Vreni Peterer: «Will im Fachgremium einbringen, was Betroffene heute noch verletzt»
Sie ist die Stimme der Betroffenen von Missbrauch im kirchlichen Kontext. Nun ist Vreni Peterer von der Schweizer Bischofskonferenz ins gleichnamige beratende Fachgremium gewählt worden. «Selbstverständlich werde ich mich weiter kritisch äussern», versichert sie.
Regula Pfeifer
Wie ist es für Sie, ins Fachgremium «Missbrauch im kirchlichen Kontext» von SBK/RKZ/Kovos gewählt worden zu sein?
Vreni Peterer*: Ich empfinde es als Weiterführung meines Engagements gegen sexuellen und spirituellen Missbrauch im Umfeld der Kirche. Es ist wichtig, dass Betroffene in diesem Gremium vertreten sind. Ich habe Respekt vor dieser Tätigkeit, da sie mit Erwartungen und Hoffnungen von Betroffenen verbunden sind, die ich wahrscheinlich nicht alle erfüllen kann. Ich werde aber mein Bestes geben.
«Wie ernst die SBK die Betroffenen im Rahmen des Fachgremiums nimmt, wird die Zukunft zeigen.»
Heisst Ihre Wahl auch, dass die Kirchenspitze die Missbrauchsbetroffenen ernst nimmt?
Peterer: Es ist ein wichtiges und notwendiges Zeichen, das die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) aussendet. Wie ernst die SBK die Betroffenen im Rahmen des Fachgremiums nimmt, wird die Zukunft zeigen.
Was haben Sie vor einzubringen in dieses Gremium, das die Kirchenspitze berät?
Peterer: Ich möchte unter anderem einbringen, was Betroffene heute noch verletzt – und wie solche Verletzungen in Zukunft verhindert werden können. Mehr kann ich noch nicht sagen, da eine erste Sitzung mit dem neu zusammengesetzten Fachgremium noch ansteht.
«Es wäre schlimm, wenn ich mich nicht mehr kritisch äussern dürfte.»
Werden Sie sich – trotz dieser Einbindung – weiter kritisch zum Umgang der Kirche mit Missbrauch und Missbrauchsbetroffenen äussern?
Peterer: Selbstverständlich, sonst wäre ich am falschen Platz. Es wäre schlimm, wenn ich das nicht mehr tun würde beziehungsweise nicht mehr tun dürfte!
«Ich vertrete ja Betroffene in diesem Gremium.»
Wird die IG-M!ku Sie dabei unterstützen?
Peterer: Ja, denn es ist ja im Interesse der IG-M!kU, dass ich in diesem Fachgremium mitwirke. Quasi als Bindeglied zwischen den Betroffenen und der Kirche, ich vertrete ja Betroffene in diesem Gremium.
*Vreni Peterer ist Präsidentin der Betroffenenorganisation IG-M!ku und vertritt die Opfer von sexuellem Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche der Deutschschweiz. Sie ist selbst als Mädchen von einem Priester missbraucht worden. An der Pressekonferenz zur Pilotstudie zum sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in der Uni Zürich sprach sie im September 2023 aus Sicht der Opfer. In der Studie sind 1002 Fälle dokumentiert von 1950 bis heute. Das Forschungsprojekt läuft weiter.
Dienststelle Missbrauch und Fachgremium
Die drei kirchlichen Dachorganisationen – Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ) und Vereinigung Katholische Ordensgemeinschaften der Schweiz (Kovos) – führen gemeinsam die Dienststelle «Missbrauch im kirchlichen Kontext». Sie ist auf nationaler Ebene für die Geschäftsführung der Arbeitsgruppe und des Fachgremiums «Missbrauch im kirchlichen Kontext» verantwortlich und wird von Stefan Loppacher geleitet.
Eingeführt haben die SBK, die RKZ und die Kovos die Dienststelle im Mai 2024, als Reaktion auf die Ergebnisse der Pilotstudie zum Missbrauch in der Kirche. Diese löste eine gering dotierte Vorgängerstelle ab, heisst es in einer Mitteilung der RKZ. Die Dienststelle hat die Aufgabe, die kirchlichen Entscheidungsträger von SBK, RKZ, KOVOS bei nationalen Aufarbeitungs- und Präventionsprojekten fachlich zu beraten und nationale Projekte der Prävention und Aufarbeitung zu leiten.
Der Dienstelle angegliedert ist eine Arbeitsgruppe, die aus Vertretungen von SBK, RKZ und KOVOS besteht. Diese koordiniert und leitet die Aktivitäten der katholischen Kirche im Aufgabenfeld der Missbrauchsbekämpfung auf gesamtschweizerischer Ebene. Sie ist für die Dienststelle zuständig.
Das Fachgremium «Missbrauch im kirchlichen Kontext», in dem nun auch die Opfervertreterin Vreni Peterer mitwirkt, besteht bereits seit einigen Jahren und ist ebenfalls an die Dienstelle angegliedert. Darin arbeiten Fachleute aus verschiedenen Disziplinen zusammen und helfen damit bei der Entwicklung von Richtlinien und Konzepten sowie der Evaluation der Massnahmen mit. (rp)
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