«Leo XIII»: Mittels eines neuen Kartenspiels globale Probleme der Welt lösen
Poker, UNO, Jassen: Kartenspiele dienen meist der geselligen Unterhaltung oder des spielerischen Nervenkitzels. Nun gibt es ein päpstliches Kartenspiel, bei dem sich sogar sozialethisches Handeln erlernen lässt.
Wolfgang Holz
Wenn die Worte Ethik oder Moral in einer Diskussion auf den Tisch kommen, wird es meist schwierig. Denn dann wird für Handlungen aller Art plötzlich die Messlatte ganz hoch angesetzt. Nicht selten wirken die dabei eingeforderten ethischen oder moralischen Standards allerdings utopisch – angesichts der oft frustrierenden Tatsachen im real existierenden Leben.
Moral und Ethik braucht es
Doch ganz ohne Ethik und Moral scheint es auch nicht zu gehen. Denn Politik, Menschen und Gesellschaften brauchen zumindest gewisse ethische Richtwerte. Sonst geht die Welt schon im Ansatz zu Bruch.
Traditionelle Hüter von Ethik und Moral sind die Kirchen – die allerdings durch Missbrauchsskandale und den zunehmenden Aderlass an Gläubigen an Legitimität eingebüsst haben. Wobei schon allein die Aufforderung von Jesus: «Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst» und deren globale Erfüllung praktisch schon ausreichen würde, um für eine bessere Welt zu sorgen.
Päpste und ihre Enzykliken
Es verwundert andererseits nicht, dass die Päpste als Oberhäupter der katholischen Kirche über die Jahrhunderte hinweg immer wieder moralische Standards in Form von Enyzkliken eingefordert haben. «Dilexit nos» – «Er hat uns geliebt» von Papst Franziskus über die menschliche und göttliche Liebe des Herzens Jesu Christi ist das jüngste Beispiel dieser Art.
Vor über 130 Jahren machte Papst Leo XIII. auf gesellschaftliche Missstände während der Industrialisierung aufmerksam. Mit seiner legendären Arbeiter-Enzyklika «Rerum novarum» setzte er sich für mehr Gerechtigkeit zugunsten der Arbeitnehmenden ein.
Immer mehr Menschen leben in Armut
Eine Enzyklika, die heute aktueller denn je erscheint – bedenkt man etwa, wie Menschen um ihre Arbeitsplätze und ihre Existenz fürchten müssen. Ganz zu schweigen von ständigen Kostenteuerungen und von wirtschaftlichen Konsequenzen des globalen Kapitalismus, die immer mehr Menschen in die Armut treiben.
Im neuen Kartenspiel «Leo XIII» bekämpfen die Spielerinnen und Spieler solche und andere Dilemmata mithilfe der katholischen Soziallehre, die sich auf universelle Prinzipien wie Menschlichkeit und Solidarität beruft. «Mit Leo XIII wollen wir die Spielenden für die Prinzipien der katholischen Soziallehre sowie die Tugenden ethischen Handelns sensibilisieren», erklärt Thomas Wallimann, Sozialethiker am Institut »Ethik22», gegenüber kath.ch.
Zum KAB-Jubiläum ein Kartenspiel
Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der KAB Schweiz hat Wallimann das Kartenspiel «Leo XIII» entwickelt, gemeinsam mit sechs professionellen Spielentwicklern des kirchlichen Jugendtreffs »Gamers Point», Mitarbeitenden der christlichen Sozialbewegung St. Gallen KAB SG sowie des Instituts «Ethik22».
«Leo XIII» ist ein Spiel für Familie, für den Unterricht und für die Jugendarbeit. Das Ziel des Spiels ist es, Menschen für die Prinzipien der katholischen Soziallehre und die Tugenden ethischen Handelns zu sensibilisieren und sie damit vertraut zu machen. Auf unterhaltsame Weise soll gezeigt werden, wie diese Prinzipien zu einer gerechteren Welt beitragen können.
Ein bisschen wie UNO
Dabei erinnert «Leo XIII» tatsächlich ein wenig an den Kartenspiel-Klassiker UNO. Dabei argumentieren die Spielenden im Wettkampf untereinander mit Argumenten der katholischen Soziallehre und versuchen mit diesen die diesbezüglich drängenden Probleme dieser Welt zu lösen.
Auch wenn die Solidarität und gemeinschaftliches Handeln für das Gute im Zentrum stehen, so versuchen sich doch alle Spielenden als möglichst erfolgreiche Streiter für die katholische Soziallehre darzustellen, um den Platz auf dem Siegerthron zu ergattern, nach dem Vorbild von Papst Leo XIII. im roten Gewand auf dem Papstthron, welcher im Jahr 1891 die Grundlagen für die katholischen Soziallehre legte.
Herausforderungskarten für globale Probleme
Zu Beginn des Spiels werden Herausforderungskarten ausgelegt, die globale Probleme wie etwa fehlende Bildung oder den Zugang zu Trinkwasser symbolisieren. Diese Herausforderungen müssen mithilfe der fünf Prinzipien der katholischen Soziallehre gelöst werden: Gerechtigkeit, Hilfe zur Selbsthilfe, Ökologie, Menschlichkeit und Solidarität. Die Prinzipien sind auf farbigen Zahlenkarten dargestellt.
Im Spielverlauf legen die Spielenden Zahlenkarten ab, um die katholische Soziallehre in die Diskussion einzubringen. Höhere Zahlen repräsentieren stärkere Argumente. Ziel ist es, alle Karten abzulegen und dabei möglichst wenige Strafpunkte zu sammeln.
Person mit den wenigsten Strafpunkten gewinnt
Strafpunkte gibt es, wenn Karten nicht gespielt werden. Denn sinnbildlich steht dieses Verhalten dafür, dass jemand die Argumente der katholischen Soziallehre nur im Kopf hat und nicht in eine Debatte einbringt. Am Ende gewinnt die Person mit den wenigsten Strafpunkten, die die Prinzipien der katholischen Soziallehre am besten angewendet hat.
«Das Spiel behandelt zentrale ethische Fragen unserer Zeit», sagt Thomas Wallimann gegenüber kath.ch. «Jede Karte regt zu einer Diskussion über gesellschaftliche Herausforderungen an.» Neben den pädagogischen Vorteilen habe Leo XIII noch einen weiteren, erfreulichen Aspekt: Wallimann: «Es macht grossen Spass, sich mit den globalen Herausforderungen zu beschäftigen und nach einer gerechteren Welt zu streben.»
*Das Spiel «LEO XIII» kostet pro Exemplar 20 Franken plus 8,50 Franken Versandkosten pro Bestellung und kann bei der KAB Schweiz geordert werden.
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