Der Ausschuss von «Reformen jetzt» vor der Übergabe der Postkarten an Bischof Markus Büchel.
Schweiz

«Reformen jetzt»: St. Galler Bischof nimmt rund 900 Postkarten entgegen

Die St. Galler Bewegung «Reformen jetzt» hat ab Ende April rund 10’000 Postkarten in Umlauf gebracht, auf denen Menschen ihre Wünsche und Kritik an die Kirche kundtun konnten. Am Montag hat die Reformbewegung die Aktion mit einem Besuch beim St. Galler Bischof Markus Büchel abgeschlossen. 345 der rund 900 retournierten Karten stammen aus St. Gallen.

Barbara Ludwig

874 Postkarten sind im Rahmen der Aktion an die Reformbewegung zurückgeschickt worden, 53 davon trafen auf digitalem Weg ein. Das teilte die Bewegung «Reformen jetzt» am Mittwoch in einem Communiqué mit. Auf den Karten, die bereits vorgedruckte Reformanliegen enthielten, haben Menschen auch ihre persönlichen Wünsche und Anliegen zuhanden der Bistumsleitung festhalten können.

Gestartet wurde die Aktion Ende April. Insgesamt rund 10’000 farbig bedruckte Postkarten wurden in den Bistumskantonen St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden in Umlauf gebracht. Auf sieben verschiedenen Karten ist je ein Heiliger oder eine Heilige abgedruckt, in einem Fall das Paar Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss.

Frauenfrage beschäftigt besonders

Ein grosser Teil der Postkarten sei am Montag dem Bischof persönlich übergeben worden, heisst es im Communiqué weiter. «Vertreterinnen und Vertreter von ‹Reformen jetzt› haben rund die Hälfte der Karten auf dem Weg zum Bischof ausgebreitet.» Bei der Übergabe solle zum Ausdruck gebracht werden, dass die Bewegung den Weg für eine «zukunftsfähige und geschwisterliche» katholische Kirche ebnen wolle. Auf dem Foto, das die Bewegung mit dem Communiqué verschickte, ist der St. Galler Bischof Markus Büchel nicht zu sehen.

Standaktion von "Reformen jetzt" auf dem Kornhausplatz in St. Gallen am 29. April 2024. Das Plakat zeigt Maria Magdalena.
Standaktion von "Reformen jetzt" auf dem Kornhausplatz in St. Gallen am 29. April 2024. Das Plakat zeigt Maria Magdalena.

Dass die Frauen in der katholischen Kirche immer noch benachteiligt werden, scheine viele Leute zu beschäftigen, schreibt «Reformen jetzt». Zumindest seien die meisten Rückmeldungen der Frauenfrage zuzuordnen. Dies zeige sich auch bei der Auswahl der retournierten Karten: «Von sieben Illustrationen mit Heiligen wurde Wiborada von  St. Gallen (23 Prozent) am häufigsten als Antwortkarte ausgewählt, gefolgt von Maria Magdalena (16 Prozent). Der Heilige Blasius (11 Prozent) und der heilige Martin (10 Prozent) hingegen nehmen die hinteren Ränge ein.» Die Karten mit Wiborada und Maria Magdalena waren besonders gefragt und hatten nachgedruckt werden müssen.

Am meisten Karten aus St. Gallen

Die Auswertung der Aktion zeigt auch auf, aus welchen Ortschaften wie viele Karten retourniert wurden. An der Spitze steht mit 345 Karten die Stadt St. Gallen. Das erstaunt nicht, weil in der ersten Woche bei Standaktionen in der Kantonshauptstadt Karten an Passantinnen und Passanten verteilt wurden. Bei den meisten Ortschaften bewegt sich die Zahl der eingesandten Karten im einstelligen Bereich.

Standaktion von "Reformen jetzt" in St. Gallen am 30. April 2024: Das Plakat zeigt die heilige Wiborada.
Standaktion von "Reformen jetzt" in St. Gallen am 30. April 2024: Das Plakat zeigt die heilige Wiborada.

Ortskirche ermöglicht den Frauen vieles

Bei der Übergabe der Karten habe Büchel betont, die Ortskirche ermögliche den Frauen bereits vieles und der Spielraum des Kirchenrechts werde ausgeschöpft. Das anerkennt auch die Reformbewegung: «Im Vergleich zu anderen Bistümern ist man in der Deutschschweiz tatsächlich weiter», heisst es im Communiqué. Während hier nicht-geweihte Theologinnen und Theologen predigen dürften, sei dies in den Bistümern Deutschlands und Österreichs nicht möglich.

An zweiter Stelle stehe das Anliegen, dass die katholische Kirche moderner werden soll. Darauf folge die Kritik an Machtstrukturen und am Umgang mit Missbrauchsfällen. Einige Menschen hätten zudem pastorale und seelsorgliche Anliegen formuliert.

Nicht alle wollen die Kirche verändern

Auch Kritik an Reformbestrebungen ist demnach geäussert worden. So hätten sich auch «traditionelle und konservative Stimmen» zu Wort gemeldet, die «keinen Handlungsbedarf auf Seiten der Kirchenleitung sehen – und sogar vor Änderungen warnen», heisst es im Communiqué.

Roman Rieger koordiniert die Aktionen von "Reformen jetzt".
Roman Rieger koordiniert die Aktionen von "Reformen jetzt".

Roman Rieger ist Koordinator von «Reformen jetzt». Nach dem Treffen mit dem Bischof konstatiert er gemäss Mitteilung: «Inhaltlich stehen wir uns nahe». Doch gleichzeitig habe ihnen der Bischof die Grenzen seiner Möglichkeiten aufgezeigt – etwa was die von Reformkreisen geforderte Abschaffung des Pflichtzölibats betreffe.

Bewegung hält an Forderungen fest

Nun erwarte man vom Bischof und der Kirchenleitung, dass sie die Anliegen der Leute ernst nehmen und die Postkarten ihrerseits auswerten. Man bestehe auf «machbaren und konstruktive Reformen» und halte an den bisherigen Forderungen fest. Gemeint sind vier Reformstösse, die die Gruppe seit vergangenen Oktober eingereicht hat.

Anzeige ↓     Anzeige ↑

So fordert sie einen stärkeren Einbezug von Laiinnen und Laien bei der Bischofswahl. Sie verlangt auch, dass nichtgeweihte Theologinnen und Theologen Trauungen durchführen können. Zudem will die Gruppe, dass die Privat- und die Intimsphäre von Seelsorgenden respektiert werden. Ein weiteres Anliegen ist ein einheitlicher Umgang mit laisierten Priestern.


Der Ausschuss von «Reformen jetzt» vor der Übergabe der Postkarten an Bischof Markus Büchel. | © zVg
27. Juni 2024 | 12:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!