Simone Curau-Aepli, ehemalige Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes.
Schweiz

Kraftvolle Impulse für die Basisarbeit von Laien

Der Schweizerische katholische Volksverein hat eine neue Präsidentin: Sie heisst Simone Curau-Aepli. Die Thurgauer Unternehmerin und Politikerin möchte aus dem traditionsreichen «Männerverein» einen Impulsgeber machen für kirchliche Kreativität.

Stefan Betschon

Simone Curau-Aepli hat sich als Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes Bekanntheit erworben. Nach zwölf Jahren an der Spitze des Frauenbundes trat sie kürzlich zurück. Und jetzt ist sie wieder da: als Präsidentin des Schweizerischen katholischen Volksvereins (SKVV). Was hat sie an der neuen Aufgabe gereizt? Es ist die Möglichkeit, mit den Mitteln des SKVV im kirchlichen Umfeld Vielfalt und Kreativität zu fördern.

Ein christlicher Auftrag

Was ist überhaupt der SKVV? Zweck dieses Vereins ist gemäss den Statuten die finanzielle Unterstützung von Projekten von katholischer oder ökumenisch ausgerichteten Laienorganisationen, die einen christlichen Auftrag verwirklichen wollen.

Was muss man sich darunter vorstellen, was sind das für Projekte? Es sind, so erklärt Curau-Aepli, Projekte wie zum Beispiel die Allianz Gleichwürdig Katholisch (AGK), eine gesamtschweizerische, reformkatholische Organisation, die «für eine gleichberechtigte, glaubwürdige und solidarische römisch-katholische Kirche kämpft».

Impulse für die Projektarbeit

Der Schreibende ist offenbar nicht der erste, der das Kürzel «SKVV» nicht auf Anhieb auflösen kann. Man habe die Kommunikation in der Vergangenheit etwas vernachlässigt, so konzediert Curau-Aepli. Unter ihrer Ägide möchte sie das ändern und nicht nur wie bisher Projekte fördern nach einer «sorgfältigen Prüfung», sondern auch Impulse geben und Anregungen für die Entwicklung von Projekten.

Curau-Aepli könnte sich vorstellen, dass der SKVV einen thematischen Rahmen vorgibt – beispielsweise im Bereich der Friedensarbeit oder im Naturschutz –, um Laienorganisationen bei der Ideenfindung anzuspornen. Sie möchte, so sagt Curau-Aepli, nicht nur Gelder verteilen, sondern «Sehnsüchte wecken».

Eine Frau im Männerverein

Wer will, kann Papst Leo als Ahnherren des SKVV bezeichnen. Nicht der neue Papst, Leo XIV., sondern der gleichnamige Vorgänger, Leo XIII. Dieser Papst veröffentlichte 1891 eine Enzyklika, die mit den Worten «Rerum Novarum» bekannt geworden ist. Das sei die «Mutter aller Sozialenzykliken» behauptet die Wikipedia. Wie auch immer: Es ist eine «Sozialenzyklika», die unter anderem für eine gerechte Entlöhnung der Arbeitenden eintritt.

«Rerum Novarum», so sagt Markus Kappeler, gab der katholischen Laienbewegung in der Schweiz einen «enormen Schub». Kappeler ist als Präsident des SKVV der Vorgänger von Curau-Aeppli. Er wurde 1995 in den Vorstand berufen und übernahm dann 2017 das Präsidium des Vereins, der 1904 aus einem Zusammenschluss verschiedener Katholikenvereine hervorging. Bis 1991, so erinnert sich Kappeler, war der sogenannte Volksverein SKVV ein «reiner Männerverein». Er ist deshalb froh, dass er das Szepter einer Frau übergeben darf.

«Kirche sind wir alle»

Kappeler ist laut eigenen Angaben seit 1980 auf nationaler Ebene für die Kirche tätig, damals als Bundesleiter Jungwacht. Er hat seit dieser Zeit «unglaubliche» Veränderungen in der Kirche miterlebt. Nur die Hierarchie, so moniert er, erwies sich als veränderungsresistent. Man solle zwar stets den Kontakt mit der Kirchenleitung pflegen und das Gespräch mit «den Herren der Katholischen Kirche» suchen, so rät er allen, die sich als Laien ehrenamtlich für die Kirche engagieren. Man müsse aber immer auf das eigene Gewissen hören und selbstbewusst handeln: «Kirche ist weder die Hierarchie noch die staatskirchlichen Gremien. Kirche sind wir alle.»

Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung ruft er allen, die sich als Laien in die Kirche einbringen möchten, zu: «Warten wir nicht auf die Zustimmung von oben. Bewegen wir mutig etwas an der Basis, solange der Schnauf nicht ausgeht. Wir sind das der christlichen Botschaft schuldig. Und gerade die heutige Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, braucht Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung – zentrale christliche Aufgaben, für die sich das Engagement lohnt.»

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Simone Curau-Aepli, ehemalige Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes. | © Regula Pfeifer
27. Juni 2025 | 17:47
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