Kirche – alles kam auf den Tisch der
Audienzhalle.   Zuvor war jede Region vom Sekretariat der Weltsynode
aufgefordert worden, zwei Fragen einzureichen; eine konnte der Papst zur
Beantwortung auswählen. So wurde in der Frage aus Afrika die Sorge deutlich,
den Ortskirchen könnte bei der Umsetzung der Leitlinien ein einheitliches
Modell aufgezwungen und lokale Initiativen untergraben werden. Aus Nordamerika
wurde Leo gefragt, was er Bischöfen und Priestern sagt, die durch das Prinzip
der Synodalität ihre pastorale Autorität bedroht sehen. Lateinamerika/Karibik fragte,
wie der synodale Prozess die Gesellschaften inklusiver, gerechter und
friedensstiftender machen könne. Linzer Theologin griff «Frauenfrage» aufDie Linzer Pastoraltheologin Klara Csiszar, die für Europa
sprach, griff die «Frauenfrage» auf – ein Thema, das zum Ärger vieler vor einem
Jahr bei der Weltsynode weitgehend ausgeklammert worden war.«Welche berechtigten Hoffnungen können Frauen in eine
synodale Kirche setzen?», so die Professorin. «Glauben Sie, dass innerhalb der
Kirche ein echter Kulturwandel im Gange ist, der die Gleichstellung von Frauen
und Männern in der Kirche künftig zu einer gelebten Realität macht?»Seine ausführliche Antwort begann Leo mit einer Anekdote aus
seiner Familie: In den 1970ern, als in den USA das Thema Gleichberechtigung
diskutiert wurde, habe er seine Mutter Mildred gefragt, ob sie den Männern
gleichgestellt sein wolle. «Nein, denn wir sind schon besser!», so ihre
Antwort. Der Papst ergänzte: «Frauen haben so viele Gaben, die sie schon damals
in vielerlei Hinsicht einbringen konnten, im Familienleben, in der Gemeinde.» Frauenfrage als kulturelle FrageEr berichtete von Ordensfrauen in Peru, deren Charisma es
sei, dort zu wirken, wo es keine Priester gibt. «Sie haben die Vollmacht zu
taufen, bei Trauungen zu assistieren … Sie leisten wunderbare Missionsarbeit,
die auch für viele Priester ein Zeugnis ist», berichtete Leo. «Das ist der Mut,
den es braucht, um das Evangelium zu verkünden, und es sind Frauen, die es
tun!»Fragen des Kirchenrechts und der Ämtertheologie wie etwa
Diakoninnen- oder gar Priesterinnenweihe berührte er nicht. Vielmehr betonte
er, ein Mehr an Teilhabe für Frauen sei vor allem eine kulturelle Frage.«Es gibt Kulturen, in denen Frauen immer noch unter
Unterschieden leiden – sozusagen als wären sie Bürger zweiter Klasse», beklagte
der Papst. «Es ist also eine Herausforderung für die Kirche und für uns alle,
gemeinsam den Respekt vor den Rechten aller zu fördern.» Kirche als «Kraft zur Bekehrung von Kulturen»Doch nicht alle Länder seien kulturell am gleichen Punkt wie
Europa oder die USA. Auch müsse man anerkennen, dass nicht alle Bischöfe und
Priester offen für das Thema seien. «Wir können nicht einfach davon ausgehen,
dass die Ernennung einer Frau hier oder dort in diese oder jene Position ihr
Respekt einbringt, denn es gibt starke kulturelle Unterschiede, die Probleme
schaffen. Deshalb müssen wir darüber sprechen, wie die Kirche eine Kraft zur
Bekehrung und zur Transformation von Kulturen im Sinne der Werte des
Evangeliums sein kann», formuliert der Papst. «Der Papst ist dem Thema nicht ausgewichen.»Für Birgit Mock, stellvertretende Vorsitzende des
Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), war hervorstechend, dass Leo
die Teilhabe von Frauen nicht als theologisches Problem, sondern als kulturelle
Frage betrachte. Auch habe er betont, dass er sich selbst für die Überwindung
dieser kulturellen Hemmnisse einsetzen wolle und es gut finde, wenn Frauen
schon jetzt Verantwortung in der Kirche übernehmen. «Unterm Strich ist es nicht
schlecht und eine Tür, die er weiter aufgemacht hat», so die Vertreterin der
deutschen Laien-Katholiken. «Er ist dem Thema nicht ausgewichen, dafür bin ich
ihm sehr dankbar.»Weihbischof Johannes Freitag aus der österreichischen Diözese
Graz-Seckau begrüsste die «sehr differenzierte» Antwort des Papstes. Seine
Einordnung des Frauenthemas als Frage der jeweiligen Kultur und Tradition sei
eine Ermutigung, das Thema mit Blick auf die unterschiedlichen Kulturen
anzugehen. «Das betrifft nicht das Weiheamt, aber es geht um die Verantwortung
von Frauen», so der seit Januar amtierende Weihbischof.  Jeppesen erwartet «transparenten Bericht zum Stand der
Diskussion» Papst Leo habe sich deutlich dafür ausgesprochen, dass alle
«Räume» für Frauen ausgenützt werden sollen, hob Helena Jeppesen-Spuhler
hervor. «Wenn dies umgesetzt wird, ist die Kirche schon viel
geschwisterlicher», so die Schweizerin, stimmberechtigtes Mitglied der
Weltsynode. Gleichzeitig dringt sie auf rasche konkrete Entscheidungen zur
kirchenrechtlichen Umsetzung von Synodalität.«Es ist sehr wichtig für die Ortskirchen, dass wir mit den
Resultaten der Studiengruppen weiterarbeiten, die im November rauskommen
sollen.» Insbesondere bei Studiengruppe 5, die die Frauenfrage behandelt,
erwarte sie einen «transparenten Bericht zum Stand der Diskussion um den Zugang
von Frauen zum Diakonat, wie auch Hilfestellungen für die Stärkung von Frauen
in kirchlichen Führungspositionen», so Jeppesen-Spuhler, die auch Mitglied der
synodalen «Task Force» der Europäischen Bischofskonferenz CCEE ist. «Die klerikale Kirche wird abgebaut und die Kirche des
Volkes Gottes gebaut.»Klara Csiszar sieht das Ringen um Antworten als
ergebnisoffen. «Die Frage ist: Was sind unsere Erwartungen? Können wir uns
überraschen lassen?», so die Theologin, die als Theologische Expertin zur
Weltsynode berufen war. «Ich gehe davon aus, dass es am Ende nicht die
Frauenordination sein wird, aber vielleicht muss es die auch gar nicht sein»,
gibt sie sich pragmatisch. «Man merkt, es ist etwas in Bewegung, die klerikale
Kirche wird abgebaut und die Kirche des Volkes Gottes gebaut, was die Vision
des Zweiten Vatikanischen Konzils war.» Angst vor Machtverlust bei BischöfenFür den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, Leiter der deutschen
Delegation beim Synodentreffen, gibt die Antwort des Papstes die klassische
Haltung des Vatikans zur Frauenfrage wieder: «Das Kirchenrecht kann nicht
geändert werden, deshalb müssen wir andere Wege finden, Frauen in Verantwortung
zu bringen.» Dazu biete etwa die Kirche in Deutschland Karrierefördermassnahmen
für Frauen an. «Der Papst hat es auch angesprochen: Frauen sind im Grunde
diejenigen, die unsere Gemeinden hochhalten. Aber die Ämterfrage ist damit für
Leo XIV. nicht zu klären», so der Bischof.Als positiv empfindet es Kohlgraf auch, dass der Papst die
Angst mancher Bischöfe vor Machtverlust erwähnte. «Das Kleben an Macht war auch
Thema beim Synodalen Weg der Kirche in Deutschland», betont er. Die Deutschen
hätten inzwischen einige Erfahrung in Sachen Synodalität, doch wollten sie
nicht «die Oberlehrer» sein, unterstreicht Kohlgraf.Auch Pastoraltheologin Csiszar warnt vor einem
europazentrierten Blick auf die Weltkirche. So solle man nicht von
«unterschiedlichen Geschwindigkeiten» sprechen, mit denen Ortskirchen unterwegs
seien: «Das impliziert, ‘wir sind schneller, aber Ihr werdet dann auch
irgendwann mal so weit sein wie wir’». Es sei besser, von verschiedenen
Kulturen zu sprechen. Lateinamerika ist Europa weit vorausFür die Schweizerin Jeppesen-Spuhler besteht keinerlei
Anlass zu europäischer Hybris. Ihre Delegation habe mit den Synodenteams
Asiens, des Mittleren Ostens und Lateinamerikas Methoden und Pläne diskutiert,
wie die Leitlinien auf kontinentaler Ebene umgesetzt werden könnten. «In Asien
und Afrika wurden bereits einige Schulungen gemacht, auch für Bischöfe. In
Lateinamerika sind sie uns weit voraus mit Workshops und Online-Kursen zu den
für sie wichtigen Themen des Schlussdokuments und des Themas Synodalität allgemein»,
berichtet die Delegierte.Sie weiss von weiteren ermutigenden Erfahrungen: In
Österreich gebe es eine bischöfliche Vikarin für Synodalität, in Frankreich
etliche Diözesen, die im Generalvikariat eine weibliche Co-Leitung eingeführt
hätten. «Diese Erfahrungen sind sehr positive Signale dafür, dass eine synodale
Kirche wächst und nachhaltig verändern wird», betont Jeppesen-Spuhler. Christlicher Beitrag zum FriedenDas Wesen einer synodalen Kirche, so ZdK-Vize Mock,
bestehe darin, einander mit Respekt zu begegnen, andere Meinungen auszuhalten,
sich Zeit zu nehmen, zuzuhören, aber dann auch in wichtigen Fragen zu
Entscheidungen zu kommen. Dies sei eine bedeutende Leistung der Kirche für die
Gesellschaft, in der Spannungen wachsen, wo Populismus wirke und Menschen
auseinanderzutreiben drohe. So leisteten Christen einen Beitrag zum Frieden auf
der ganzen Welt. 

Papst Leo XIV. spricht mit Kardinal Mario Grech – vor der Eröffnungsansprache am Jubiläum der synodalen Teams, Oktober 2025 | © Fredy Bihler
30. Oktober 2025 | 16:30
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