Turbulentes Jahr, ruhige GV: Katholisches Medienzentrum gewinnt «Flughöhe»
Von einem Wirbelsturm sprach der Vorstand des Katholischen Medienzentrums, als er über das vergangene Jahr berichtete. Dazu sei «dicker Nebel» gekommen. Seit Anfang Jahr verbessere sich die Situation leicht, gab der Vorstand bekannt. Einige Mitglieder dankten für den Einsatz.
Regula Pfeifer
«Es ist fast ein Jahr her, dass Sie uns in den Vorstand gewählt haben», sagte Livia Leykauf, Co-Präsidentin des Vereins Katholisches Medienzentrum, im Jahresrückblick. Der Anlass fand im Pfarreisaal von St. Peter und Paul in Zürich statt.
«Wir ahnten, dass es ein intensives Jahr wird. Aber so haben wir es nicht erwartet», fügte Leykauf an. Dann bediente sie sich des Bildes eines Piloten: «Es war kein Gegenwind, es war ein Wirbelsturm», welcher den Vorstand darauf ergriffen habe.
Leykauf erwähnte insbesondere Indiskretionen, welche an andere Medien gingen. Daraus sei ein grosses Misstrauen erwachsen. Von Seiten Vorstand hätten in dieser Situation selbst Erfahrung, Optimismus und viel Energie kaum gereicht, um einen echten Wandel einzuleiten.
Ordentliche Übergabe fehlte
An der ausserordentlichen GV letzten Juni traten die bisherigen Vorstandsmitglieder «aus verschiedenen Gründen» zurück, so Leykauf. Der aktuelle Vorstand wurde gewählt. Dieser kämpfte mit einigen Widrigkeiten: «Eine ordentliche Übergabe fand nicht statt. Zum starken Gegenwind kam auch noch ein zäher Nebel.» Doch langsam gewinne das Katholische Medienzentrum wieder «Flughöhe».
Zu bewältigen gab es drei Gerichtsfälle, die gegen kath.ch angestrengt worden waren. Einer davon wurde 2024 mit einem Vergleich beigelegt, zwei waren Ende Jahr noch offen. «Sind die betroffenen Personen der Redaktion ausreichend geschützt?», fragte jemand aus dem Publikum. «Wir haben eine Rechtsversicherung und eine Anwältin, die auch Betroffene mitvertreten kann. Es gibt von unserer Seite eine Begleitung», antwortete Hermann Herburger vom Vorstand darauf.
Personelle Wechsel
2024 kam es zu vielen Personalwechseln, so verliessen der langjährige Direktor Charles Martig und später sein Nachfolger Christian Maurer das KMZ. Aktuell führt Nadia Omar die Geschäfte ad interim. Auch bei den übrigen Angestellten gab es einige Wechsel und personelle, teils krankheitsbedingte Ausfälle.
«So viel Wechsel schaffen Unruhe», sagt Leykauf. «Umso mehr möchte ich den Mitarbeitenden von kath.ch danken, die im Stillen den Redaktionsbetrieb am Laufen hielten.»
Die Leistungen
Das waren – per Ende 2024 – 15 Mitarbeitende. «2024 wurde gute Arbeit geleistet», so Leykauf. Die Newsredaktion von kath.ch publizierte knapp 2000 Beiträge zu verschiedensten Themen. Täglich erhielten 612 Abonnentinnen und Abonnenten den aktuellen Medienspiegel (Stichtag Ende 31.12.2024).
Die Podcast-Redaktorin erstellte 26 rund halbstündige Sendungen über Religion, Ethik und Gesellschaft. Die Videojournalistin produzierte 26 Videos in den Serien «so geht katholisch», «Feiertage erklärt» und «Laudato si: Umwelt und Nachhaltigkeit». Kath.ch produzierte gemeinsam mit Schweizer Radio und Fernsehen SRF vier Radio- und TV-Gottesdienste mit je rund 135’000 Zuhörenden und Zusehenden und zwei Radiogottesdienste mit durchschnittlich je 113’000 Zuhörenden. Das technische Team betreute das Hosting von 75 Domains.
Die Jahresrechnung präsentierte Nadia Omar, Direktorin ad interim. Demnach war der Ertrag im letzten Jahr tiefer als budgetiert. Nämlich 1,868 Millionen statt 1,98 Millionen Franken. Der Aufwand demgegenüber war etwas kleiner als vorausgesehen, nämlich 1,91 Millionen statt wie budgetiert 1,96 Millionen Franken. Das wirkte sich leicht ausgleichend aus. Insgesamt ergab das ein Betriebsergebnis von rund minus 46’000 Franken. Nach Auflösung von dafür vorgesehenen Rückstellungen, resultierte ein Aufwandüberschuss von 22’000 Franken.
Weniger Inserate, weniger Schulungen
Zu den Gründen für den Rückgang der Einnahmen äusserte sich Nadia Omar: «Bei den Stelleninseraten konnte 2024 ein Rückgang festgestellt werden.» Da seitens kath.ch im letzten Jahr kaum Schulungen und Beratungen stattfanden, fehlten auch dort – wie bei den Stelleninseraten – rund 22’000 Franken. «In Werbung und Marketing können wir mehr investieren», so Omar.
Einnahmen generieren auch die technischen Dienste von kath.ch. Da aber 2024 die anderen katholischen Medienzentren in Lugano und Lausanne die Zusammenarbeit kündeten, fehlten auch hier mehr als 20’000 Franken.
Da sich nicht nur die Einnahmen, sondern auch der Aufwand verringerte – insbesondere bei der Produktion und bei den Lohnkosten aufgrund von Vakanzen – glich sich die Rechnung leicht aus.
Sparpläne
Sparen wird das Medienzentrum fortan bei den Fixkosten: Es ist ein Umzug geplant, der zu geringeren Mietkosten führen wird. Ein Wechsel des Treuhandbüros spart Ausgaben ein. Zudem wird die Buchhaltung fortan inhouse erledigt, was die Kosten ebenfalls reduziert. Die zuständige Direktionsassistentin erhielt spontanen Applaus.
Bezüglich Personalien ist der Vorstand weiterhin aktiv. Mit Stefan Betschon hat im Mai ein neuer Redaktionsleiter bei kath.ch angefangen. Das Bewerbungsverfahren für einen neuen Direktor oder eine neue Direktorin läuft weiter, wie Nadia Omar ausführte.
An der GV wurden weiter einige Punkte der Statuten geändert, fast alle einstimmig. Kritische Einwände von Mitgliedern nahm der Vorstand auf und setzte diese mehrheitlich um.
Mehrere der anwesenden Vereinsmitglieder äusserten ihren Dank an den Vorstand und ans Team für die geleistete Arbeit. Darunter auch Cyrill Bischof, Kirchenratspräsident der Katholischen Kirche im Thurgau und Vertreter der Römisch-katholischen Zentralkonferenz (RKZ) sowie der Fachgruppe Zwei, die sich um die Finanzierung nationaler Aufgaben – wie der Medienzentren – kümmert.
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