Religiöse Unterweisung als Machtinstrument.
Schweiz

St. Gallen mit «Kompass»: Machtmissbrauch im religiösen Kontext verhindern

Menschen im Kanton St. Gallen sollen ihren Glauben in einem sicheren Umfeld ausüben können. Religiöse und staatliche Stellen wollen ihre Verantwortung gegenüber rat- und hilfesuchenden Menschen bewusster und besser wahrnehmen.

(woz) Dazu haben die Religionsgemeinschaften und der Kanton gemeinsam einen «Kompass zum Umgang mit Machtmissbrauch im religiösen Kontext» entwickelt. Der Kompass enthält praxisorientierte Leitsätze und Massnahmen im Bereich von Intervention, Nachsorge, Aufarbeitung und Prävention, wie das St. Galler Departement des Innern informiert.

«Wichtige Rolle der Religionsgemeinschaften»

«Der Kanton St. Gallen anerkennt damit die wichtige gesellschaftliche Rolle der verschiedenen Religionsgemeinschaften. In den letzten Jahren hat sich aber auch gezeigt, dass die Notwendigkeit von verstärkten Interventions- und Präventionsmassnahmen im Bereich Missbrauch besteht», heisst es wörtlich in der Medienmitteilung.

Kathedrale in St. Gallen
Kathedrale in St. Gallen

Über Jahrzehnte hatten auch St. Galler Priester, Kapläne und Schwestern systematisch Kinder missbraucht. Die Vorfälle blieben trotz Warnungen an das Bistum St. Gallen ohne Konsequenzen. Der Skandal führte zu unzähligen Austritten aus der katholischen Kirche, auch im Kanton St. Gallen.

Ausgangspunkt: Missbrauchsstudie 2023

Die Arbeiten des Departements des Innern zu dem neuen Kompass gehen auf den im Herbst 2023 veröffentlichten Bericht zum sexuellen Missbrauch im katholischen Umfeld zurück. Das Departement des Innern führte zwischen Frühjahr 2024 und Sommer 2025 mehrere Sitzungen mit den Religionsgemeinschaften durch, unter anderem unter Mitwirkung der Opferhilfe SG-AR-AI.

Der Churer Bischof Joseph Bonnemain spricht an der Medienkonferenz zur Missbrauchsstudie - neben ihm die damalige RKZ-Präsidentin Renata Asal-Stegher
Der Churer Bischof Joseph Bonnemain spricht an der Medienkonferenz zur Missbrauchsstudie - neben ihm die damalige RKZ-Präsidentin Renata Asal-Stegher

Im Rahmen der «St. Galler Konferenz zu Fragen von Religion und Staat» haben sich die beteiligten Religionsgemeinschaften und der Kanton St. Gallen nun mit dem «Kompass zum Umgang mit Machtmissbrauch im religiösen Kontext» auf einen gemeinsamen Orientierungsrahmen verständigt.

Präventionsbemühungen

Der Kompass soll als Ausgangspunkt für die Präventionsbemühungen und damit verbundene Entwicklungsprozesse in den einzelnen Religionsgemeinschaften dienen.

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Dies im Bewusstsein, dass sich die Religionsgemeinschaften stark unterscheiden, auch was die Grösse, Strukturen und Ressourcen betrifft. «Deshalb wird es nicht allen gleichermassen möglich sein, sämtliche Aspekte des Kompasses zeitnah umzusetzen», heisst es wörtlich weiter.

Klare Richtung vorgeben

Der Kompass soll allen Beteiligten eine klare Richtung bezüglich Haltung und künftigen Entwicklungen vorgeben. Zudem finden sich, ergänzend zum Kompass, aktuelle Links zu weitergehenden Informationen, Unterlagen, Weiterbildungen und Veranstaltungen – mit dem Ziel, dass Religionsgemeinschaften sich in diesen Fragen vernetzen und voneinander lernen. Inhaltlich bietet der Kompass Orientierung für Leitungs- und Fachpersonen sowie Freiwillige in den verschiedenen Gemeinschaften.


Religiöse Unterweisung als Machtinstrument. | © Geralt/Geralt
28. August 2025 | 17:00
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