Können Mönche den Priestermangel in den Pfarreien auffangen?
Der Priestermangel plagt die katholische Kirche seit Jahrzehnten. Längst nicht jede Pfarrei hat mehr einen eigenen Pfarrer. Könnten Mönche aus den Klöstern die Lücke füllen? Was zwei Benediktiner-Äbte von der Idee halten.
Wolfgang Holz
Seit dem Mittelalter versorgen Klöster die Menschen nicht nur mit Bier und Wein. Sie waren auch die idealen Katalysatoren, um den christlichen Glauben und die christliche Kultur dem Volk nahezubringen. Um der Religiosität der Menschen eine Struktur zu geben. Vor allem auf dem Land. Auch heutzutage üben Klöster für viele noch eine magische Anziehungskraft aus – was etwa die zahlreichen Pilger beweisen. Oder das hervorragende Image der klösterlichen Schulen.
Wäre es da in einer Situation, in der die katholische Kirche Nachwuchssorgen umtreiben, nicht eine mittelfristige Lösung, Mönche in der Umgebung von Klöstern notfalls noch stärker in die Seelsorge von Pfarreien miteinzubinden? Klar, auch Klöster leiden unter Nachwuchsproblemen. Aber in den Benediktinerabteien der Schweiz gibt es noch Personal. Im Kloster Einsiedeln leben derzeit beispielsweise noch rund 45 Mönche – von denen aber nicht alle Priester sind. Dennoch: Qualifizierte Geistliche, die möglicherweise noch über Kapazitäten verfügen. Oder nicht?
Wortgottesdienste eine Antwort auf das Ist
Abt Christian Meyer vom Kloster Engelberg macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. «Als Abt geht das nicht, und die Aufgaben mit Kloster, Schule, Kamerun, Frauenklöster sind genug Last, aber auch Freude. Es scheint mir, dass es keine gute Idee ist, die Löcher in den Pfarreien mit Mönchen zu stopfen», erklärt er schnell gegenüber kath.ch.
Neue Wege wagen
Aus seiner Sicht gibt es in den Pfarreien Wortgottesdienste, oder man versuche solche mit und ohne Kommunionsfeier einzuführen. «Dies ist eine Antwort auf das Ist unserer kirchlichen Situation, in der wir stehen. Und darum müsste Rom handeln und neue Wege wagen, wie die Apostelgeschichte es uns schon aufzeigt «, schlägt Abt Christian vor.
Mitbrüder werden vor Ort gebraucht
Zudem ist er überzeugt, dass man die 18 Mitbrüder vor Ort brauche, «sonst können wir im Kloster die Liturgie auch nicht mehr gewährleisten.» Denn Liturgie sei nicht einfach die Eucharistie, sondern das Stundengebet und jede Andacht, die Gläubige feiern. «Das andere ist: Die Klöster werden immer mehr zu Seelsorgezentren. Die Klöster Mariastein oder Einsiedeln sind es noch mehr als wir, da sie eine Wallfahrt besitzen. Diese Kloster-Zentren sollten nicht durch das Löcherstopfen anderswo zerstört werden», sagt Abt Christian.
Aushilfe in Pfarreien
Wobei einige der 18 Benediktinermönche im Kloster Engelberg jetzt schon tatkräftig in Pfarreien und anderswo mithelfen. Ein Mitbruder macht regelmässig Aushilfe in Buochs, Meiringen, Brienz und im Kloster Maria-Rickenbach. Ein anderer leitet einmal im Monat den Gottesdienst in St. Andreas in Sarnen für die drei Klostergemeinschaften des Benediktinischen Zentrums. Im Sommer gibt es zusätzliche Aushilfen in Trübsee und in Wolfenschiessen NW. Des Weiteren bestücken Mönche aus dem Kloster Engelberg so manche Bergmesse. «Ich selbst habe viele Firmungen und bin dann wegen den Firmungen ausserhalb des Klosters», versichert der Engelberger Abt.
Gebrechen von älteren Mönchen ein Hindernis
Der Hauptgrund, warum aus Sicht von Abt Christian Meyer vom Kloster Engelberg Mönche als pastorale Aushilfskräfte im grossen Stil aber nicht in Frage kommen, ist der Gesundheitszustand einzelner Mönche. «Die meisten Mitbrüder können nicht mehr, da sie zu alt sind oder ein Gebrechen haben oder schlicht und einfach nicht mehr Auto fahren», stellt Abt Christian klar.
Sagts und kommt nochmals auf das Grundproblem der mangelnden Priesterversorgung zu sprechen. «Ich glaube, dass man langsam aber sicher nicht mehr von Notfällen sprechen kann», so Abt Christian. Ausserdem verkörpere die Eucharistie ein Geschenk, die nicht allein vom Priester abhänge. Schon das Zweite Vatikanische Konzil habe postuliert: In der Eucharistie sei Jesus Christus gegenwärtig im Priester, ebenso in der feiernden Gemeinde, im Brot und Wein, im gemeinsamen Beten und Singen. Abt Christian: «Ich glaube, diesbezüglich haben wir grossen Nachholbedarf, Pfarreien und Klöster.»
Eigene Angebote absichern
Auch Abt Vigeli Monn vom Kloster Disentis versichert gegenüber kath.ch, dass die Benediktinerabtei mit derzeit 19 Mönchen in der Surselva bereits jetzt – soweit möglich – in den Pfarreien bei den Sonntagsgottesdiensten und an Festtagen aushelfen. «Während des Sommers wird einmal im Monat auf dem Lukmanierpass die Messe gefeiert in Rumein im Lugnez», erwähnt der Disentiser Abt. «Sofern die eigenen Angebote abgesichert sind, sind die Mitbrüder auch bereit punktuell auszuhelfen.»
«Für Aushilfen werden wir, soweit möglich, auch künftig bereit sein. Die Übernahme einer Pfarrei dürfte hingegen schwierig sein», stellt Abt Vigeli klar. Klöster würden in Zukunft noch mehr zu geistlichen Zentren werden, die für die Gläubigen offenstehen.
Daher sei es wichtig, dass eine schöne und würdige Liturgie gefeiert werde, und die Möglichkeit für Beicht- und Begleitgespräche angeboten werde. «Dafür müssen aber genügend Mitbrüder im Kloster sein. Das schränkt die Anzahl der Aushilfen stark ein. Ziel muss es sein, dass die Gläubigen an unseren Gottesdiensten teilnehmen können, und nicht wir alle Lücken in den Pfarreien stopfen», so Abt Vigeli. Aus seiner Sicht werden bereits genügend Messen angeboten. Zu überprüfen seien möglicherweise die Gottesdienstzeiten unter der Woche.
Unterm Strich stellt es für Abt Vigeli Monn ein grundsätzliches Problem dar, sollten Mönche künftig stärker in die Seelsorge von Pfarreien eingebunden werden. «Die Mitbrüder sind aber nicht in das Kloster eingetreten, um Pfarrer zu werden, sondern um die gemeinsame Liturgie und das Stundengebet mit der Klostergemeinschaft zu feiern.»
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