Mosaik von Marko Rupnik an der Kirche Notre Dame in Genf.
Schweiz

Westschweizer Bistum will über Umgang mit Rupnik-Mosaiken nachdenken

Der Mosaik-Zyklus von Marko Rupnik an der Kathedrale im brasilianischen Aparecida wird nicht vollendet. Dem Priester werden sexuelle Übergriffe vorgeworfen. In Genf schmücken Mosaike von Rupnik mehrere Kirchen. Nun soll sich eine Arbeitsgruppe des Westschweizer Bistums Gedanken über den Umgang mit den Kunstwerken machen.

Barbara Ludwig

Die Missbrauchsvorwürfe gegenüber dem Priester Marko Rupnik werfen einen Schatten auf seine Kunst. Am bedeutendsten Marienwallfahrtsort Brasiliens, in Aparecida, hat man entschieden, die Arbeiten an einem Mosaik-Zyklus definitiv zu stoppen, wie das Newsportal katholisch.de am 23. August berichtete. Das Gesamtkunstwerk wird nicht fertiggestellt, geplant waren über 100 Mosaike mit biblischen Szenen.

Marko Ivan Rupnik, Künstler und Priester.
Marko Ivan Rupnik, Künstler und Priester.

Rupnik und die Mitarbeitenden der Werkstatt «Centro Aletti» in Rom haben Mosaiken für mehr als 150 Kirchen weltweit entworfen. In Genf finden sich 13 davon. Sie sind über das ganze Stadtgebiet verteilt und bis auf wenige Ausnahmen an römisch-katholischen Kirchen angebracht. Gemeinsam bilden sie den sogenannten «Chemin de Joie» (Weg der Freude) und zeigen Szenen im Zusammenhang mit der Auferstehung Christi.

Auswirkungen auf Botschaft des «Chemin de Joie» untersuchen

Nun macht man sich auch im Westschweizer Bistum offiziell Gedanken zum Umgang mit den Kunstwerken des slowenischen Priesters, der vor kurzem aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen wurde. So hat das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg eine entsprechende Arbeitsgruppe gegründet. Dies berichtete das Westschweizer Newsportal cath.ch am 29. August.

Der emeritierte Weihbischof Pierre Farine segnet ein Mosaik von Marko Rupnik an der Basilika Notre-Dame in Genf.
Der emeritierte Weihbischof Pierre Farine segnet ein Mosaik von Marko Rupnik an der Basilika Notre-Dame in Genf.

Die «groupe de réflexion» entstand im Einvernehmen mit Diözesanbischof Charles Morerod, heisst es  in der September-Ausgabe des Magazins «Courrier pastoral», das die römisch-katholische Kirche in Genf herausgibt. Der Arbeitsgruppe gehören rund zehn Personen mit unterschiedlichem Hintergrund an. Ihre Aufgabe ist es, die Auswirkungen der «Affäre Rupnik» auf die Botschaft des «Chemin de Joie» zu untersuchen. Im Juni habe ein erstes Treffen stattgefunden. Ziel ist es, Vorschläge und eine «angemessene Kommunikation für die Öffentlichkeit in diesem neuen Kontext» zu erarbeiten.

Ob auch eine Entfernung der Mosaike ins Auge gefasst wird, lässt sich aus der Information in der Zeitschrift nicht schliessen.

Ein Mosaik von Marko Rupnik auf dem Genfer "Chemin de la Joie" (Weg der Freude).
Ein Mosaik von Marko Rupnik auf dem Genfer "Chemin de la Joie" (Weg der Freude).

Bischof Morerod gegen Entfernung

Im Februar hatte sich Ortsbischof Morerod gegen eine Entfernung der Kunstwerke von Rupnik ausgesprochen. Zahlreiche Kunstwerke gingen verloren, würde man alle Werke von Missbrauchstätern entfernen, teilte er damals auf Anfrage von kath.ch mit. Vielmehr sei es angebracht, die dunklen Seiten auch der jüngsten Geschichte zu thematisieren, statt sie auszulöschen und zu vergessen. «Das Entfernen der Kunstwerke scheint mir eine Verleugnung der Realität zu sein, die in der Tat dunkel sein kann», so der Bischof.

Auch Lourdes macht sich Gedanken

Am Marienwallfahrtsort Lourdes ist laut Berichten von cath.ch bereits im März eine Arbeitsgruppe gegründet worden, die sich Überlegungen zur Zukunft der Rupnik-Mosaike an der Fassade der Rosenkranz-Basilika machen soll.


Mosaik von Marko Rupnik an der Kirche Notre Dame in Genf. | © Mattia Vacca
14. September 2023 | 14:00
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