Vatikan reagiert auf Widerstand gegen Fiducia Supplicans
Der Vatikan reagiert auf den Widerstand der Gegner von «Fiducia Supplicans». In einer Medienmitteilung räumt der Vatikan ein, dass es in einigen Ländern länger dauern könne. Besonders Klerikern in Ländern, in denen Homosexualität verboten ist, wird mehr Zeit eingeräumt bei Fragen der Handhabe des neuen Segens.
Annalena Müller
Der Vatikan hat am Donnerstag überraschend eine Medienmitteilung herausgegeben, welche das Portal «Vatican News» veröffentlichte. In der Mitteilung äussert sich Kardinal Victor Manuel Fernandez zum anhaltenden Widerstand gegen Fiducia Supplicans. Rom räumt den einzelnen Bischofskonferenzen mehr Zeit bei der Umsetzung ein und gibt ein konkretes Beispiel, wie der «Mini-Segen» von 10-15 Sekunden konkret aussehen könne.
Kein Bruch mit der Tradition
Im ersten Abschnitt geht der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubensehre, Kardinal Fernandez, auf die Kritik ein, dass Fiducia supplicans etwas inhaltlich Neues beinhalte. Fiducia Supplicans sei «klar und drückt sich in klassischer Weise zu Ehe und Sexualität aus. (…) Von daher bietet die Erklärung keinen Rahmen, um ihr gegenüber lehrmässig in Distanz zu gehen oder sie als häretisch, der kirchlichen Tradition zuwiderlaufend oder blasphemisch zu betrachten.»
Diese ungewöhnlich klaren Worte zeigen, unter welchem Druck sich Rom nach Veröffentlichung der Erklärung befindet. Die Kritik und zum Teil rigorose Ablehnung von Fiducia Supplicans seit Veröffentlichung am 18. Dezember durch verschiedene Bischofskonferenzen besonders in Asien und Afrika nimmt nicht ab.
Vatikan gibt mehr Zeit
Fernandez geht in der Medienmitteilung auf die unterschiedlichen Herausforderungen bei der Umsetzung von Gegebenheiten Fiducia Supplicans ein. «An einigen Orten steht einer sofortigen Anwendung nichts im Wege, während es an anderen notwendig erscheint, nichts zu erneuern und sich so viel Zeit wie nötig für die Lektüre und Auslegung der Erklärung zu nehmen.»
Prinzipiell obliege es jedem Ortsbischof, über die Modalitäten vor Ort zu entscheiden. «Umsicht und Aufmerksamkeit für den kirchlichen Kontext und die örtliche Kultur können verschiedene Wege der Anwendung erlauben, aber nicht eine totale oder endgültige Verweigerung dieses Weges, der den Priestern vorgelegt wird.»
Mehr Zeit für Afrika und Arabien
Besonders dort, «wo es Gesetzgebungen gibt, die die blosse Tatsache, sich als homosexuell zu bekennen, mit Gefängnis und in einigen Fällen mit Folter und sogar mit dem Tod bestrafen, versteht es sich von selbst, dass eine Segnung nicht angezeigt wäre», heisst es weiter. Der Grund liege «auf der Hand»: Man wollen homosexuelle Menschen nicht der Gewalt aussetzen.
Dennoch oder gerade im Angesicht des Widerstandes besteht der Vatikan auf das Suprimat des Pontifex in Glaubensfragen: Auch Bischofskonferenzen in Ländern, in denen Homosexualität gesetzlich verboten ist, dürfen keine «andere Lehre als die vom Papst unterzeichnete Erklärung» vertreten, «da diese die Lehre aller Zeiten ist», schreibt der Präfekt.
Gleichzeitig räumt der Vatikan Bischofskonferenzen in diesen Regionen mehr Zeit für die Umsetzung ein, da Rom «die Notwendigkeit von weiteren Studien und weiteren Unterscheidungen in den Blick nehmen, um in einem solchen Kontext mit pastoraler Klugheit handeln zu können», sieht.
Theologische Finessen
Weiter heisst es, dass nicht die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare das eigentlich Neue sei, sondern vielmehr die Aufforderung «zwischen zwei verschiedenen Formen von Segnung zu unterscheiden, nämlich der «liturgischen oder rituellen» und der eher «spontanen oder seelsorgerisch motivierten» zu unterscheiden.
Diese Unterscheidung geschehe «vor dem Hintergrund der positiven Bewertung der volksnahen Pastoral», die in vielen Texten des Heiligen Vaters aufscheint. «In diesem Zusammenhang lädt der Heilige Vater zu einer Wertschätzung des einfachen Glaubens des Volkes Gottes ein, das selbst inmitten seiner Sünden aus der Immanenz hervortritt und sein Herz öffnet, um die Hilfe Gottes zu erbitten.»
Mini-Segen
Fernandez ist bemüht, den Sturm der konservativen Entrüstung aufzufangen, indem er die Segensmöglichkeiten für «irreguläre Paare» möglichst klein schreibt und möglichst klar definiert. So enthält das Dokument Präzisierungen, wie ein solcher Segen aussehen kann, inklusive eines konkreten Beispiels:
«Stellen wir uns vor, dass inmitten einer grossen Wallfahrt ein geschiedenes Ehepaar in einer neuen Verbindung zum Priester kommt: ‘Bitte gib uns einen Segen, wir finden keine Arbeit, er ist sehr krank, wir haben kein Haus, das Leben wird sehr beschwerlich: Gott möge uns beistehen!’»
In diesem Fall könne der Priester ein «einfaches Gebet sprechen: «Herr, schau auf diese deine Kinder, gib ihnen Gesundheit, Arbeit, Frieden und gegenseitige Hilfe. Befreie sie von allem, was deinem Evangelium widerspricht, und gib ihnen, dass sie nach deinem Willen leben. Amen». Und mit dem Kreuzzeichen «über einen jeden von ihnen» abschliessen.
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