Gebetsmänner am Lindenberg
Schweiz

Gebetsbruder Christoph Zünd betet Tag und Nacht für den Frieden

An einem deutschen Wallfahrtsort beten seit 70 Jahren ununterbrochen «Gebetsbrüder» um den Frieden. Einer davon ist der dreifache Vater Christof Zünd aus dem Kanton Aargau. «Das ist wie eine Tankstelle für mich.» 

Jacqueline Straub

«Ich möchte Gott jedes Jahr zwei Wochen Stille schenken», sagt Christof Zünd (65) aus Oberlunkhofen (AG). «Ich bete dabei für die Anliegen der Menschen und vor allem für den Frieden in der Welt.»

Er ist seit 2019 Teil einer Gebetsgruppe am Lindenberg bei St. Peter im Schwarzwald. Zusammen mit seinen «Gebetsbrüdern» betet der Vater dreier Kinder am Wallfahrtsort zwei Mal eine Woche im Jahr Tag und Nacht um Frieden in der Welt.  

Christof Zünd
Christof Zünd

Dass Christof Zünd zu der Gebetsgruppe gestossen ist, ist einer überfüllten Pension am Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina zu verdanken. «Wir wurden an einen Tisch zu einem deutschen Ehepaar gesetzt». Der Mann erzählte dem Ehepaar Zünd von der Männergebetswache und «wie wunderschön es ist». Das wollte Christof Zünd selbst erleben und wurde so Teil der Gebetsbrüder-Bewegung. 

Männer aus der Schweiz

Nahezu das ganze Jahr über kommen Gruppen von Männern aus der Erzdiözese Freiburg zur Männergebetswache auf den Lindenberg bei St. Peter. Inzwischen gibt es in den Gruppen auch Männer aus der Schweiz. Zwischen zehn und 15. Betend halten sie Wache vor dem Allerheiligsten. 

Die Gebetswache auf dem Lindenberg hat Schweizer Wurzeln: Im Jahr 1955 hat eine Gruppe von Männern aus der Erzdiözese Freiburg am Grab des Heiligen Bruder Klaus die Reise von Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau betend begleitet. Das Treffen führte zur Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus Russland. Für diesen «guten Ausgang» betet Christof Zünd regelmässig bei seiner Gebetswache.

«Der Lindenberg hat eine wunderbare Ausstrahlung. Das wirkt auf einen ein», erzählt Christof Zünd mit einem grossen Strahlen im Gesicht. «Wenn ich dort beladen hinkomme, kann ich ruhig werden und neuen Mut fassen.» Mit Zuversicht und neuer Kraft verlässt er nach einer Woche den Wallfahrtsort wieder.

Inzwischen sind auch Freundschaften unter den Gebetsbrüdern entstanden. Zwischen den Gebeten sprechen sie über ihrem Alltag. «Wir pflegen eine grosse Offenheit untereinander und erzählen uns voneinander, wie wir mit den eigenen Problemen in unserem Leben umgehen.» 

Bei der Anbetung in der Wallfahrtskirche fühlt sich Christof Zünd «wie zuhause». Die Gottesmutter und Jesus sind ihm dabei ganz nah. Die Zeit auf dem Lindenberg ist ihm kostbar. «Das ist wie eine Tankstelle für mich. Ich schöpfe jedes Mal neue Kraft.» 

Gebet «nur» noch von 6 Uhr bis Mitternacht

Neben vielen Gebetszeiten bleibt den Männern aber auch Zeit zum Wandern, Fernsehschauen oder für Diskussionen. «Wir werden gut verköstigt und preislich ist es so gestaltet, dass es für jeden möglich ist, teilzunehmen.»

Der Tag beginnt für die Gebetsgruppe um 7.20 Uhr mit der Laudes, gefolgt vom gemeinsamen Frühstück und darauf dem Rosenkranz. Um 10 Uhr gibt es einen Vortrag des Wallfahrtsgeistlichen. Um 11 Uhr feiern alle die Eucharistie. Vor dem Abendessen um 17.45 Uhr wird wieder Rosenkranz gebetet und danach findet das Nachtgebet statt. «Das sind die Gebetszeiten, die alle Männergruppen gemeinsam machen», sagt Christof Zünd.

Statue von Niklaus von Flüe.
Statue von Niklaus von Flüe.

Zwischen 6 Uhr morgens und Mitternacht sind immer zwei oder drei Männer für jeweils eine Stunde in der Kirche am Beten. «In der Nacht beten wir laut.» Das kann ein Rosenkranz sein, Vorlagen aus dem Gotteslob oder auch mal ein spontan gesprochenes Gebet. Aber auch um persönliche Anliegen und Bitten von Besuchenden wird gebetet. Vor allem beten sie aber um Frieden in der Welt.

Schnuppertage möglich

Das Gebet um Frieden findet seit 1955 ununterbrochen statt. »Die Zahl der Teilnehmer hat in den letzten Jahren abgenommen, die Mitglieder sind älter. Deshalb hat man beschlossen, die Gebetszeit von 24.00 Uhr bis 06.00 Uhr zu unterbrechen», sagt Christof Zünd. 

Dennoch freut sich die Männergebetswache auch auf «Schnupperer», wie Rolf May-Seehars, Referent für Männerpastoral in der Erzdiözese Freiburg auf Anfrage von kath.ch mitteilt. Männer können jederzeit bei der Gebetswache teilnehmen und auch mal für etwa zwei oder drei Tage «reinschnuppern».

Bruder Klaus Glocke am Wallfahrtsort Lindenberg St. Peter im Schwarzwald
Bruder Klaus Glocke am Wallfahrtsort Lindenberg St. Peter im Schwarzwald

Kürzlich wurde eine Glocke für die Gebetsbrüder eingeweiht – eine Bruder-Klaus-Glocke. «Das freut mich natürlich sehr, dass unser Nationalheiliger über die Landesgrenze hinweg ausstrahlt», sagt Christof Zünd. Der Heilige Niklaus von Flüe ist noch heute ein Vorbild für das «Wachen und Beten in der Gegenwart Gottes». Schon zu Lebzeiten wurde er im Gebet und der Stille zum Friedensstifter in einer von politischen und gesellschaftlichen Konflikten geprägten Zeit. 

Christof Zünd würde sich freuen, wenn es auch Gebetsbrüder-Gruppen in der Schweiz geben würde. «Ein Ort, an dem immer gebetet wird, ist ein Kraftort.»

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Gebetsmänner am Lindenberg | © zvg
12. August 2025 | 17:00
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