Antoine Salina, Chorherr der Abtei Saint-Maurice, an Pressekonferenz zum Untersuchungsbericht Missbrauch, 20. Juni 2025.
Schweiz

Missbrauch: Abtei Saint-Maurice bittet um Vergebung und beschliesst Aktionsplan

Eine Untersuchung hat im Umfeld der Abtei Saint-Maurice zahlreiche «Situationen sexueller Gewalt» dokumentiert. Die Chorherren anerkennen ihre Fehler und bitten die Opfer um Vergebung. Mit einem Aktionsplan wollen sie künftig sexuellen Missbrauch und dessen Vertuschung verhindern.

Barbara Ludwig

Am Freitag hat eine Arbeitsgruppe von Historikerinnen und Juristen die Ergebnisse ihrer Recherchen zum Missbrauch im Umfeld der Abtei Saint-Maurice im Wallis publiziert. Der Bericht dokumentiert 67 «Situationen sexueller Gewalt» im Zeitraum von 1960 bis 2024, von der insgesamt 68 Personen betroffen waren. Den Auftrag für die Untersuchung hatte die Gruppe im vergangenen Jahr vom Kloster erhalten.

Abtei anerkennt «systemische Missstände»

Die Abtei zeigt sich «tief erschüttert» über die Ergebnisse und anerkennt ihre Fehler, teilt sie am Freitag in einem Communiqué mit. «Diese gründliche Arbeit bringt schwerwiegende Tatsachen, unerträgliche Verhaltensweisen und systemische Missstände ans Licht, die es ermöglicht haben, dass diese Taten begangen wurden und fortdauerten», schreibt die Kongregation der Chorherren der Abtei Saint-Maurice.

Abtei Saint-Maurice und Umgebung.
Abtei Saint-Maurice und Umgebung.

Man erkenne an, dass es «eine Kultur des Schweigens und der Verharmlosung» gab, die die Fähigkeit zum Zuhören, das Verantwortungsbewusstsein und die Wachsamkeit der Gemeinschaft «geschwächt» habe. Den Opfern von Missbrauch bringen die Chorherren ihr «tiefes Bedauern», ihre «aufrichtige Scham» und ihre Bitte um Vergebung zum Ausdruck.

«Dieser Bericht zwingt uns, der schmerzhaften Realität ins Auge zu sehen.»

An einer Pressekonferenz vom Freitag erklärte Chorherr Antoine Salina gemäss Mitteilung: «Dieser Bericht zwingt uns, der schmerzhaften Realität ins Auge zu sehen, zu hören, was wir nicht hören wollten, und bedingungslos um Vergebung zu bitten.» Es sei eine «Wunde», die alle betreffe, von der aber die Opfer «für immer am meisten betroffen bleiben».

Neues Gremium soll Aktionsplan umsetzen

Die Abtei sei sich der «Mängel ihrer Führung» bewusst und wolle nun einen «tiefgreifenden Wandel» einleiten, schreibt sie. Erreicht werden soll dieser durch einen Aktionsplan. Mit dessen Umsetzung will sie ein neues unabhängiges Gremium beauftragen: eine «Commission de conseil en gouvernance».

Angehören sollen dieser Kommission Laien – und zwar Frauen und Männer –, Ordensmänner und der Abt. Die Leitung wird einem Laien übertragen. Das künftige Gremium wird in fünf Bereichen tätig sein: Kontakt zu den Opfern, Transformation der Führungskultur, Prävention und Ausbildung, Aufarbeitung und Archivzugang sowie Dialog mit der Zivilgesellschaft.

Die Abtei kündigt weiter an, künftig mit den Opferhilfestellen zusammenarbeiten zu wollen.

Professioneller Mediator

Neu will die Abtei einen unabhängigen professionellen Mediator ernennen. «Seine Aufgabe wird der einer Vertrauensperson in einem Unternehmen ähneln und darin bestehen, Personen zu unterstützen, die Probleme mit der Gemeinschaft der Chorherren von Saint-Maurice haben, wie Belästigung, Diskriminierung oder Konflikte.» Der Mediator wird laut Mitteilung befugt sein, alle notwendigen Meldungen zu fördern.

Pflichtenheft für neues Gremium in 100 Tagen

Vor den Medien versicherte Chorherr Antoine Salina, die Abtei solle «kein Ort der Dunkelheit und des Schweigens» mehr sein. Der Aktionsplan werde die Wahrheit ans Licht bringen. «Wir wissen, dass Vertrauen nicht mit Worten zurückgewonnen werden kann. Es wird durch Taten wiederhergestellt», so der Chorherr gemäss Communiqué.

Bis in 100 Tagen will der Rat der Abtei das Pflichtenheft der neuen Kommission erstellen und ihre Mitglieder bestimmen. Die «Commission de conseil en gouvernance» soll ein Mandat von drei Jahren erhalten, das erneuert werden kann. Im Herbst, so kündigt das Kloster an, folgen detaillierte Informationen zum Aktionsplan.

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Antoine Salina, Chorherr der Abtei Saint-Maurice, an Pressekonferenz zum Untersuchungsbericht Missbrauch, 20. Juni 2025. | © Bernard Hallet
20. Juni 2025 | 16:00
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