Menschen solidarisieren sich mit Israel:  Kundgebung vom 10. Oktober 2023 in Zürich.
Schweiz

Teenager verletzt in Zürich orthodoxen Juden lebensbedrohlich: Heute um 17 Uhr Mahnwache

Ein 15-Jähriger hat am Samstagabend in der Stadt Zürich einen orthodoxen Juden mit einer Stichwaffe lebensbedrohlich verletzt. Die Polizei nahm den Tatverdächtigen vor Ort fest, wie sie in der Nacht auf Sonntag mitteilte. Um 17 Uhr findet heute eine Mahnwache in Zürich für das Opfer der Messerattacke statt.

Der verletzte 50-jährige Mann musste durch die Sanität hospitalisiert werden, wie die Stadtpolizei Zürich in der Medienmitteilung weiter schrieb. Die laufenden Ermittlungen würden die Möglichkeit eines antisemitisch motivierten Verbrechens explizit einschliessen, hiess es.

Es findet heute um 17 Uhr eine Mahnwache in Zürich statt für den verletzten Mann nach der Attacke – und zwar an der neuen Börse beim Bahnhof Selnau.

Die Stadtpolizei Zürich hat nach Rücksprache mit den jüdischen Organisationen der Stadt Zürich die Sicherheitsvorkehrungen rund um spezifische Örtlichkeiten mit jüdischem Bezug vorsorglich erhöht, teilte die Stadtpolizei am Sonntagnachmittag mit. Dabei wird sie auch von der Kantonspolizei Zürich unterstützt.

«Allahu Akbar»-Rufe laut Zeugenaussagen

Die Hintergründe und der Tathergang waren zum Zeitpunkt der Mitteilung unklar. Der Angriff habe sich im Zürcher Kreis 2 ereignet. Um 21.35 Uhr sei bei der Einsatzzentrale die Meldung über einen Streit unter mehreren Personen eingegangen. Die Kantonspolizei Zürich und die zuständige Jugendanwaltschaft ermittelten in alle Richtungen.

Der mutmassliche Täter, ein 15-jähriger Schweizer, soll laut 20min. kurz vor der Tat laut mehreren Zeugenaussagen «Tod aller Juden» und «Allahu Akbar» gerufen haben.

SIG «zutiefst erschüttert»

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) zeigt sich in einer Medienmitteilung «zutiefst erschüttert, dass ein Gemeindemitglied Opfer einer solchen Attacke wurde. Physische Übergriffe in der Schweiz auf jüdische Menschen sind sehr selten. Von derartigen lebensbedrohlichen Attacken wurde die jüdische Gemeinschaft in den letzten zwei Jahrzehnten verschont. Seit dem 7. Oktober musste aber eine deutliche Zunahme solcher physischen Übergriffe registriert werden.» Der SIG sei in Gedanken beim Opfer und seinen Angehörigen. «Wir beten für eine vollständige und baldige Genesung.»

Sicherheitsdispositive überprüft

Die Sicherheitsorganisationen der jüdischen Gemeinschaft in Zürich, wie auch schweizweit, seien laut SIG, umgehend informiert worden. Seit Samstagnacht würden die Sicherheitsdispositive überprüft und bei Bedarf angepasst. Dieses Vorgehen sei in solchen Fällen vorgesehen.

«Es wird davon ausgegangen, dass für den Moment keine akute Gefährdung jüdischer Menschen und Einrichtungen zu erwarten ist. Trotzdem werden alle Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft bis auf weiteres zu einem vorsichtigen und besonnenen Verhalten aufgerufen», so der SIG.

Antisemitismus nimmt zu

Antisemitismus-Vorfälle haben sich in der Schweiz seit dem Angriff der Hamas in Israel im Oktober 2023 und dem Krieg in Nahost gehäuft. Kürzlich veröffentlichte die Westschweizer Fachstelle gegen Antisemitismus und Diffamierung (Cicad) Zahlen, wonach antisemitisch motivierte Vorfälle in der Westschweiz 2023 um 68 Prozent zunahmen. Fast die Hälfte davon ereignete sich nach dem 7. Oktober.

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Der Bundesrat hat Anfang Februar angekündigt, gemeinsam mit den Kantonen eine Strategie und einen Aktionsplan gegen Rassismus und Antisemitismus auszuarbeiten. Geprüft werden soll auch, ob neu ein Beauftragter für Rassismus- und Antisemitismusbekämpfung eingesetzt werden soll. (sda/woz)


Menschen solidarisieren sich mit Israel: Kundgebung vom 10. Oktober 2023 in Zürich. | © Keystone
3. März 2024 | 13:30
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