Valentina Anzini spricht über Synodalität in der Kirche
Schweiz

Valeria Anzini hofft auf einen «Weg des Herzens», nicht nur der Worte

Die Vizepräsidentin der Synodalitätskommission der Schweizer Kirche verspricht sich einiges von der angestrebten synodalen Kirche. Eine solche sei wie eine Mutter, «die zuhört, tröstet und leitet», sagt die Tessiner Theologin Valeria Anzini.

Regula Pfeifer

Die katholische Kirche werde oft als Mutter verstanden, und zwar als Mutter, die «aufnimmt, zuhört, tröstet und leitet», sagt Valeria Anzini. «Das Bild der Mutter passt für mich gut zur synodalen Kirche.» Die Aussage macht Anzini in einem Youtube-Video, das die Schweizer Bischofskonferenz am Donnerstag über ihren Newsletter «Lumen» verbreitet hat. Valeria Anzini ist Vizepräsidentin der nationalen Synodalitätskommission.

«Eine synodale Kirche ist für mich eine Kirche, der es gelingt, allen Raum zu geben, vor allem einen Raum des Zuhörens», so Anzini. Das war nach ihrer Ansicht das grosse Thema beim weltweiten synodalen Prozess.

Lanciert hatte Papst Franziskus den Prozess mit einem Foto von sich, bei dem er die Hand hinters Ohr hält und angestrengt schaut. Wie jemand, der versucht, den anderen zu verstehen.

Valentina Anzini im Video-Gespräch über Synodalität
Valentina Anzini im Video-Gespräch über Synodalität

Das Thema Zuhören zog sich offenbar durch bis zum Schluss, wie die Tessinerin weiss. «Im Schlussdokument der Synode wird unter anderem vorgeschlagen, ein Ministerium des Zuhörens einzurichten.»

Eine synodale Kirche gewähre – mittels Zuhören – allen Getauften Raum, um sich in der Kirche je nach eigenen Fähigkeiten und Charismen einzubringen. Und sie müsse ihre Sprache an die Menschen von heute anpassen.

Dies insbesondere, um das Evangelium verbreiten zu können. Auch ein Relaunch der Mission gehöre zu einer synodalen Kirche, sagt die Vizepräsidentin der Synodalitätskommission.

«Es geht darum, ganz tief in die Person hineinzuhören, die uns gegenübersitzt.»

Zuhören sei nicht einfach und wir seien uns das auch nicht gewohnt, findet Anzini. Oft würden wir oberflächlich hinhören und nur aufnehmen, was uns gefalle und interessiere, was wir tatsächlich hören wollten. «Aber es geht darum, ganz tief in die Person hineinzuhören, die uns gegenübersitzt.»

Arbeitet als Religionslehrerin

Die Theologin arbeitet im Tessin als Religionslehrerin, als Mitarbeiterin des diözesanen historischen Archivs und als Koordinatorin der Jugendpastoral im Bistum Lugano. Da ging sie mit jungen Menschen den Fragebogen durch, anhand dessen sich die Katholikinnen und Katholiken gruppenweise zu wichtigen Fragen der Kirche äussern konnten beziehungsweise sollten.

Oft hätten die beteiligten Jugendlichen dabei Aussagen gemacht wie: «Ich möchte eine Kirche, die nicht urteilt; eine Kirche, die offen ist; eine Kirche, die mir zuhört, die meine Sorgen und Schwierigkeiten anhört, indem sie sie wahrnimmt, wie sie sind.»

Die Kommission als «Labor»

Die Synodalitätskommission mit ihren 30 Mitwirkenden bezeichnet die Theologin als «Labor» und erläutert: «Wir sind 30 Personen, die verschiedene Milieus vertreten, aus unterschiedlichen Organisationen kommen, unterschiedlichen Alters sind und über unterschiedliche Charismen verfügen.»

Dieses breite Spektrum sei schön, weil so möglichst viele Facetten einbezogen werden könnten. «Aber es ist auch anspruchsvoll, sich damit zu konfrontieren.» Es gelte nicht, Einstimmigkeit zu finden, sondern Zustimmung zu gewissen Themen. «Das ist sehr arbeitsintensiv und wirklich eine Herausforderung», räumt Anzini ein.

Dementsprechend befinde sich die Kommission noch in der Phase der Ausarbeitung einer synodalen Kirche für die Schweiz. Sie beginne erst damit, etwas Konkretes zu entwickeln, das schlussendlich vorgeschlagen werden könne.

Als ersten wichtigen Erfolg im synodalen Prozess bezeichnet Anzini das Schlussdokument, das an der synodalen Versammlung im letzten Oktober verabschiedet wurde. Und das Papst Franziskus – ohne weitere Überarbeitung – als offizielles Schlussdokument anerkannt hat.

Kritik an Verwendung als Slogan

Auf dem synodalen Weg ortet Anzini viel Willen, Engagement und Entschlossenheit, aber auch noch viele Schwierigkeiten. Insbesondere werde Synodalität gern als Slogan verwendet. Man sage gern: Wir arbeiten in synodaler Art. Doch das geschehe in der konkreten Umsetzung dann doch nicht.

Es brauche mehr als «nur einen Weg der Worte», so Anzini. Es brauche «einen Weg mit dem Herzen». Deshalb sei der erste Schritt hin zu einer synodalen Kirche «eine Konversion des Herzens». Jede und jeder sollte ganz tief in sich verstehen, was synodale Kirche ist und diese selbst leben.

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat im September 2024 die letzten Mitglieder der neuen Synodalitätskommission (SyKo) vorgenommen. Diese hat die Aufgabe, geeignete synodale Beteiligungsmöglichkeiten für Entscheide zu zentralen Fragen der Kirche in der Schweiz zu schaffen.

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Valentina Anzini spricht über Synodalität in der Kirche | © Youtube/SBK
25. September 2025 | 15:42
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