Bundespräsidentin Viola Amherd
Schweiz

«Antisemitismus hat keinen Platz in der Schweiz»: Politiker und Muslime verurteilen Messerattacke

Bundespräsidentin Viola Amherd und Justizminister Beat Jans haben den Messerangriff auf einen jüdischen Mann mit deutlichen Worten verurteilt. Auch politische Parteien reagierten auf die Tat eines 15-Jährigen Schweizers mit tunesischen Wurzeln. Verschiedene islamische Organisationen verurteilten das Verbrechen.

Barbara Ludwig

Seit dem schweren Angriff auf einen orthodoxen Juden in Zürich am Samstagabend überstürzen sich die Reaktionen aus der Politik. Bundespräsidentin Viola Amherd teilte am Montag auf «X» mit, der Messerangriff habe sie schockiert. «Ich denke an den verletzten Mann und unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Antisemitismus hat keinen Platz in der Schweiz», schrieb die Bundespräsidentin laut Angaben der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Justiz müsse die Fakten klären und ihren Weg gehen.

Beat Jans: zusätzliche Schutzmassnahmen bereits geplant

Beat Jans, ihr Kollege im Bundesrat, äusserte sich am Montag am Rande eines Treffens in Brüssel. In der Schweiz werde keine Form von Rassismus und von Antisemitismus akzeptiert, so der Justizminister. «Ich möchte mein Mitgefühl gegenüber der verletzten Person und ihren Angehörigen zum Ausdruck bringen», sagte Jans laut Keystone-SDA.

Bundesrat Beat Jans, Justizminister.
Bundesrat Beat Jans, Justizminister.

Der Justizminister will sich demnach dafür einsetzen, dass sich eine solche Tat nicht wiederholen könne. Angesprochen auf zusätzliche Massnahmen zum Schutz der jüdischen Bevölkerung in der Schweiz sagte Jans, es seien zusätzliche Mittel geplant, jedoch nicht aufgrund des Ereignisses.

Grüne fordern Aktionsplan

Die Grünen stellten fest, dass ihre Partei schon seit zwei Jahren einen Aktionsplan Rassismus und Antisemitismus fordere. Die zunehmenden Vorfälle zeigten nun, dass es einen solchen dringend brauche, teilten die Grünen Schweiz am Montag mit.

Die SVP Schweiz schreibt in einer Mitteilung vom Montag, sie sei erschüttert und verurteile die Tat. Die Schuld für den jüngsten Angriff ortet die Partei bei den Linken, berichtet Keystone-SDA. Mit dem «aus dem Ruder laufenden Asylchaos» importiere man teilweise eine ganz neue Generation von Antisemiten.

Eklat im Zürcher Kantonsrat

In der Sitzung des Zürcher Kantonsrats sorgten die Vorwürfe der SVP, die auch in einer Fraktionserklärung erhoben wurden, für einen Eklat. Linke Parlamentarierinnen und Parlamentarier verliessen während der Erklärung den Saal.

Die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) kündigte eine volle Aufklärung des «Angriffs auf das friedliche Zusammenleben» an. Hass und Ausgrenzung würden nicht toleriert, alle sollten sich hier sicher fühlen. Die Regierungsrätin bezeichnete die Tat als «feiges Attentat» und als «terroristischen Akt».

Schweizer mit tunesischen Wurzeln

Unterdessen wurde bekannt, dass es sich beim mutmasslichen Täter um einen 15-jährigen Schweizer mit tunesischen Wurzeln handelt. Laut Keystone-SDA wurde er 2011, als drei oder vierjähriges Kind, eingebürgert. Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos) gab am Montag bei einer Medienkonferenz bekannt, dass ein Bekennervideo existiere. Fehr bestätigte dessen Echtheit und sprach von einem Terrorakt. «Jemand wurde einzig und allein wegen seiner Religionszugehörigkeit niedergestochen», so der Zürcher Regierungspräsident.

Der Zürcher Regierungspräsident und Sicherheitsdirektor Mario Fehr an der Pressekonferenz vom 4. März 2024.
Der Zürcher Regierungspräsident und Sicherheitsdirektor Mario Fehr an der Pressekonferenz vom 4. März 2024.

Auch islamische Organisationen verurteilten die Tat und bekundeten Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz. Önder Günes ist Präsident des Dachverbands der Schweizer Muslime (Fids). Eine solche Tat sei nicht tolerierbar und er verurteile sie aufs Schärfste.

Zürcher Muslime: «Nicht in unserem Namen»

Gegenüber der Zeitung «20 Minuten» kündigte er an, das Gespräch mit dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) suchen zu wollen. «Wir dürfen den Krieg im Gazastreifen nicht zum Anlass nehmen, Hass und Zwietracht in der Schweizer Gesellschaft zu streuen – dieser orthodoxe Mann ist völlig unschuldig und hat nichts mit dem Krieg in Palästina zu tun», sagte Günes weiter.

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Ähnlich äussert sich «Vioz», die Vereinigung der Islamischen Organisationen im Kanton Zürich. Sie verurteilt den Angriff «auf unseren jüdischen Mitbürger», schreibt sie in einer Mitteilung vom Sonntag. Stimmen des Hasses, des Krieges seien laut. «Und deshalb muss und soll unsere Stimme in diesem Moment lauter sein, denn wir sagen «Nicht in unserem Namen!»

Nichts rechtfertige einen Angriff auf Unschuldige, weder eine politische Überzeugung noch eine Religion. Die Tat sei auch ein «Angriff auf ein sicheres, respektvolles Miteinander».

Der orthodoxe Jude war mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Spital eingeliefert worden. Mittlerweile befindet er sich nicht mehr in Lebensgefahr, wie Keystone-SDA am Montag meldete. Der mutmassliche Täter wurde in Untersuchungshaft genommen.


Bundespräsidentin Viola Amherd | © Youtube
4. März 2024 | 18:31
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