Beatrice Eglin, Kirchenpflegepräsidentin der Kirchgemeinde Baden-Ennetbaden AG.
Schweiz

Aargauer Kirchgemeinde im Sparzwang: «Wir müssen überall den Rotstift ansetzen, nicht nur bei Jubla»

Die Kirchgemeinde Baden-Ennetbaden hat die finanzielle Unterstützung für die Lager von Jungwacht Blauring um die Hälfte gekürzt. Wegen der Kirchenaustritte müsse die Kirchgemeinde sparen, und zwar überall, betont die Kirchenpflegepräsidentin.

Barbara Ludwig

Die Aargauer Kirchgemeinde Baden-Ennetbaden unterstützt die Jugendgruppen Jungwacht Baden, Blauring Baden und Jubla Rütihof mit einem jährlichen Beitrag an die Lagerkosten. Bis im vergangenen Jahr belief sich dieser Budgetposten auf 25’000 Franken. Unterdessen erhalten die Jugendgruppen weniger.

«Der Beitrag wurde im Rahmen unseres Sparprogamms um die Hälfte reduziert auf 12’500 Franken», sagt Kirchenpflegepräsidentin Beatrice Eglin zu kath.ch und bestätigt damit einen Bericht des SRF-Regionaljournals Aargau Solothurn (1. Juli). Die Kürzung sei zusammen mit dem Budget fürs laufende Jahr im November 2024 von der Kirchgemeindeversammlung genehmigt worden.

Was die Kirchgemeinde alles für die Jugend macht

Eglin betont, man unterstütze die Jubla weiterhin – und zwar aussergewöhnlich grosszügig. Sie zählt auf: «Wir stellen der Jubla kostenlos Liegenschaften zur Verfügung.» Eine grosse Liegenschaft neben der Badener Kirche für Blauring und eine weitere in der Allmend in Baden für die Jungwacht. Da trage die Kirchgemeinde auch sämtliche Neben- und Unterhaltskosten. Zudem finanziere man die Kosten für Ausbildungskurse der Jubla-Leiterinnen und -leiter.

Jubla-Lager mit Regenbogen.
Jubla-Lager mit Regenbogen.

«Hinzu kommt, dass wir eine von wenigen Kirchgemeinden sind, die einen Jugendarbeiter zu 100 Prozent angestellt haben», sagt Eglin. Dieser habe die Funktion des Präses, wirke als Bindeglied und könne sich bei Problemen an die Kirchenpflege wenden. «Es ist also nicht so, dass wir nichts machen für die Jugend», so die Kirchenpflegepräsidentin.

Weg vom «Giesskannenprinzip»

Bei den Jubla-Lagerkosten wolle man weg vom «Giesskannenprinzip», biete aber gezielte Unterstützung in Härtefällen, also etwa wenn eine Familie Mühe habe, die Lagerkosten für ihr Kind zu bezahlen. Eglin bestätigt, dass eine vollständige Streichung des Beitrags an die Lagerkosten ab 2026 zur Diskussion steht, hofft aber noch, dass dies abgewendet könne.

Weniger Mitglieder und Steuereinnahmen

Als Grund für die Kürzung des Beitrags an die Jubla-Lagerkosten nennt Eglin die Kirchenaustritte. «Wir haben sehr viele Mitglieder verloren.» Wegen der Medienberichte über Missbrauch oder weil viele Menschen Steuern sparen wollten. Die Kirchgemeinde verlor innerhalb eines Jahrzehnts rund 1300 stimmberechtigte und steuerzahlende Mitglieder (2014: 6662 Personen; 2024: 5325 Personen). Im gleichen Zeitraum gingen die Steuereinkünfte um 462’000 Franken zurück, von 4’800’800 Franken auf 4’338’000 Franken.

«Wir sind nur einer von vielen Fällen. Alle müssen sparen.»

«Wir haben heute einfach weniger Geld zur Verfügung. Und mit weniger Geld kann man nicht dieselben Dienstleistungen erbringen wie früher.» Manche Leute erwarteten indes immer noch die gleichen Leistungen, kritisiert Eglin. Und fügt hinzu, man habe nicht nur bei der Jubla gespart. «Wir mussten überall den Rotstift ansetzen, in der Jugendarbeit, der Seniorenarbeit, in der Kirchenmusik.»

Die Kirchenpflegepräsidentin ärgert sich sichtlich, dass man nun in den Medien «auf uns rumhackt». Sie gibt zu bedenken: «Wir sind nur einer von vielen Fällen.» An vielen anderen Orten müsse auch gespart werden. «Alle müssen sparen, die Kirchgemeinden, die Landeskirchen.»

Ein Einzelfall?

Ob Baden-Ennetbaden ein Einzelfall ist? Die Frage geht an den Dachverband Jubla Schweiz, dem über 400 lokale Scharen angehören. «Wir wissen aktuell nicht von weiteren Fällen, bei denen Kirchgemeinden konkret bei der Jubla sparen», teilt Bundespräses Carole Imboden mit. Und: Grundsätzlich mache man sich «keine Sorgen, dass die katholische Kirche lokal vermehrt bei der Jugendarbeit spart». Sie sei auf allen Ebenen eine wichtige und verlässliche Partnerin der Jubla.

Die kirchliche Unterstützung sei für die lokalen Scharen sehr wichtig, sagt Sascha Antenen, Kommunikationsverantwortlicher bei Jubla Schweiz. Dazu zählten nicht nur finanzielle Beiträge, sondern das Zurverfügungstellen von Räumlichkeiten und Material. «Häufig stelle die Kirchgemeinde den Präses an», so Antenen. Diesbezüglich ist Baden-Ennetbaden keine Ausnahme.

Auch Bund spart bei den Sportlagern

Die Kürzung der Lagerbeiträge durch die Aargauer Kirchgemeinde fällt zusammen mit einer Sparmassnahme, die alle Jugendorganisationen der Schweiz betrifft – sofern sie von Subventionen durch das nationale Sportförderungsprogramm profitieren. Ab 2026 kürzt «Jugend und Sport» unter anderem seine Beiträge an die Durchführung von Lagern um 20 Prozent. Künftig erhalten Lagerorganisationen pro Teilnehmer und Tag statt 16 Franken noch Franken 12.80.

Am Freitag erscheint auf kath.ch ein Interview mit Fabian Karbe zu den Sparmassnahmen. Er ist Scharleiter der Jungwacht Baden.


Beatrice Eglin, Kirchenpflegepräsidentin der Kirchgemeinde Baden-Ennetbaden AG. | © zVg
3. Juli 2025 | 17:00
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