Metropolit Hilarion
International

Missbrauch und Luxus-Leben? Russisch-orthodoxe Kirche suspendiert Metropolit Hilarion

Metropolit Hilarion wurde schon als möglicher nächster Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche gehandelt. Nun wirft ihm ein ehemaliger Assistent Missbrauch und ein Leben im Luxus vor. Hilarion weist die Vorwürfe zurück. Das Moskauer Patriarchat entfernte ihn vorläufig aus allen Ämtern. Als ehemaliger Titularprofessor in Freiburg ist der russisch-orthodoxe Geistliche auch in der Schweiz bekannt.

Der Vorwurf der sexuellen Belästigung und anderer Verfehlungen kostet den lange zweitwichtigsten Mann des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion, vorläufig seine Ämter in der russisch-orthodoxen Kirche. Unter Vorsitz von Patriarch Kyrill I. setzte das Leitungsgremium, der Heilige Synod, eine Kommission zur «Untersuchung der Lage der Dinge» in Hilarions Diözese Budapest-Ungarn ein, wie die Kirche am Donnerstagabend in Moskau mitteilte – ohne den Skandal um den 58-Jährigen zu erwähnen.

Für die Dauer der Arbeit der Kommission werde der Metropolit vorläufig als Leiter der Eparchie abberufen, hiess es in dem Beschluss.

Provisorische Verwalter für drei Ämter

Auch den Vorsitz der Theologiekommission und eines weiteren Gremiums des Patriarchats muss Hilarion abgeben. Für alle drei Ämter ernannte der Synod provisorische Verwalter. Der ungarischen Diözese steht vorläufig Metropolit Nestor vor. Er ist Bischof von Westeuropa mit Sitz in Paris.

Vorwürfe eines ehemaligen Assistenten

Hilarions ehemaliger Assistent Subdiakon Georgij Suzuki wirft dem Metropoliten sexuelle Übergriffe und ein Leben im Luxus vor. Er begann als 18-Jähriger im Sommer 2022 für den Bischof in Ungarn zu arbeiten und floh nach eigenen Angaben im Januar 2024.

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Hilarion weist alle Vorwürfe vehement zurück und bezichtigt Suzuki der Erpressung. Auch die Geistlichen der Diözese Ungarn stellten sich hinter ihren Metropoliten und verteidigten ihn in einer gemeinsamen Erklärung gegen die Anschuldigungen.

Villa mit 14 Zimmern gekauft

Den Skandal brachte das Onlineportal «Nowaja Gazeta Europa» Anfang Juli ins Rollen. Sie sprach mit Suzuki und veröffentlichte dessen Audiomitschnitte von Hilarion, in dem der Metropolit Patriarch Kyrill I. einen selbstherrlichen Umgang von Spendengeldern reicher Oligarchen vorwarf. Suzuki überliess der «Nowaja Gazeta» auch einen Grundriss einer Villa mit 14 Zimmern und einem Pool, die Hilarion in Ungarn für viel Geld erworben haben soll. Der Metropolit erklärte darauf, er habe den Kauf des Anwesens aus seinen Privateinkünften unter anderem als Buchautor finanziert.

Überraschende Absetzung als Leiter des Aussenamtes

Hilarion beging am Mittwoch seinen 58. Geburtstag mit einem Gottesdienst in der Kathedrale in Budapest. Er galt als «Nummer zwei» der russisch-orthodoxen Kirche, bis der Heilige Synod ihn im Juni 2022 überraschend ohne Angaben von Gründen als Leiter des Aussenamtes des Moskauer Patriarchats absetzte und zum Vorsteher der relativ unbedeutenden ungarischen Diözese machte.

Papst Franziskus bei einem Treffen mit Hilarion Alfejew 2021, damals noch Leiter des Aussenamtes des Moskauer Patriarchats.
Papst Franziskus bei einem Treffen mit Hilarion Alfejew 2021, damals noch Leiter des Aussenamtes des Moskauer Patriarchats.

Suspendierung als Titularprofessor in der Schweiz

Im Zusammenhang mit dem Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine verlor Hilarion in der Schweiz ein Amt. Im März 2022 suspendierte die Theologische Fakultät der Universität Freiburg seine langjährige Titularprofessur, weil er trotz Aufforderung dem «klaren Völkerrechtsbruch Russlands» nicht entgegengetreten sei.

Mehr als ein Jahrzehnt spielte der Metropolit eine Schlüsselrolle im Dialog mit der katholischen Kirche. Hilarion verfügt über ausgezeichnete Beziehungen zu Papst Franziskus und dem Vatikan. Franziskus traf sich mit ihm zuletzt im April 2023 im Rahmen einer Ungarn-Reise. (kna/bal)


Metropolit Hilarion | © zVg
26. Juli 2024 | 15:00
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