Menschenschlange auf Petersplatz: Papst Franziskus nach Überführung aufgebahrt
Es ist ein uralter Ritus: Der tote Papst wird öffentlich aufgebahrt, die Menschen können ein letztes Mal von ihm Abschied nehmen. Zuvor wurde er in einer feierlichen Zeremonie in den Petersdom überführt. Nun verabschieden sich Zehntausende von ihm.
Fast zehn Meter breit und hunderte Meter lang ist die Menschenschlange, die sich seit Mittwochvormittag vor dem Eingang des Petersdoms gebildet hat. Tausende Menschen warten bei frühsommerlichen Temperaturen darauf, in die grösste Kirche der Welt zu gelangen, um von Papst Franziskus Abschied zu nehmen.
Manche haben bunte Schirme zum Schutz gegen die Sonne aufgespannt, fast alle – mit Ausnahme der Geistlichen und der Ordensleute in ihren Gewändern – tragen Freizeitkleidung. Als nach der feierlichen Zeremonie im Inneren des Petersdoms mit viel Weihrauch und lateinischen Gesängen endlich die Absperrungen geöffnet wurden, gab es zunächst kleinere Unregelmässigkeiten. Einzelne kletterten über Absperrungen, um sich einen früheren Zugang zu sichern. Doch schon bald zog der Strom in geordneten Bahnen ins Innere der Kirche.
Im offenen Sarg aufgebahrt
Papst Franziskus ist seit Mittwochmorgen vor dem Hauptaltar des Petersdoms in einem offenen Sarg aufgebahrt. Zuvor war der Verstorbene in einer feierlichen Zeremonie von der benachbarten Kapelle in seinem Wohn- und Sterbehaus Santa Marta in die grösste Kirche der Christenheit überführt worden. Während der Überführung läutete die grosse Totenglocke des Petersdoms, die nur beim Tod eines Papstes geläutet wird.
Nach der feierlichen Liturgie in lateinischer Sprache, die der Camerlengo Kardinal Kevin Farrell leitete, nahmen zunächst die Kardinäle, zahlreiche Bischöfe, Priester und Ordensleute sowie die Angestellten des Vatikans von ihm Abschied. Unter ihnen war auch sein persönlicher Pfleger Massimiliano Strappetti, der ihn in den letzten Wochen seines Lebens stets begleitet hatte.
Menschenschlange über den Petersplatz hinaus
Danach strömten Zehntausende Menschen, die während der Zeremonie draussen auf dem Petersplatz gewartet hatten, in die Kirche. Schon wenige Minuten später bildete sich eine lange, breite Menschenschlange über den gesamten Platz und darüber hinaus.
Zu den ersten Frauen am Sarg zählte die vom Papst noch auf seinem Krankenbett zur Vatikan-Gouverneurin ernannte Ordensfrau Raffaella Petrini. Unter den Trauernden war auch der persönliche Pfleger des Papstes, Massimilano Strappetti. Er war unter den wenigen Menschen, die den Papst am frühen Montagmorgen in seiner Wohnung in Santa Marta im Sterben begleitet hatten.
Diskretere Form der Aufbahrung
Ähnlich wie zuvor die Vatikan-Angestellten haben nun auch die Menschenmassen, die seither am offenen Sarg vorbeiziehen, nur kurz Gelegenheit, einen Blick auf den Leichnam zu werfen. Anders als seine Vorgänger liegt Franziskus nicht gänzlich offen auf Kissen aufgebahrt auf einem Katafalk, sondern halb verdeckt in einem Holzsarg.
Sein teilweise lädiertes Gesicht ist nur aus einigen Metern Entfernung zu sehen, rings um den Sarg sorgen Absperrungen dafür, dass sich niemand zu sehr nähert. Damit der Strom der Abschiednehmenden nicht lange ins Stocken kommt, sorgen Ordner dafür, dass es immer zügig weitergeht.
Wer einen Moment des Gebets oder des stillen Gedenkens sucht, kann ihn an einem anderen Ort in der riesigen Basilika finden. Zwischendurch können auch immer wieder Staatsgäste und andere Prominente, die durch separate Eingänge kommen, zum Sarg vorgelassen werden. Sie stören dann aber den Pilgerstrom nicht, sie nähern sich von der Seite dem aufgebahrten Papst.
Berührungen des Sargs nicht möglich
Um den Sarg im Petersdom sorgen Absperrungsseile dafür, dass niemand dem Leichnam zu nahe kommen kann; Berührungen des Sarges als Abschiedsgeste sind nicht möglich. Während der dreitägigen Aufbahrung wird der Petersdom bis spät in den Abend geöffnet sein: am Mittwoch und Donnerstag bis Mitternacht, am Freitag bis 19 Uhr. Für Samstagmorgen ist die feierliche Trauermesse auf dem Petersplatz vorgesehen.
Einige Trauernde hatten bereits am Montag und Dienstag Gelegenheit, während der ersten Aufbahrung des Papstes an seinem Sterbeort im Gästehaus Santa Marta von ihm Abschied zu nehmen. Die Prominentesten unter ihnen waren am Dienstag der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella, Senatspräsident Ignazio La Russa, Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri und der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni. Dieser hatte noch wenige Tage zuvor mit dem Papst ein letztes Mal Ostergrüsse ausgetauscht.
Die Beisetzung erfolgt nach einer weiteren Überführung am Samstagnachmittag in der Papstbasilika Santa Maria Maggiore im Zentrum Roms. Franziskus hatte schon vor Jahren verfügt, dass er in seiner Lieblingskirche bestattet werden wollte. (kna)
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