Pfarrer Troxler über Kirchenaustritte: «Das ist bedauerlich, aber damit müssen wir halt umgehen»
Pius Troxler ist seit kurzem oberster Schaffhauser Katholik. Er erhält aktuell viele Kirchenaustrittschreiben. Diesen und anderen Schwierigkeiten gelte es zu begegnen, sagt der Schönstatt-Priester.
Regula Pfeifer
«Pro Woche bekomme ich zurzeit zwischen zehn und 20 Schreiben», sagt Pius Troxler gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten». «Das ist bedauerlich, aber damit müssen wir nun halt auch umgehen.» Troxler spricht hier über Austrittsschreiben von bisherigen Kirchenmitgliedern. Kirchenaustritte sind gemäss seiner Auskunft in Schaffhausen nur per Ende Jahr jeweils möglich.
Troxler leitet seit November den Pastoralraum Schaffhausen-Reiat, der zum Bistum Basel gehört. Zuvor hatte er während zwölf Jahren im Entlebuch im Kanton Luzern gewirkt, als Priester für sechs Pfarreien.
«Dort, wo mein Bett steht, bin ich zu Hause.»
Priester Pius Troxler
«Es macht durchaus Sinn, nach einer gewissen Zeit zu wechseln, sowohl für den einzelnen Priester als auch für die Gemeinden vor Ort», sagt Troxler gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten». Das entspreche dem Geist des Zölibats. Ein katholischer Pfarrer sei mit der Kirche «verheiratet», nicht mit einem anderen Menschen oder einer bestimmten Gemeinde. «Dort, wo mein Bett steht, bin ich zu Hause», drückt es Troxler aus.
Segnung von Homo-Paaren?
Zur neusten Vatikan-Entscheidung betreffend Segensfeier zeigt er sich vergleichsweise offen. «Die Liebe zwischen heterosexuellen und zwischen homosexuellen Menschen ist eine Tatsache, und das ist auch gut so.»
Ob es in Schaffhausen Segensfeiern für homosexuelle Paare geben wird, weiss Troxler nicht. «Ich kann zurzeit gar nicht abschätzen, ob das überhaupt gefragt sein wird. Wichtig scheint mir aber, dass unterschieden wird. Es wird sich nicht um ein Äquivalent zur sakramentalen Ehe handeln, denn diese ist uns in der Kirche nach wie vor heilig.»
Missbrauch «ohne Tabus» aufarbeiten
Dass die Kirche Schweiz den Missbrauch historisch aufarbeitet, begrüsst Pius Troxler. «Wichtig ist, dass dies gut aufgearbeitet wird, ohne Tabus. Es ist ein Kapitel, das viel Leid verursacht hat», zitiert ihn die Zeitung. Dass dies eine Austrittswelle verursachen könnte, war gemäss Troxler zu erwarten.
Der Priester ordnet sich selbst so ein: «Im Zweifelsfall konservativ, aber mit einem freundlichen Lächeln dem Neuen gegenüber.» Er gehört dem Priesterkreis der Schönstatt-Bewegung an.
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