Martin Lintner zum Vatikan-Njet: «Das ist ein institutionelles Problem»
Der verhinderte Dekan der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen, Martin Lintner, dankt in einer Mitteilung für die erhaltenen Solidaritätsbekundungen. Und er weist darauf hin: Probleme und Hindernisse dieser Art seien «seit Jahrzehnten ein offenes Geheimnis». Lintner wird an der Universität Luzern als Gastdozent erwartet.
Regula Pfeifer
Nun äussert sich der betroffene Martin Lintner selbst zur vatikanischen Verweigerung des «Nihil obstat» für seine Dekanatsaufgabe an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen. Er dankt zuerst für die vielen Solidaritätsbekundungen. «Sie tun mir menschlich wohl, da die vatikanische Entscheidung auch mich überrascht und betroffen gemacht hat.»
Als Brückenbauer bestätigt
Er fühle sich durch diesen Zuspruch bestätigt in seinem Bemühen, «als Theologe auch eine Brückenfunktion zwischen Kirche und Gesellschaft wahrzunehmen und eine lebensrelevante und leidsensible Theologie zu betreiben, die für die Menschen in ihren konkreten Lebenssituationen und Herausforderungen von Bedeutung sind».
Der Entscheid des Vatikans habe bei vielen Gläubigen «schwere Irritationen» ausgelöst und bei anderen die kritische bis negative Haltung gegenüber der Kirche bestärkt. Das schmerze ihn, da er sich zur Kirche zugehörig fühle und eine konstruktiv-kritische Loyalität zum kirchlichen Lehramt pflege.
Verzicht auf «nervenaufreibenden» Rekurs
Martin Lintner erklärt weiter, der Verzicht auf einen Rekurs gegen die vatikanische Entscheidung sei von ihm ausgegangen. Dies begründet er so: «Es ist mir nämlich ein Anliegen, weder meine Hochschule noch mich selbst einem möglicherweise langwierigen und nervenaufreibenden Verfahren auszusetzen.»
Dann ordnet Lintner seinen Fall ein. Sehr viele Kolleginnen und Kollegen seien «im Lauf ihrer akademischen Tätigkeit mit ähnlichen Problemen und Hindernissen konfrontiert worden». Dies sei «seit Jahrzehnten ein offenes Geheimnis». Die Vorfälle würden die Betroffenen emotional verletzen und ihre beruflichen Karrieren teilweise nachhaltig schädigen.
Viele ähnliche Schicksale
Er habe «viele solche Schicksale kennen gelernt», insbesondere in seiner Zeit als Vorsitzender der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie und des Internationalen Netzwerkes von Gesellschaften für Katholische Theologie.
«Das hat mir deutlich gemacht, dass es sich hier nicht nur um individuelle Fälle handelt, sondern um ein institutionelles Problem», folgert Lintner. Er habe dies in formellen und informellen Gesprächen mit Amtsträgern und Mitarbeitern der Glaubenskongregation und der Bildungskongregation besprochen. Dabei habe er den Eindruck erhalten, dass in den Kongregationen beziehungsweise Dikasterien die Notwendigkeit erkannt sei, das Verfahren zu überarbeiten und transparent und fair zu gestalten.
Hoffen auf konstruktives Verhältnis
Sein Schreiben endet der Moraltheologe hoffnungsvoll. «Ich wünsche mir und hoffe, dass mein Fall dazu beiträgt, ein konstruktives Verhältnis des Vertrauens und des Dialogs zwischen Lehramt und akademischer Theologie, zwischen den Dikasterien und den theologischen Vereinigungen, Fakultäten und Hochschulen aufzubauen. Ich bin überzeugt, dass dies dem Geist der Synodalität entspricht, auf den Papst Franziskus die Kirche führen möchte.»
Am 26. Juni hat die Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen in einer Mitteilung die Absage aus dem Vatikan bekannt gemacht. Martin Lintner darf demnach nicht Dekan werden. Seinen Lehrstuhl hingegen behält er.
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