Von Maria Magdalena bis zur liturgischen Bildung: Papst Franziskus und die Liturgie
Papst Franziskus, der am Ostermontag verstorben ist und am Samstag begraben wurde, widmete sich verschiedenen Themen, unter anderem auch der Liturgie. Eine tiefgehende Analyse all seiner Worte, Taten und Dokumente zur Liturgie ist bereichernd.
Davide Bordenca*
Sein programmatisches Dokument erschien einige Monate nach seiner Wahl zum Papst: das Apostolische Schreiben «Evangelii Gaudium» (26. November 2013).
Darin nimmt Franziskus mehrfach Bezug auf die Liturgie – etwa auf die enge Verbindung zwischen Evangelisierung und Liturgie («Evangelii Gaudium» 24) oder auf die Homilie, also die Predigt an Sonn- und Hochfesten, als Ereignis des Dialogs zwischen Gott und den Menschen während der Feier («Evangelii Gaudium» 137–138): «Die freudige Evangelisierung wird zur Schönheit in der Liturgie inmitten der täglichen Anforderung, das Gute zu fördern. Die Kirche evangelisiert und evangelisiert sich selber mit der Schönheit der Liturgie, die auch Feier der missionarischen Tätigkeit und Quelle eines erneuerten Impulses zur Selbsthingabe ist.» («Evangelii Gaudium» 24).
Verstorbene Christen heilig gesprochen
Franziskus sprach verstorbene Christinnen und Christen heilig oder selig, was nicht überrascht, nachdem bereits Johannes Paul II. zahlreiche neue Heilige und Selige als Vorbilder für die Kirche hervorgehoben hatte.
Interessant ist jedoch, dass Franziskus auch frühchristlichen Gestalten besondere Aufmerksamkeit widmete: So erhob er beispielsweise 2016 Maria Magdalena zur «Apostelin der Apostel» und stufte gleichzeitig ihren Gedenktag liturgisch zu einem Festtag herauf.
Die liturgische Erneuerung fortsetzen
Im Jahr 2017 äusserte sich der Papst mündlich zur liturgischen Erneuerung, die durch die liturgische Bewegung und die Konstitution «Sacrosanctum Concilium» – das Dokument über die heilige Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils – angestossen worden war.
Dank des Motu proprio «Magnum Principium» (3. September 2017) und des Dekrets der damaligen Liturgiekongregation «Postquam Summus Pontifex» (22. Oktober 2021) können die Bischofskonferenzen die auf Latein veröffentlichten liturgischen Bücher schneller und eigenständiger in die jeweilige Landessprache übersetzen.
Übersetzung in die Muttersprache entscheidend
Franziskus betont dabei, dass die Übersetzung in die Muttersprache entscheidend sei und auf verschiedenen Ebenen beruhe: «Ziel der Übersetzung sowohl der liturgischen als auch der biblischen Texte für den Wortgottesdienst aber ist es, das Wort des Heils den Gläubigen zu verkünden, damit den Gehorsam im Glauben zu fördern und das Gebet der Kirche zum Herrn auszudrücken.
Zu diesem Zweck muss einem bestimmten Volk durch dessen eigene Sprache das vermittelt werden, was die Kirche einem anderen Volk durch die lateinische Sprache mitteilen wollte. Obwohl die Treue nicht immer anhand der einzelnen Worte beurteilt werden kann, sondern vielmehr aus dem Kontext der gesamten Mitteilungshandlung und entsprechend der eigenen literarischen Gattung, sind dennoch einige besondere Ausdrücke auch im Zusammenhang mit dem unversehrten katholischen Glauben zu sehen, weil jede Übersetzung von liturgischen Texten mit der gesunden Lehre im Einklang stehen muss.» («Magnum Principium»)
Beide unter dem Pontifikat von Franziskus verabschiedeten Dokumente haben den Übersetzungsprozess in verschiedenen Ländern und Sprachregionen erleichtert oder überhaupt erst ermöglicht.
Die Präsenz des Volkes Gottes in der Liturgie
Franziskus setzte sich stets dafür ein, die Laien stärker in die Liturgie einzubeziehen – im Sinne eines zentralen Leitwortes aus «Sacrosanctum Concilium: actuosa participatio», die tätige Teilnahme aller Gläubigen. Besonders im Jahr 2021 wurde dieses Anliegen durch zwei Dokumente konkretisiert. Mit dem Motu proprio «Spiritus Domini» (10. Januar 2021) eröffnete Franziskus Frauen den Zugang zu den Diensten des Lektorats und des Akolythats. Mit «Antiquum Ministerium» (10. Mai 2021) erkannte er die Rolle der Katechetin bzw. des Katecheten – die nicht einfach identisch ist mit dem Deutschschweizer Berufsbild – offiziell als eigenen Dienst an.
Zudem betonte Franziskus seine Sorge um eine Liturgie, die zur Einheit aller Gläubigen führt. Das Motu Proprio «Traditionis Custodes» (16. Juli 2021) schränkt den Gebrauch der römischen Liturgie in der Form vor der Reform von 1970 ein. Bereits in den ersten Zeilen des Dokuments formuliert der Papst sein pastoralliturgisches Anliegen, das im Hören auf andere Bischöfe und im Dialog mit weiteren kirchlichen Institutionen gewachsen ist: «Nachdem ich nun die von den Bischöfen geäusserten Wünsche erwogen und die Meinung der Glaubenskongregation gehört habe, ist es meine Absicht, mit diesem Apostolischen Schreiben in der beständigen Suche nach der kirchlichen Gemeinschaft weiter fortzuschreiten.» («Traditionis Custodes»)
Liturgische Bildung des Volkes Gottes
Der Papst setzte seinen Fokus auf die Liturgie fort – überraschenderweise mit einem breiten Schreiben über die liturgische Bildung des Volkes Gottes. Das Apostolische Schreiben «Desiderio desideravi» (29. Juni 2022) bringt das grosse Anliegen von Franziskus zum Ausdruck, eine liturgische Bildung zu fördern, die zu einer bewussten, guten und schönen Feier des Gottesdienstes führt:
«Ich denke, wir können zwei Aspekte unterscheiden: die Bildung zur Liturgie hin und die Bildung von der Liturgie her. Die Erste steht im Dienst der Zweiten, die wesentlich ist.» («Desiderio desideravi» 34)
Für eine synodale Kirche
Schliesslich berief Franziskus die Bischofssynode 2021-2024 Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe, Sendung, um im Geist der Synodalität – durch gemeinsames Sprechen, Zuhören und Handeln auf verschiedenen Ebenen – die zentralen Themen der Kirche zu beraten und zu entscheiden.
Das Abschlussdokument verweist mehrfach auf die Liturgie und insbesondere auf die Eucharistie als «Quelle der Gemeinschaft und der Einheit» (Nr. 16). Dieser programmatische Begriff, in dem sich der enge Zusammenhang von Kirche und Liturgie spiegelt, kann als bleibendes Erbe des Pontifikats von Franziskus gelten. Heute und in den kommenden Jahren sind das pilgernde Gottesvolk und alle an der Liturgie Interessierten aufgerufen, dieses Programm weiter zu vertiefen und konkret umzusetzen.
*Davide Bordenca (42) ist Mitarbeiter am Liturgischen Institut der deutschsprachigen Schweiz. Der gebürtige Sizilianer studierte Theologie an der Universität Luzern.
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