Die Kirche St. Antonius in Kollbrunn gehört zur Kirchgemeinde Zell.
Schweiz

Nach Rücktritts-Eklat: Kirchgemeinde Zell Selbstverwaltung entzogen

Nachdem sämtliche Mitglieder der Kirchenpflege in Zell zurückgetreten sind, wurde die geplante Kirchgemeindeversammlung abgesagt und der Gemeinde die Selbstverwaltung entzogen. Ein provisorischer Sachwalter soll bis auf Weiteres die Belange der Gemeinde regeln. Es ist nicht der erste Konflikt in der Pfarrei.

Wolfgang Holz

Es schlug ein wie eine Bombe in Zell: Anfang Mai haben die drei Mitglieder der Kirchenpflege Zell Christian Palm, Roland Bischofberger und Käthi Schönbächler um vorzeitige Entlassung aus dem Amt ersucht. Wie schon einmal 2021. Sie übten Kritik an ihren Vorgängern, den Pfarrern und der katholischen Kirche.

Selbstverwaltung entzogen

Konsequenz: Eine eigene Kirchenpflege ist momentan inexistent in der katholischen Kirchgemeinde St. Antonius-Kollbrunn im Bezirk Winterthur. Der Synodalrat der Zürcher Kantonalkirche hat der römisch-katholischen Kirchgemeinde Zell das Recht auf Selbstverwaltung entzogen. Christian Schmid aus Hünenberg ZG wurde als Sachwalter eingesetzt.  

Synode der Zürcher Kantonalkirche in Winterthur
Synode der Zürcher Kantonalkirche in Winterthur

«Als Sachwalter möchte ich mich zur gegenwärtigen Situation nicht äussern», sagt Christian Schmid gegenüber kath.ch. Nur so viel: Die Aufsichtskommission der Zürcher Kantonalkirche habe mit Präsidialverfügung vom 16. Mai die vorzeitige Entlassung der drei Personen aus ihren Ämtern genehmigt.

Kirchgemeindeversammlung entfällt

Da es nun aber vorläufig keine eigene Kirchenpflege gibt, kann auch keine Kirchgemeindeversammlung einberufen werden. Deshalb entfällt die für den 11. Juni anberaumte Versammlung. 

Bis auf Weiteres nimmt Christian Schmid also als Sachwalter sämtliche Aufgaben und Befugnisse der Kirchenpflege Zell wahr, einschliesslich jener des Kirchenpflegepräsidenten.

Zusammenarbeit mit Pfarreibeauftragten

Er ist berechtigt, Aufgaben der Kirchenpflege und der Kirchgemeinde im Auftragsverhältnis an Dritte zu übertragen, insbesondere in den Bereichen Finanzen und Liegenschaften. Zusammen mit dem Pfarreibeauftragten Rolf Bezjak, seit 1. März im Amt, trifft er die nötigen Vorkehrungen, damit das Pfarreileben und der laufende Betrieb sichergestellt sind. Im Sommer soll dann ein definitiver Sachwalter gefunden werden.

St. Antonius-Kollbrunn, Innenansicht
St. Antonius-Kollbrunn, Innenansicht

Bei der katholischen Kirchenpflege Zell läuft es nicht rund. In den letzten Jahren kam es mehrfach zu Streitereien und Kündigungen, gar Gerichtsverhandlungen. Das Budget 2023 brachte die Behörde erst im dritten Anlauf vor der Versammlung durch. Nun sind sämtliche Mitglieder der Kirchenpflege von ihren Ämtern zurückgetreten. Sie begründen diesen Schritt in einer Mitteilung mit «Altlasten und intransparenter Verantwortung». 

Pfarrer mischte sich ein

Handelt es sich wieder um einen klassischen Konflikt des dualen Systems – indem Kirchenverwaltung und Pastoral nicht miteinander gleichberechtigt funktional zusammenarbeiten konnten und es deshalb zu Kompetenzüberschreitungen gekommen ist? Kein Geheimnis ist es, dass der vorige Pfarrer sich sehr in die Sachgeschäfte der Kirchgemeinde eingemischt hatte.

«Auch während unserer Amtszeit rissen die Fälle von Übergriffen der kirchlichen Seite in den Aufgabenbereich der Kirchenpflege nicht ab», schreibt der zurückgetretene Kirchenpflegepräsident Christian Palm, wie vom «Landbote» zitiert. «Trotz mehrerer Anläufe ist es uns nicht gelungen, die pfarreiliche Seite in eine gleichberechtigte Entscheidungsfindung einzubinden.»

Klare Kompetenzabgrenzungen gefordert

Es brauche aber klare Kompetenzabgrenzungen. Palm hatte der Rechnungsprüfungskommission angehört und sein Amt erst vor eineinhalb Jahren angetreten, als die damalige Kirchenpflege ebenfalls geschlossen zurückgetreten war. 

Die Zusammenarbeit im Dualen System muss funktionieren, gleichzeitig braucht es Kompetenzabsprachen.
Die Zusammenarbeit im Dualen System muss funktionieren, gleichzeitig braucht es Kompetenzabsprachen.

Die katholische Kirche sehe Kirchenpflege und Pfarrer als gleichberechtigte Partner vor, so Palm. Die Pfarrer beanspruchten aber oftmals die Entscheidungshoheit, ohne die hieraus erwachsenden Konsequenzen zu tragen, schreibt er. Letztlich seien aber die Kirchenpflegen verantwortlich und müssten sich juristisch für das Handeln des Pfarrers verantworten.

Prozess wegen Amtsanmassung

Im Sommer 2022 wurde vor dem Winterthurer Bezirksgericht die ehemalige Kirchenpflegepräsidentin vom Vorwurf der Amtsanmassung freigesprochen. Sie hatte ihren Schwiegersohn als Katecheten eingesetzt – mit höherem Pensum und höherem Lohn als vorgesehen.

Die Verteidigung hatte damals argumentiert, dass vor allem der Pfarrer bei der Einstellung des Schwiegersohns zum neuen Katecheten sowie bei dessen späteren Anpassung des Pensums und des Lohns die dominierende Rolle gespielt habe.


Die Kirche St. Antonius in Kollbrunn gehört zur Kirchgemeinde Zell. | © Charly Bernasconi
1. Juni 2023 | 15:00
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