Schweiz

Migratio-Nationaldirektorin: «Religion hilft vielen Migranten, aber es braucht mehr»

Das vierköpfige Team der bischöflichen Dienststelle Migratio hat am Jubiläum für Missionare und Migranten in Rom teilgenommen. Migratio-Nationaldirektorin Isabel Vasquez besuchte zuvor einen Kongress, der den Auftakt zu einer dreijährigen Suche nach Lösungen in der Flüchtlingsproblematik bildete.

Regula Pfeifer

«Wir sollten nicht vergessen, wofür wir arbeiten, nämlich für die katholische Kirche», das befand Isabel Vasquez, die Leiterin der Dienststelle Migratio der Schweizer Bischofskonferenz. Sie lud ihre drei Mitarbeitenden ein, das Jubiläum für Missionare und Migranten im Vatikan zu besuchen.

Migratio-Team in Rom (v.l.): Ingmar Kummrow, Isabel Vasquez, Miriam Kromer und Ruth Wicki
Migratio-Team in Rom (v.l.): Ingmar Kummrow, Isabel Vasquez, Miriam Kromer und Ruth Wicki

Zum Heiligen Jahr «Pilger der Hoffnung»

Dies ist eines der Feiern, die der Vatikan zum Heiligen Jahr «Pilger der Hoffnung» organisiert hat. Stattgefunden hat das Jubiläum am vergangenen Wochenende. Die Dienststelle Migratio ist zuständig für die Seelsorge von Migrantinnen und Migranten, von Menschen im Asylbereich und unterwegs.

Die drei Mitarbeitenden von Isabel Vasquez trafen am letzten Freitag in Rom ein. Am Samstagmorgen besuchten sie zusammen mit Vasquez die Jubiläumsaudienz von Papst Leo XIV. im Petersdom. «Dabei sagte Papst Leo, Veränderung geschehe nur, wenn man bei sich selbst beginne», erinnert sich Isabel Vasquez.

Papst Leo XIV. an der Audienz auf dem Petersplatz vom Samstag, 4. Oktober
Papst Leo XIV. an der Audienz auf dem Petersplatz vom Samstag, 4. Oktober

Am Samstagnachmittag durchschritt das Migratio-Team die Heilige Pforte beim Petersdom in Vatikan. Es war dafür der Wallfahrtsgruppe der Diözese Ibiza zugeteilt worden. «Wir sprachen und beteten miteinander und fühlten uns bald als Teil der Gruppe», sagt Vasquez.

Plätze bei der Delegation aus Uri

Am Sonntagmorgen besuchte das Migratio-Team den Gottesdienst auf dem Petersplatz. Sie bekamen gute Plätze bei der Delegation aus Uri, die tags zuvor als Gastkanton der Vereidigung der Schweizergarde beigewohnt hatte.

Der Papst habe an der Messe daran erinnert, dass viele Flüchtlinge traumatisiert im neuen Land ankämen, sagt Vasquez. Laut dem Predigtskript auf «Vatican News» sagte Leo XIV.: «Ich denke (…) insbesondere an unsere Brüder und Schwestern Migranten, die ihre Heimat und oft auch ihre Angehörigen verlassen mussten, die Nächte voller Angst und Einsamkeit erlebt sowie Diskriminierung und Gewalt am eigenen Leib erfahren haben.» Da gelte es, für sie da zu sein, sie zu unterstützen und Mitgefühl zu zeigen, erinnert sich Vasquez an die Worte des Papstes.

Konferenz zum Start einer Initiative

Isabel Vasquez nahm ab letztem Mittwoch auch an der internationalen Konferenz «Flüchtlinge und Migranten in unserem gemeinsamen Haus» teil, die am Freitag endete. Die Konferenz markiert den Beginn einer dreijährigen Initiative, die zum Ziel hat, gemeinsam mit Betroffenen sowie Vertretenden aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft eine nachhaltige Lösung für Migranten und Flüchtlinge zu finden. Daran beteiligten sich mehr als 255 Vertretende aus über 40 Ländern, ist bei «Vatican News» nachzulesen.

«Viele Menschen, die sich im Bereich Migration und Flucht engagieren, vertreten dieselben Werte wie wir.»

Isabel Vasquez, Nationaldirektorin Migratio

Am Kongress fiel Vasquez auf, dass sich auch nichtkirchliche Organisationen für die Würde der geflüchteten Menschen einsetzen. «Viele Menschen, die sich im Bereich Migration und Flucht engagieren, vertreten dieselben Werte wie wir.»

Die Migratio-Mitarbeitenden unterwegs in Rom
Die Migratio-Mitarbeitenden unterwegs in Rom

So habe etwa eine Uno-Mitarbeiterin auf die Schwierigkeit hingewiesen, in Flüchtlingscamps angemessen mit Verstorbenen umzugehen. Es gebe Probleme mit Begräbnissen. Ausserdem bräuchte es in den Camps Seelsorge durch Vertretende verschiedener Religionen. Auch die mentale Gesundheit von Flüchtlingen wurde laut Vasquez besprochen.

Gute Zusammenarbeit und Sensibilisierung notwendig

Dabei sei festgehalten worden: «Religion hilft vielen Migranten in ihrem schwierigen Prozess, aber es braucht auch mehr als das. Wir brauchen eine gute Zusammenarbeit vieler Institutionen. Und die Gesellschaft muss für die Realität der Migration und ihre Folgen sensibilisiert werden.»

Für viele Flüchtende ist die Kirche ein Zufluchtsort, wegen der Spiritualität. Diese Feststellung führte zur Frage, was die Kirche mehr bieten könnte, so Vasquez. Ob neben Seelsorge auch Informationen vermittelt werden sollten. Etwa darüber, wo sich Flüchtlinge für ihre Fragen am besten hinwenden.

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8. Oktober 2025 | 12:00
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