Schwester Andrea Fux, Kommunikationsverantwortliche des Klosters Mariazell Wurmsbach
Schweiz

Kloster Mariazell Wurmsbach zum Vorwurf «spiritueller Machtmissbrauch»

Die konvertierte Katholikin Sara Kissling hat fünf Jahre im Kloster Mariazell Wurmsbach gelebt. Nun wirft sie den Ordensfrauen «spirituellen Machtmissbrauch» vor. Die Kommunikationsverantwortliche sagt, das Kloster nehme Rückmeldungen ernst.

Regula Pfeifer

Sara Kissling hat im Kloster Mariazell Wurmsbach in Rapperswil-Jona das Ordensleben kennen gelernt. Nach fünf Jahren trat sie wieder aus. «In der Gemeinschaft gibt es grosse Probleme, und alle paar Jahre kommen dieselben Dynamiken zum Tragen», sagt sie nun drei Jahre später im Podcast «Laut + Leis» von kath.ch.

Verletzungen und «Nie-ganz-Dazugehören»

Als Beispiele für demütigende Erfahrung erzählt sie da: «Dieses Nie-ganz-Dazugehören, auch Informationen nicht zu erhalten und immer wieder gesagt zu bekommen und zu spüren: ‹Das steht dir als Jüngste nicht zu.›» Sie habe kaum mitgestalten dürfen, und es sei zu verletzenden Äusserungen gekommen.

Sara Kissling
Sara Kissling

Sara Kissling konvertierte Mitte 30 von der evangelisch-reformierten zur römisch-katholischen Kirche und studiert Theologie in Chur.

Kath.ch hat beim Kloster um eine Stellungnahme zum Vorwurf «Machtmissbrauch» angefragt. Dafür bedankt sich die Kommunikationsverantwortliche, Schwester Andrea Fux. Sie teilt allerdings mit: Zum konkreten Fall könne das Kloster «aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht konkret Stellung nehmen».

Kloster bedauert negative Erinnerungen

Schwester Andrea äussert zuerst – im Namen der Klostergemeinschaft – ihr Bedauern: «Es tut uns leid, wenn Frauen, die im Laufe ihrer Probezeit das Kloster wieder verlassen, negative Erinnerungen mitnehmen. Wir werden auch in Zukunft, wie bereits in der Vergangenheit, Rückmeldungen ernst nehmen und, durch Fachpersonen begleitet, Lernschritte machen.»

Schwester Andrea Fux mit einem Gast der «Auszeit für junge Menschen» im Kloster Wurmsbach
Schwester Andrea Fux mit einem Gast der «Auszeit für junge Menschen» im Kloster Wurmsbach

Laut der Ordensfrau haben Frauen, die noch nicht lange im Kloster leben, tatsächlich noch nicht alle Rechte: «In der langjährigen Probezeit kann eine Schwester ihre Gedanken und Vorschläge einbringen, jedoch hat sie noch nicht in alle Belange des Klosters vollumfänglich Einsicht und ist noch nicht stimmberechtigt.»

Berufung prüfen in der Probezeit

Die Klostergemeinschaft habe in dieser Phase «die Verantwortung abzuklären, ob eine Person für das Ordensleben geeignet ist. Die Probezeit dient der Prüfung einer Berufung, sowohl seitens der Interessentin wie auch seitens der Gemeinschaft», so Schwester Andrea Fux.

Das Kloster Mariazell-Wurmsbach ist eine Zisterzienserinnen-Abtei und liegt beim Dorf Bollingen am Ufer des Zürichsees im Kanton St. Gallen.
Das Kloster Mariazell-Wurmsbach ist eine Zisterzienserinnen-Abtei und liegt beim Dorf Bollingen am Ufer des Zürichsees im Kanton St. Gallen.

Grundsätzlich gelte für das Klosterleben: «Damit das (klösterliche) Gemeinschaftsleben gelingt, sind eine Struktur und Regeln nötig.» Dabei sei «die Meinung aller Schwestern, auch der Schwestern in der Probezeit, stets gefragt.» Diese könnten in Gesprächen in unterschiedlichen Konstellationen eingebracht werden.

Ausserdem hätten «alle Schwestern die Möglichkeit, über ihre Erfahrungen mit externen Ansprechpersonen im Gespräch zu sein».

Konflikte selbstverständlich

Dass auch im Kloster Mariazell Wurmsbach nicht immer nur Frieden und Freude herrscht, gibt die Ordensfrau zu. «Selbstverständlich gibt es auch im Kloster menschliche Grenzen, Konflikte und schwierige Situationen.» Doch damit könne die Gemeinschaft umgehen: «Wir sind der Meinung, dass wir in Offenheit und Achtsamkeit als lernende Gemeinschaft unterwegs sind.»

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Schwester Andrea Fux, Kommunikationsverantwortliche des Klosters Mariazell Wurmsbach | © Vera Rüttimann
14. September 2024 | 17:15
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