«Ich hatte nur die Wahrheit gesagt»: Monika Schmid und andere bewegende Worte zum Sonntag
Das «Wort zum Sonntag» feiert seinen 70. Geburtstag. Viele Worte wurden in dieser Zeit gesprochen, die zum Teil grosse Resonanz auslösten. Menschen beeindruckten. Dinge veränderten. Kath.ch lässt frühere Sprecherinnen und Sprecher in ihren Erinnerungen zu Wort kommen – darunter Monika Schmid und Meinrad Furrer.
Monika Schmid: «Das Wort zum Sonntag ist noch immer eine Chance christliche Spiritualität in den Alltag zu bringen und mit dem, was die Menschen beschäftigt zu verknüpfen, kritisch, relevant, beherzt», sagt die Theologin und frühere Gemeindeleiterin Monika Schmid.
Das Wort zum Sonntag ist zwar in all den Jahren kürzer geworden und doch immer noch das einzige Format, das «nur» vom gesprochenen Wort lebt. Als ich für das Wort zum Sonntag angefragt wurde, erinnerte ich mich an ein «Wort zum Sonntag» einer Theologin, die einmal, das sind jetzt über zwanzig Jahre her, ein für mich geniales Wort sprach – zu gleichgeschlechtlicher Liebe. Diese Theologin war mir Vorbild für meine Zeit bei der Sendung. Ihr Wort hat mich berührt und es war zugleich informativ.
«Mir war es wichtig, Themen anzusprechen, die ‹in der Luft liegen› und die aus der Tiefe der christlichen Spiritualität schöpfen.»
Monika Schmid
Nicht immer bleibt frau «dran» bei einem Wort zum Sonntag. Ich glaube, das ist die hohe Kunst, möglichst viele Zuschauende, Zuhörende so zu interessieren, dass sie bis zum Ende zuhören. Für mich war jedes Wort zum Sonntag eine Herausforderung, vor allem die Themenwahl war oft nicht einfach. Mir war es wichtig, Themen anzusprechen, die «in der Luft liegen» und die aus der Tiefe der christlichen Spiritualität schöpfen. Meist habe ich dann gestaunt, wie in fünf Minuten sehr viel gesagt werden kann.
Verschiedene Ohren
Die schönsten Reaktionen waren, wenn Menschen geschrieben haben, dass sie für ihren Alltag etwas mitnehmen konnten. Schmerzlich war es, wenn mich Menschen nicht verstanden haben und etwas total Anderes hörten als das, was mein Anliegen war. Bei so vielen Zuhörenden gibt es eben verschiedene Ohren.
Zu meiner Zeit des «Wort zum Sonntag» veröffentlichte die «Schweizer Illustrierte» noch eine Art Ranking der meistgesehenen Sendungen im SRF. Da war mein «Wort zum Sonntag» mehr als einmal auf Platz eins mit zum Teil mehr als 600’000 Zuschauenden. Das freute mich und war Ansporn noch besser zu werden.
Was stimmt mit unserer katholischen Kirche nicht?
Im Februar 2008 fragte ich: Was stimmt mit unserer katholischen Kirche nicht? Wenn ein Priester eine erwachsene Beziehung auf Augenhöhe mit einer Frau oder einem Mann lebt, wird er augenblicklich suspendiert. Wenn Kleriker sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ausüben, werden sie dagegen meist nur versetzt.
«Als mir der Bischof daraufhin meine Beauftragung als Seelsorgerin entzog, war ich sprachlos.»
Monika Schmid
Ich antizipierte mit diesem «Wort zum Sonntag» den Missbrauch in der Kirche. Es löste schweizweit ein enormes Echo aus. Die zustimmenden Reaktionen, Briefe und Mails füllten drei Bundesordner. Soziale Medien wie Facebook, Instagram & Co gab es noch nicht.
«Ich wurde abgestraft»
Als mir der Bischof daraufhin meine Beauftragung als Seelsorgerin entzog, war ich sprachlos. Ich hatte nur die Wahrheit gesagt. Die Bischöfe hätten die Möglichkeit gehabt, vor mehr als 15 Jahren zu reagieren und mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche zu beginnen, stattdessen wurde ich abgestraft.»
Meinrad Furrer: «Ab Oktober 2014 war ich einer der Sprecher des «Wort zum Sonntag.» Mich interessierte es sehr, wie der Schatz der christlichen Traditionen im 21. Jahrhundert, in dem die Kirchen ihre zentrale Stellung verloren haben, neu ins Spiel und ins Wort gebracht werden können», erklärt der Leiter des Teams der Luzerner Peterskapelle.
«Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich: von Inspiration und Ermutigung über Trost bis hin zu Empörung – alles war vorhanden.»
Meinrad Furrer, Leiter Team Peterskapelle Luzern
«Ich wurde oft auf meine Worte angesprochen und war überrascht, wie viele Menschen das Wort zum Sonntag schauen. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich: von Inspiration und Ermutigung über Trost bis hin zu Empörung – alles war vorhanden.
Genau deshalb ist dieses Format noch heute so wichtig und richtig. Noch immer erreicht es viele Menschen. Auch viele, die traditionelle Formate der Kirchen nicht mehr besuchen. Noch immer hat es das Potential, etwas auszulösen und in Bewegung zu setzen.
Ich selber erinnere mich sehr gern an das Wort zur Ehe für alle meiner Kollegin Sybille Forrer sowie auch jenes von Katja Wissmiller über Depressionen, beides sehr starke authentische Statements. Und natürlich an das Skandal-Wort von Monika Schmid, welches das Potential prophetischer Rede beinhaltet.»
Monika Hungerbühler: «Ich habe mein «Wort» vom 13.11.1999 zum Thema Homosexualität nochmals geschaut und war überrascht, wie aktuell es noch ist und habe mich darüber gefreut. Das «Wort zum Sonntag» habe ich erst «entdeckt», als ich es von 1999 – 2000 selbst gesprochen habe», erinnert sich die feministische Theologin und Seelsorgerin.
«Geblieben sind mir die «Worte» von Monika Schmid und Sibylle Forrer, ebenso von Tania Oldenhage. Fundierte biblische Kenntnis gepaart mit feministisch-theologischem Engagement.»
Monika Hungerbühler
Seither schaue ich es recht regelmässig und immer mit Interesse. Geblieben sind mir die «Worte» von Monika Schmid und Sibylle Forrer, ebenso von Tania Oldenhage. Fundierte biblische Kenntnis gepaart mit (kirchen-) politischem und feministisch-theologischem Engagement. Diesen Frauen ist das echt gelungen. Herzliche Gratulation zu 70 Jahren Wort zum Sonntag!»
Arnold Landtwing: «Mit Kirche habe ich schon lange nichts mehr am Hut, aber das, was Du heute gesagt hast…». So begannen unmittelbar nach der Aufnahme etliche Reaktionen auf ein Wort zum Sonntag. Und dann begegnete ich im von Technik flirrenden Regieraum Lebensgeschichten und Schicksalen, die mich tief berührten», erzählt der Leiter der Fachstelle Kommunikation der Katholischen Kirche im Kanton Zug. Landtwing war Sprecher des «Wort zum Sonntag» von 2016 bis 2018.
«Das waren heilige Momente hinter den Kulissen. Solche gab es auch auf offener Strasse. Mehrere Jahre nach dem letzten Einsatz sprach mich eine ältere Frau an, und zu meinem grossen Erstaunen zählte sie mehrere Inhalte verschiedener Sendungen auf. Sie hatte die Gedanken als Ermutigung und Inspiration in den Alltag mitgenommen.
«Das Wort zum Sonntag regt an oder regt auf. Gut so. Deshalb ist es auch mit 70 Jahren relevant. Punkt.»
Arnold Landtwing, Sprecher von 2016-2018
Umgehend nach der Ausstrahlung eingegangene Mails und Beschwerden zeigten, dass das Wort zum Sonntag auch Stachel im Fleisch von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sein kann. Die Bandbreite der Reaktionen lag zwischen Inspiration für den Alltag und dem Wunsch, ich solle doch zur Hölle fahren. Das Wort zum Sonntag regt an oder regt auf. Gut so. Deshalb ist es auch mit 70 Jahren relevant. Punkt.»
Edith Birbaumer: «Das Wort zum Sonntag erreicht ein heterogenes Publikum und ist ein kompakter und aktueller Impuls, den man selten aktiv sucht, aber der einen doch und vielleicht genau deswegen ansprechen kann», sagt die Pfarreiseelsorgerin von der Katholischen Kirche der Stadt Luzern.
«Mir war es stets wichtig, dass ich als Person nahbar war und dass man spüren konnte, dass ich als Individuum vor die Kamera trete und nicht als Sprachrohr einer bestimmten Kirche.
«Für mich persönlich war besonders lehrreich, einen Text so zu verfassen, bis er in Form und Dichte stimmt. Diesbezüglich bin ich heute schneller und präziser geworden.» (woz)
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