Vor der Klosterkirche vereint: Oblatengruppe von Disentis
Schweiz

Unterwegs mit den Mönchen – und doch ganz in der Welt: Oblatengruppe im Kloster Disentis wächst stetig

Benediktineroblatinnen und -oblaten verpflichten sich, als Weggefährten eines Klosters die benediktinische Spiritualität zu pflegen – ohne ins Kloster einzutreten. Im Kloster Disentis ist die Oblatengruppe in den letzten Jahren stark gewachsen. «Zwischen den Oblaten und dem Kloster gibt es eine gegenseitige Bereicherung», sagt Pater Bruno Rieder.

Barbara Ludwig

Es sind Männer und Frauen, die eine ganz besondere Beziehung zur Benediktinerabtei Disentis haben. Als sogenannte Weltoblaten leben sie ihr Christsein im Geist der Benediktsregel, ohne ins Kloster einzutreten – was im Falle der Frauen auch nicht möglich wäre. Denn die Abtei ist ein Männerkloster.

Pater Bruno Rieder im Gespräch.
Pater Bruno Rieder im Gespräch.

Zurzeit gehören der Oblatengruppe des Klosters in der Surselva rund 80 Personen an, wie Pater Bruno Rieder auf Anfrage mitteilt. Rieder ist Dekan des Klosters, zusammen mit einem Mitbruder betreut er die 34 Frauen und 49 Männer.

Jährlich zwei bis vier neue Oblaten

Die Oblatengruppe ist grösser als der Konvent, dem 19 Mitglieder angehören. Und sie ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Seit er und sein Mitbruder 2010 die Oblatengruppe übernommen haben, hätten sie zahlreiche Neuzugänge gehabt, berichtet Rieder. «Im Durchschnitt legen jedes Jahr zwei bis vier Personen ihre Oblation ab. Der Zuwachs erfolgt kontinuierlich.» Die Oblation ist das in einem Ritus abgelegte Versprechen, ein christliches Leben in enger Verbundenheit mit einem bestimmten Kloster und im Geist des Ordensgründers oder der Ordensgründerin zu führen.

Spiritueller Moment in der Klosterkirche Disentis.
Spiritueller Moment in der Klosterkirche Disentis.

Die Mehrheit der Interessenten sei im mittleren Alter, doch in den letzten Jahren hätten sich auch immer wieder Menschen unter 30 Jahren für die Oblation interessiert, etwa zehn Personen, so Bruno Rieder.

Spirituelle Angebote

Die Abtei bietet ihren Oblatinnen und Oblaten die Möglichkeit, den Glauben zu vertiefen. Jeden Monat gibt es ein Treffen in Disentis mit einem geistlichen Impuls, liturgischen Feiern und einem gemeinsamen Abendessen mit den Mönchen. Jedes Jahr organisiert das Kloster eine viertägige Retraite mit biblischen Impulsen und einer Wanderung zu einem anderen Kloster. Jeweils im Oktober findet das Jahrestreffen der Oblaten statt. Das Jahresprogramm 2025 ist den Psalmen gewidmet, dazu finden seit Januar regelmässig Anlässe statt. Es bestehe zudem die Möglichkeit zu persönlicher geistlicher Begleitung oder zu Einzelexerzitien, so der Dekan.

«Geistliche Heimat» im Kloster

«Zwischen den Oblaten und dem Kloster gibt es eine gegenseitige Bereicherung», schreibt der Dekan der Abtei. So fänden die Oblaten eine «geistliche Heimat» im Kloster und dessen Gemeinschaft und könnten auf das Gebet und die geistliche Begleitung der Mönche zählen. Andererseits vertraue auch das Kloster auf das Gebet der Oblaten und werde von ihnen unterstützt, etwa bei der Organisation grösserer Veranstaltungen.

Der wichtigste «Profit» für die Abtei sei die «Gebets- und die Glaubensgemeinschaft» mit den Oblatinnen und Oblaten, so Bruno Rieder. Der Kontakt mit ihnen helfe auch, «nahe bei den Menschen, ihren Sorgen, Nöten und Freuden zu sein».

Oblatin Jeanine Kosch: «Ohne die Treue zum Gebet funktioniert es nicht»

Die Oblatenkerze von Jeanine Kosch neben einer Darstellung des heiligen Benedikt.
Die Oblatenkerze von Jeanine Kosch neben einer Darstellung des heiligen Benedikt.

Nebst der Abtei Disentis haben auch andere Benediktinerklöster in der Schweiz eine Oblatengemeinschaft, darunter etwa das Benediktinerinnenkloster Fahr im Kanton Aargau. Dort können nur Frauen die Oblation ablegen. Ein Mitglied der Gruppe ist die pensionierte Seelsorgerin Jeanine Kosch (67), die in Aarau lebt.

Kosch begann 2017 das Probejahr. Als sie 2018 ihre Oblation ablegte, bekam sie eine Kerze mit einer Darstellung des Bruder-Klausen-Rades. Sie habe sich schon als Theologiestudentin zur benediktinischen Spiritualität hingezogen gefühlt, sagt sie gegenüber kath.ch.

Auch die Frage eines Klostereintritts habe sie damals beschäftigt, sie habe dies aber verworfen und schliesslich ihre Berufung in Ehe und Familie gefunden. «Es ist nicht so, dass ich eine verpasste monastische Berufung nun als Oblatin lebe. Aber Spiritualität ist ein Teil von mir», erklärt Kosch, die unterdessen auch Grossmutter ist.

Was sie – nach einer Begegnung mit einer Oblatin – dazu bewogen habe, ebenfalls diesen Weg zu gehen, sei der «Aspekt der Gemeinschaft», mit der man spirituell unterwegs sei, sowie eine grössere Verbindlichkeit.

Kosch nimmt sich regelmässig – vor allem morgens und abends – Zeit fürs Gebet und geistliche Lektüre. So oft zu beten wie die Mönche und Nonnen schaffe sie allerdings nicht. «Das Gebet gehört zu meinem Alltag, aber ich bin nicht Nonne», betont sie. Die Regelmässigkeit des Gebets sei indes wichtig. «Ohne die Treue zum Gebet funktioniert es nicht.» Das intensivere und regelmässige Gebetspraxis als Oblatin – eben diese Treue – schenke ihr eine gewisse Gelassenheit im Alltag, sagt die Theologin. (bal)

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Vor der Klosterkirche vereint: Oblatengruppe von Disentis | © Kloster Disentis
12. Oktober 2025 | 17:00
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