Fusion mit Zell: Kirchgemeinde Turbenthal sagt Ja zu Verhandlungen
In der Zürcher Kirchgemeinde Zell geben sich die Sachwalter die Klinke. Die Kantonalkirche hat sie deshalb aufgefordert, mit der Kirchgemeinde Turbenthal Verhandlungen über eine Fusion aufzunehmen. Dort haben die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger am Sonntag der Aufnahme von Verhandlungen zugestimmt.
Barbara Ludwig
Die Zürcher Kirchgemeinde Turbenthal hat am Sonntag eine Ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung durchgeführt. Es ging um die Frage, ob man Verhandlungen über eine Zusammenlegung mit der Kirchgemeinde Zell aufnehmen will, die ebenfalls im ländlich geprägten Tösstal liegt.
Einstimmiger Entscheid
20 Stimmberechtigte hätten einstimmig Ja gesagt zur Aufnahme von Verhandlungen, sagt Kirchgemeindepräsidentin Anna Caldarulo auf Anfrage. «Ein wunderbares Ergebnis. Wir konnten verschiedene Befürchtungen aus dem Weg räumen», so die Kirchgemeindepräsidentin von Turbenthal.
Etwa, dass man die Nähe zu Gläubigen verlieren würde oder die Probleme von Zell «zu uns überschwappen könnten». Die Mitglieder der Kirchenpflege hätten aufzeigen können, dass von einer allfälligen Fusion nur die Verwaltung betroffen sei und das Pfarreileben davon nicht tangiert würde, so Caldarulo.
Aus Sicht von Anna Caldarulo würde ein Zusammenschluss Vorteile bieten: «Wir könnten die Kräfte für die Behördenarbeit bündeln und Synergien schaffen.» Auch die Suche nach Mitgliedern der Kirchenpflege dürfte nach einer Fusion einfacher werden, vermutet sie.
«Wir fanden immer Leute für die Kirchenpflege.»
Anna Caldarulo, Präsidentin KirchgemeindeTurbenthal
Mit einer Fusion wäre auch sichergestellt, dass «wir als kleine Kirchgemeinde weiterhin gut bestehen können», ist Anna Caldarulo überzeugt. Bislang hatte man in Turbenthal allerdings keine Mühe, die Kirchenpflege zu bestellen. «Wir haben Glück. Wir fanden immer Leute, die sich für die Arbeit in der Kirchenpflege zur Verfügung stellen.»
Letztes Jahr zwei Sachwalter in Zell – darunter Driessen-Reding
Dieses Glück hat die Kirchgemeinde Zell nicht. Im Gegenteil. Dort geben sich Sachwalter, jeweils eingesetzt vom Synodalrat der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, die Klinke. Im vergangenen Jahr waren es gleich zwei, die die Aufgaben und Befugnisse der Kirchenpflege übernahmen, weil im Mai sämtliche Mitglieder dieser Behörde wegen Konflikten zurücktraten.
Nach Christian Schmid aus Hünenberg ZG war Franziska Driessen-Reding, die ehemalige Synodalratspräsidentin der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, vorübergehend Sachwalterin der Kirchgemeinde Zell. Dies sagt Simon Spengler, Bereichsleiter Kommunikation der Kantonalkirche, auf Anfrage. Und seit Anfang Jahr ist Markus Wagner aus Zürich mit dem Amt betraut.
Schwierige Suche nach Behördenmitgliedern
«Seit mehreren Jahren müssen wir in Zell Sachwalter einsetzen, die die Verwaltung notfallmässig übernehmen. In der kleinen Kirchgemeinde Zell ist es offensichtlich schwierig, eine funktionierende Kirchenpflege aufzustellen», sagt Simon Spengler. Auch Driessen-Reding sei dies nicht gelungen. Laut einem Bericht des «Zürcher Oberländers/Anzeiger von Uster» vom Samstag stellte sich an der Kirchgemeindeversammlung im November niemand zur Wahl.
Wie Simon Spengler sagt, wird es aber allgemein schwieriger, Leute für die anspruchsvollen und mit viel Arbeit verbundenen Ämter der Kirchenpflege zu finden.
Kirchgemeinde Zell streckt Fühler aus
Der Synodalrat hatte die Kirchgemeinde Zell aufgefordert, mit Turbenthal Verhandlungen über eine Fusion aufzunehmen, heisst es im Bericht der Zeitung. Die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger von Zell haben diesem Vorgehen an der Kirchgemeindeversammlung im November bereits zugestimmt, mit 9 Ja-Stimmen bei 18 Enthaltungen.
Zudem genehmigten sie Gespräche mit der Kirchgemeinde von Illnau-Effretikon, zu denen sie ebenfalls vom Synodalrat aufgefordert worden waren. Hier geht es aber nicht um eine Fusion, sondern um die Bereinigung von Kirchgemeindegrenzen, wie die Zeitung schreibt. So könnten die Katholikinnen und Katholiken aus Weisslingen und Kyburg in Zukunft der Kirchgemeinde Illnau-Effrektion angehören. Diese hat Ende November den Verhandlungen mit Zell zugestimmt.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




