Joseph Maria Bonnemain an der Pressekonferenz zum Verhaltenskodex zum Umgang mit Macht
Schweiz

Knatsch mit Loppacher und Churer Priesterkreis: Was seit der Missbrauchs-Pilotstudie im Bistum Chur passierte

In den Monaten nach der Publikation der Missbrauchsstudie dominierten die Personalie Stefan Loppacher und der Konflikt mit dem Churer Priesterkreis die mediale Berichterstattung zum Bistum Chur. Wie viele Meldungen zu Missbrauch seit Mitte September 2023 eingegangen sind, bleibt offen. Ein Beitrag zur Serie «Ein Jahr nach der Missbrauchs-Pilotstudie».

Barbara Ludwig

Die Personalie Stefan Loppacher ist abgehakt. Im Mai wurde bekannt, dass der Präventionsbeauftragte des Bistums Chur, seine Stelle per Ende August gekündigt hat. Als Grund wurden in der Medienmitteilung «unterschiedliche Auffassungen über die Ausgestaltung der diözesanen Präventionsstelle» angegeben.

Stefan Loppacher an einer Diskussion in der Paulus-Akademie über Missbrauch in der Kirche
Stefan Loppacher an einer Diskussion in der Paulus-Akademie über Missbrauch in der Kirche

Etwas deutlicher wurde gegenüber kath.ch Simon Spengler, Leiter Kommunikation bei der Katholischen Kirche im Kanton Zürich: «Loppacher kämpfte immer für mehr Unabhängigkeit der Präventionsstelle, während Bischof Bonnemain diese immer in der Verantwortlichkeit des Bischofs gesehen hat.» Mehr Licht ins Dunkel wollte Loppacher selbst nicht bringen.

Zwei Frauen übernehmen die Präventionsstelle

Der Schritt kam indes nicht überraschend. Im Januar hatte kath.ch berichtet, der Priester sei nach provokanten Äusserungen, seiner öffentlich kommunizierten Abkehr vom Glauben und seinem Bekenntnis zu seiner Partnerin in Kritik geraten. Loppacher bleibt seinem Arbeitsgebiet jedoch treu: Er wird die Leitung der künftigen nationalen Dienststelle «Missbrauch im kirchlichen Kontext» übernehmen.

Seine Nachfolge im Bistum Chur – und auch diejenige von Karin Iten, die bereits 2023 als Präventionsbeauftragte gekündigt hatte – übernehmen ab Oktober Dolores Waser Balmer, die sich im Bistum St. Gallen während mehreren Jahren im Bereich Prävention engagierte, sowie die Theologin Elena Furrer. Die Präventionsstelle ist weiterhin mit 100 Stellenprozenten ausgestattet, aufgeteilt in zwei 50-Prozent-Pensen.

Kapitulation beim Churer Priesterkreis

Auch im Konflikt um den Verhaltenskodex zeigte sich, dass im Bereich Missbrauchsprävention nicht immer alles rund läuft. Der Churer Priesterkreis, rund 40 konservative Geistliche, verweigerte von Anfang an die Unterschrift unter das Dokument, das im April 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Insbesondere die Artikel zur Sexualmoral sind dem Priesterkreis ein Dorn im Auge.

Unterdessen hat Bischof Joseph Bonnemain kapituliert. Im November wurde bekannt, dass er dies toleriert mit dem Argument, die Priester würden 98 Prozent der Verhaltensregeln akzeptieren.

Anzahl Meldungen offen

Im März meldete die Nachrichtenagentur Keystone-SDA, 21 Opfer sexuellen Missbrauchs hätten sich an das diözesane Fachgremium oder direkt an den Bischof gewandt. Fast alle Fälle lagen in der Vergangenheit – gelegentlich bis 70 Jahre zurück. Ein Fall war demnach aktuell.

Joseph Henfling erhebt schwere Vorwürfe - auch gegen einen Churer Priester.
Joseph Henfling erhebt schwere Vorwürfe - auch gegen einen Churer Priester.

Im Winter ergriff Bonnemain im Fall des Priesters Andreas (Pseudonym, Name der Redaktion bekannt) Schutzmassnahmen. Diesem wird von Joseph Henfling sexueller Missbrauch vorgeworfen. Am 30. November eröffnete der Bischof eine kanonische Voruntersuchung.

Offen bleibt, wie viele Meldungen zu Missbrauch seit Mitte September 2023 insgesamt beim Bistum Chur eingegangen sind. Aktuelle Zahlen hat kath.ch auf Anfrage nicht erhalten. Auf die Frage, welche Präventionsmassnahmen seither im Bistum umgesetzt wurden, gab es ebenfalls keine Antwort.

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Joseph Maria Bonnemain an der Pressekonferenz zum Verhaltenskodex zum Umgang mit Macht | © Christian Merz
7. September 2024 | 17:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
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