Beatrix Ledergerber interessierte sich als Jugendliche für ein Leben in einer Fokolar-Gemeinschaft.
Schweiz

Beatrix Ledergerber: «Wir werden sicherlich keine sensiblen Akten vernichten»

Die Fokolar-Bewegung schliesst im nächsten Jahr ihr Ausbildungszentrum in der Freiburger Ortschaft Montet. Wohin gehen dann die Akten? Die Medienverantwortliche der Fokolar Schweiz, Beatrix Ledergerber sagt: «Wir haben den Studienleiterinnen den Zugang zugesichert».

Regula Pfeifer

Wo befinden sich die Akten der Siedlung und des Zentrums der Fokolar-Bewegung in Montet FR aktuell?

Beatrix Ledergerber: Die Akten der Siedlung wie auch des Ausbildungszentrums befinden sich aktuell in der Siedlung der Fokolar-Bewegung in Montet, im Kanton Freiburg.

«Die Akten gehen voraussichtlich nach Rocca di Papa bei Rom.»

Wohin gehen sie nach der Auflösung von Montet?

Ledergerber: Nach der Auflösung gehen sie voraussichtlich ans internationale Zentrum der Fokolar-Bewegung in Rocca di Papa, einer Stadt unweit von Rom. Dieses Zentrum hat die Siedlung in Montet auch bisher verantwortet. Bei der Schliessung der Siedlung werden sicherlich keine sensiblen Akten vernichtet oder nicht nachvollziehbar verschoben.

Jugendliche in Ausbildung in Montet FR - Trailer
Jugendliche in Ausbildung in Montet FR - Trailer

Haben Sie vor, die Akten den Forschenden der dreijährigen Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche der Schweiz zur Verfügung zu stellen, die im Januar startet?

Ledergerber: Das haben wir den Studienleiterinnen bereits vor einem Jahr zugesichert, als sie uns diesbezüglich angefragt haben. Dies wird auch in der aktuell veröffentlichten Vorstudie positiv erwähnt.

«Wir haben unsere Mitglieder und Freunde auf die unabhängige Meldestelle hingewiesen.»

Haben Sie auf die Pilotstudie der Universität Zürich reagiert?

Ledergerber: Ja, nach Erscheinen der Vorstudie am 12. September haben wir alle Mitglieder und Freunde der Fokolar-Bewegung Schweiz darauf hingewiesen und auch auf die Möglichkeit, sich bei dieser unabhängigen Stelle direkt zu melden.

Fokolar-Zentrum Montet FR
Fokolar-Zentrum Montet FR

Wo finden Forschende allgemein Akten zu allfälligen Missbrauchsfällen in Ihrer Bewegung?

Ledergerber: Allgemein gilt für die Fokolar-Bewegung weltweit die Regel, dass sich die Akten in den lokalen Zentren befinden. Bei allfälligen Missbrauchs-Fällen oder Verdacht müssen diese Zentren aber eine Kopie der entsprechenden Akten bei der «Zentralen Unabhängigen Kommission für das Wohlergehen und den Schutz der Person» in Rocca di Papa hinterlegen.

«Auch die sprachregionalen Kommissionen dokumentieren Fälle.»

Gibt es Akten an anderen Orten?

Ledergerber: Ja, bei den sprachregionalen Kommissionen zur Prävention des sexuellen Missbrauchs unserer Bewegung, die 2016 eingesetzt wurden. Diese dokumentieren allfällige Meldungen und Fälle und bewahren die Unterlagen datenschutzkonform auf. Auch diese Stellen sind zur Zusammenarbeit mit den Studienleiterinnen in der Schweiz bereit.

*Beatrix Ledergerber ist Medienverantwortliche der Fokolar-Bewegung in der Schweiz und Redaktorin des Zürcher Pfarrblatts Forum. Das Interview wurde schriftlich geführt.

Was die Fokolar-Bewegung gegen Missbrauch unternommen hat

Die Fokolar-Bewegung hat folgende Vorkehrungen getroffen, um gegen Missbrauch in den eigenen Reihen vorzugehen:

Leitlinien zur Prävention von sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige. Darin sind auch konkrete Vorkehrungen betreffend Transport, Übernachtung, Duschen von Minderjährigen etc. notiert.

Interne Kommission zur Prävention des sexuellen Missbrauchs in der Schweiz. Diese nimmt Hinweise auf Missbrauchsverdacht auf und klärt diese auf – gemeinsam mit den sprachregionalen Präventionsverantwortlichen der Fokolar-Bewegung, die als Ansprechpersonen fungieren. Und gemeinsam mit externen Fachstellen.

Schulungen für Leitungspersonen zur Prävention von sexualisierter Gewalt

Selbstverpflichtung zur Prävention durch Beauftragte, qualifizierte Gruppenleitende, Regionalverantwortliche

Vorschrift im Fall von sexualisierter Gewalt: obligatorische Kooperation mit offiziellen kirchlichen und staatlichen Fachstellen oder Untersuchungsbehörden

Kontaktstellen für Meldungen und Anfragen in Bezug auf geistlichen Missbrauch. Alle Personen der Kontaktstelle gehören entweder nicht zur Fokolar-Bewegung oder haben keine Leitungsfunktion in ihr. Sie arbeiten unabhängig und weisungsfrei. (rp)

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Beatrix Ledergerber interessierte sich als Jugendliche für ein Leben in einer Fokolar-Gemeinschaft. | © Barbara Ludwig
29. September 2023 | 14:00
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