Autor Lukas Bärfuss
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Lukas Bärfuss: «Es geht um die Frage, woher die Macht der Kirche kommt»

Das Welttheater in Einsiedeln feiert sein 100-jähriges Bestehen. Zum Jubiläumsjahr hat der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss eine Fassung geschrieben. Er sagt, dass die EM gegen das Einsiedler Freilichtspektakel chancenlos ist und gibt über seinen Bezug zum Katholizismus Auskunft.

«Ich bin im Berner Oberland gross geworden, einem freikirchlich geprägten Rückzugsgebiet der Reformation. Der Katholizismus ist mir fremd. Da mich die katholische Kirche nicht traumatisieren konnte, bin ich unvoreingenommen an Pedro Calderón de la Barcas Mysterienspiel «Das grosse Welttheater» herangegangen. Ich habe ihn mir eher wie ein Insektenforscher angeschaut, und das war sehr produktiv. Trotzdem bringe auch ich eine Vorgeschichte mit. Eines meiner erfolgreichsten Theaterstücke, «Der Bus», handelt von einer jungen Frau, die von Gott den Auftrag erhält, am Tag der heiligen Sophie in Tschenstochau, dem wichtigsten Pilgerort Polens, zu erscheinen. Dort gibt es wie in Einsiedeln eine schwarze Madonna.

Die Kritik an der katholischen Kirche ist nicht der zentrale Punkt meines Stückes. Das Problem ist grösser. Es geht um die Frage, woher die Macht dieser Institution kommt. Mir geht es um diese Machtfülle. Ein Grund dafür liegt in der Beständigkeit und der Wiederholung. Das Benediktinerkloster in Einsiedeln feiert zehn Mal pro Tag eine Messe. Das sind performative Formen, ähnlich wie im Theater.

Wer glaubt, dass Fussball mit dem Einsiedler Welttheater wird mithalten können, der sollte sich die Situation vor Ort mal anschauen. Es ist der zweitgrösste sakrale Vorplatz Europas nach dem Petersplatz, da passen fünf Fussballplätze drauf. Die Situation ist von einer Schönheit und Köstlichkeit, das wird die biggest Show on earth.»

Im Interview mit dem Boten der Urschweiz (auch in der Zuger Zeitung erschienen) erklärt Lukas Bärfuss (52) seine Neuinterpretation von Pedro Calderón de la Barcas Mysterienspiel «Das grosse Welttheater».

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Autor Lukas Bärfuss | Barbara Ludwig | © Barbara Ludwig
8. Juni 2024 | 14:30
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